Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Freiraum für Gefühle: Gleis 8 singen ihren Leipziger Fans aus den Herzen
Nachrichten Kultur Freiraum für Gefühle: Gleis 8 singen ihren Leipziger Fans aus den Herzen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:48 18.09.2016
Wunderbare Ausstrahlung: Sängerin AnNa R. (46) im Arthur-Bretschneider-Park. Quelle: Kempner
Anzeige
Leipzig

Es ist längst düster, die Luft ist vom Regen des Tages feucht. Alle Sitzplätze sind längst besetzt, und direkt vor der Bühne hat sich eine Traube gebildet. Rhythmisches Klatschen durchdringt die Luft und schemenhafte weiße Aufsteller in Männerform leuchten in der Bühnenbeleuchtung auf. Dann betreten unter Applaus Gleis 8 die Bühne und spielen die ersten rockigen Töne zu „Wach auf“.

Am Samstag haben Gleis 8, die aktuelle Band von Rosenstolz-Sängerin AnNa R., auf der Parkbühne des Geyserhauses gespielt. Die Truppe hat dieses Jahr ihr zweites Album, „Endlich“, veröffentlicht. AnNa R. hat Blumen bekommen, die sie an einem der Deko-Männer festhaftet, wo sie auch den Rest der Show bleiben werden. Dann bittet sie das Publikum, unter dem sich einige langjährige Rosenstolz-Fans befinden dürften, die Daumen zu drücken, damit sich das Wetter hält und beginnt den nächsten Song, „Vorbei“. Unterstützt wird das Dreiergespann AnNa R., Timo Dorsch (Keyboard) und Manne Uhlig (Schlagzug) von vier Gastmusikern, die das Klangbild mit Gitarre, Bass, weiteren Tasteninstrumenten und einer Harfe vervollständigen.

Gleis 8 zeichnen sich unter anderem durch die Texte aus, die immer sehr persönlich und emotional wirken, sich manchmal anhören wie ein Tagebuch-Eintrag. Sie handeln von der Liebe und Identität, vom Selbst und auch mal von Veränderung. Man könnte die Musik als eine Art Selbstreflexions-Pop bezeichnen. Damit bieten Gleis 8 eine große Identifikationsfläche, die eindeutig beim Publikum ankommt. Zusammen mit der emotional gestalteten Musik stellen sie ihren Fans einen Freiraum zur Verfügung, in dem es in Ordnung ist, gefühlvoll zu sein.

Vorschlag: Aneinanderkuscheln!

Kein Wunder, dass diese wiederum sich von den Regentropfen, die schon nach dem dritten Song herunterkommen, nicht davon abhalten lassen, das Konzert zu genießen. AnNa R. schlägt vor, sich enger aneinander zu kuscheln, ein Vorschlag, dem manche auch Folge leisten. Die Bühnenansagen sind humorvoll, locker und sympathisch. Sie verfügt nicht nur über eine großartige Live-Stimme, sondern auch über die wunderbare Ausstrahlung einer Frau, die sich in ihrer Haut und auf der Bühne wohlfühlt. Ihre Art zu singen, erinnert immer noch stellenweise an Chansons, aber auch die rockigere Röhre kommt zum Einsatz. Ihre Stimme harmoniert sehr gut mit der von Timo Dorsch.

Dieser schnallt sich für zwei der Songs, „Eine Sekunde“ und das recht verträumte „Schreien“, zusammen mit einem der Tourmusiker eine Trommel um, so dass das Publikum in den Genuss einer kleinen Marschkapelle kommt. Während AnNa R. meistens vorne an der Bühne steht und singt, setzt sie sich für die ruhigeren und schwermütigeren Songs gerne zu ihren Musikern und bringt damit eine gewisse Ruhe in den Auftritt. Die melancholischen Balladen stehen in Kontrast zu der lockeren und witzigen Stimmung unter den Musikern.

Bei den rockigeren Liedern glänzt besonders der Gitarrist immer wieder als mehr als fähig. Einen interessanten Akzent setzen Gleis 8 mit „Engel“, ihrem leichten und völlig aggressionsfreien Rammstein-Cover. Das Publikum genießt das Wechselbad der Gefühle, das Gleis 8 ihnen liefert, und klatscht die Band ausdauernd ganze zweimal zurück auf die Bühne, bevor alle nach zwei Stunden in die Nacht verschwinden.

Von Miriam Heinbuch

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Kultur Mendelssohns „Paulus“ als MDR-„Zauber“ im Gewandhaus - Mehr Hymnus als Drama

Mit Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium „Paulus“ leisteten die MDR-Klangkörper unter Chorchef Risto Joost am Samstag im Gewandhaus ihren Beitrag zu den letzten Leipziger Mendelssohn-Festtagen

21.09.2016

Trotz des mit Regen einsetzenden Herbstes haben am Samstag erneut Tausende die Galerien auf dem Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei besucht. Noch bis Sonntagabend haben die Ateliers ihre Pforten geöffnet.

17.09.2016

Mit viel Beifall wurde Claudia Bauers Premiere „89/90“ vom Publikum am Freitagabend im Leipziger Schauspiel aufgenommen. Der Stoff von Peter Richter beschreibt eine Jugend in Dresden während der Wendezeit. Die Inszenierung lässt ihre Protagonisten auf die Tage der Anarchie zurückschauen.

17.09.2016
Anzeige