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Kultur Friedenspreisträger Boualem Sansal eröffnet Lese-Festival
Nachrichten Kultur Friedenspreisträger Boualem Sansal eröffnet Lese-Festival
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16:11 15.10.2015
Boualem Sansal eröffnet am 20. Oktober den 19. Literarischen Herbst. Quelle: André Kempner
Leipzig

„Wir erfinden die Zukunft, während die Zukunft uns erfindet“, hat Boualem Sansal einmal gesagt und das als „berauschende, erlösende Macht“ empfunden. 2012 war das, in seinem Dank für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Zwei Tage später war er in Leipzig zur Eröffnung des Literarischen Herbstes, und das wird er am 20. Oktober in der Alten Handelsbörse wieder tun. Das Festival ist eine Kooperation von Verband und Kulturwerk Deutscher Schriftsteller unter anderem mit dem Institut français , der Stadt Leipzig und der Leipziger Buchmesse.

Sansal zählt zu den bekanntesten frankophonen Romanautoren und Essayisten. Am Dienstag gibt er einen Überblick über sein Werk. Zuletzt sind die Bücher „Rue Darwin“ und „Allahs Narren: Wie der Islamismus die Welt erobert“ auf Deutsch erschienen. Vom jüngsten aber, „2084“, liegt noch keine Übersetzung vor. Es ist ein Zukunftsroman wie Orwells „1984“. So entwirft er das Bild einer totalitären Herrschaft, in diesem Fall einer religiösen Diktatur. Als Systemkritiker und Kämpfer für eine friedliche Demokratisierung lehnt Sansal Diktatoren ebenso ab wie Extremisten, das Diktat des Marktes, den erstickenden Zugriff der Religion. In der Empörung entstehe ein neues Bewusstsein, sagt er.

Boualem Sansal wird 1949 in Teniet el-Had in Algerien geboren. Bei ihm greifen Politisches und Privates täglich ineinander. Unter dem Eindruck der Ermordung des algerischen Präsidenten Muhammad Boudiaf 1992 und des Bürgerkriegs schreibt er in den 90er Jahren seinen ersten Roman: „Der Schwur der Barbaren“. Heute ist er ein im Ausland geachteter Autor und Intellektueller, der zu keiner Partei und zu keiner Bewegung gehört, doch „wer schreibt, trifft schon eine Wahl“, zitiert er Albert Camus.

Die Idee, den Fokus des Festivals in diesem Jahr auf Frankreich zu richten, stammt von Kulturbürgermeister Michael Faber. Und die Auswahl der Autoren beweist auch Mut. Nach Sansal wird, vor der Schiftstellerin Marie NDiaye und dem Philosophen Jacques Rancière, am Mittwoch Alain Finkielkraut erwartet, in seiner Heimat so berühmt wie umstritten. „Seine Stellungnahmen für eine republikanische statt einer multikulturellen Gesellschaft haben in Frankreich für heftige Diskussionen gesorgt“, erklären Projektleiter Regine Möbius und Steffen Birnbaum.

Neben Podiumsdiskussionen gehören auch ein Édith-Piaf-Programm und Lesebühnen-Abende zum Literarischen Herbst, die traditionelle poet-Leseparty, KrimiLounge, Linzer Salon und das Leipziger Lesefest „3 mal literisches Weltnest“ mit Texten, Musik und Fotografien von Helfried Strauß. Nicht nur nebenbei werden 1000 Jahre Leipzig gefeiert mit Autoren der Stadt. 34 Gedichte von ihnen hat Jutta Pillat zusammengestellt im Bändchen „Stimmen für Leipzig“. Sie stammen von Adel Karasholi, Andreas Reimann oder Hans Ulrich Treichel, Kerstin Preiwuß, Undine Materni oder Jayne Ann Igel, Friedemann Berger, Wolfgang Hilbig oder Georg Maurer. Der Literarische Stadtteilspaziergang führt diesmal nach Leutzsch.

So beginnt der 19. Literarische Herbst:

20. Oktober, 19 Uhr: Eröffnung „Leipzig Livre“; mit Boualem Sansal, dem französischen Botschafter Philippe Ètienne, Kulturbürgermeister Michael Faber und Programmleiterin Regine Möbius, Alte Handelsbörse (Naschmarkt 2)

21. Oktober, 18.30 Uhr: Der Leipziger Schriftsteller Günter Gentsch liest aus dem Buch „Zwischenfälle der Geschichte. Drei Erzählungen aus dem alten Frankreich“; Altes Rathaus (Markt 1)

21. Oktober, 19 Uhr: Navid Kermani, Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels; mit OBM Burkhard Jung und Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels; Altes Rathaus (Markt 1)

21. Oktober, 19 Uhr: Lesung und Gespräch mit Sherko Fatah („Der letzte Ort“); Deutsche Nationalbibliothek (Deutscher Platz 1 )

21. Oktober, 19.30 Uhr: Buchpremiere, aus der Anthologie „Stimmen für Leipzig“ lesen Kerstin Preiwuß und Elmar Schenkel, am Saxophon begleitet Reiko Brockelt; Zeitgeschichtliches Forum (Grimmaische Straße 6 )

21. Oktober, 20 Uhr: Lesung und Gespräch mit dem französischen Schriftsteller und Philosophen Alain Finkielkraut; Bibliotheca Albertina (Beethovenstraße 6)

Alle Termine unter www.leipziger-literarischer-herbst.de

Von Janina Fleischer

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