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Kultur Frei.Wild mit Schlagermelodien und heimattümelnden Texten in Arena
Nachrichten Kultur Frei.Wild mit Schlagermelodien und heimattümelnden Texten in Arena
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17:06 17.04.2018
Frontmann Philipp Burger von Frei.Wild lässt sich beim Konzert in der Arena in Leipzig von etwa 8 000 Fans feiern. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

„Das Herz, es brennt für dieses Land“, mit Liedzeilen wie dieser aus „Auf zum Schwur“ hat am Montagabend die Deutschrock-Band Frei.Wild mit zweifelhafter, heimattümelnder Stimmung in der Arena eingeheizt. Mit Liedern des „Rivalen und Rebellen“-Albums tourt das Quartett aus Südtirol derzeit durch Deutschland. Rund 8000 Menschen feierten die Musiker in Leipzig. Vor allem junge Männer, oft mit sehr kurzen Haaren, Tattoos und schwarzen Fan-T-Shirts genossen den Abend mit ihren Stars.

Sänger Philipp Burger ist der Frontmann der skandalumwitterten 16 Jahre alten Band. Ihm wird regelmäßig vorgeworfen, mit nationalistischen Song-Texten um die Sympathie von Rechtsextremen zu buhlen. Proteste gegen das Konzert, etwa wie am Freitag in Bremen, gab es in Leipzig jedoch keine. Das dürfte auch daran gelegen haben, dass die Veranstalter so gut wie keine Werbung für das Konzert gemacht hatten.

„Goitzsche Front“ Vorband von Frei.Wild

Und so sorgt die Bitterfelder Band „Goitzsche Front“ als Vorgruppe ungestört für martialisches Gewummer. Bei Songs wie „Männer aus Stahl“ und der Liedzeile „Wir ham die geilsten Weiber“ in „Der Osten rockt“ wird das Frauenbild der Band deutlich, die kürzlich den ersten Platz der deutschen Album-Charts belegte.

Beinahe zwei Stunden dauert es, bis endlich Frei.Wild auf die Bühne kommen: Burger steht meist auf einem Podest in der jubelnden Menge. Das Publikum ist ausgelassen: Mit Bier regulieren die einen ihre überschüssige Energie, andere lassen Aggressionen beim Pogo freien Lauf. Zu Liedern wie „Südtirol“ mit Textzeilen wie „du bist mein Heimatland“, „du bist noch nicht verlor’n, in der Hölle sollen deine Feinde schmor’n“ lässt sich prima mitsingen. Ob das nationalistisch ist? Die Fans stören sich an der Bedeutung nicht.

Einlullender Kuschelrock, einende Opferrolle

Sie lassen sich lieber einlullen vom Kuschelrock, der den Abend dominiert: Die Melodie von „Herz schlägt Herz“ erinnert in ihrer Einfachheit sehr an Schlagerhits. Frontmann Burger trifft mit seiner klaren, vielseitigen Stimme in die Herzen. „Verbotene Liebe, verbotener Kuss“ kündigt er überraschend mit dem Wunsch an, „für ein bisschen mehr Toleranz und Offenheit zu sorgen“. Das poliert das anrüchige Image der Band.

Frei.Wild wehren sich gegen Vorwürfe, sie seien nationalistisch. Musiker und Fans fühlen sich als Opfer, missverstanden in ihrer Weltanschauung. Das schweißt zusammen. Burger kritisiert einen Artikel, in dem die Band als völkisch und frauenfeindlich dargestellt worden sei. „Vielleicht seid ihr der Grund dafür, dass wir jetzt da stehen, wo wir jetzt sind“, fügt er provokant, an die Medien gewandt, hinzu. Gegen Ende des etwa zweistündigen Auftritts von Frei.Wild geht es wieder martialischer zu. „Fick dich und verpiss dich“ heißt das Lied vor den Zugaben. Rund 8000 Menschen strecken den Mittelfinger in die Luft. Niveauvoll ist anders.

Ganz am Ende dann noch einmal das Wir-gegen-die-anderen-Gefühl, weil es so schön ist: „Wir sind keine Neonazis und keine Anarchisten“, schreit Burger dem „Land der Vollidioten“ entgegen. Den Frei.Wild-Musikern gelingt eine einende Wohlfühlstimmung. Simple Melodien, eingängige Texte und die Opferrolle fördern den Zusammenhalt. Wer genau sie da feiert, scheint egal zu sein. Nationalistische Texte hin oder her: Sie wollen gefallen und spielen, was eben ankommt. Das widerspricht dem rebellischen Image. Übrig bleiben mittelmäßige Unterhaltung und vom Testosteron-Rausch erschöpfte Fans.

Von Theresa Held

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