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Frivole Enthüllungen im Leipziger Felsenkeller

Dinnershow Frivole Enthüllungen im Leipziger Felsenkeller

Dinnershows haben Konjunktur. Nach Krystallpalast und Stadtbad zeigt nun auch „Leipzigs schönster Ballsaal“ seine erste Produktion dieser Art: „Enthüllungen. Eine frivole Geschichte des Felsenkellers“.

Premiere der Dinnershow „Enthüllungen“ im Felsenkeller in Leipzig. Auftritt von den Lipsi Lillies, Ferkel Johnson, Mitzi von Sacher und Sängerin Laura Hempel.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Was für ein Raum. Ohne Ah und Oh schafft kaum jemand den Weg zu seinem Platz im Felsenkeller am Dienstagabend. Die Maße werden nachgereicht: „Der Saal hat eine Höhe von 11 Metern, ist 40 Meter lang und 30 Meter breit“, erklärt hölzern haspelnd Simone de Boudoir von den Lipsi Lillies als Fremdenführerin ihren Mitstreitern. Und schon sind wir mittendrin in der Premiere der „Enthüllungen“, der „ersten Dinnershow in Leipzigs schönstem Ballhaus“, die auf den Tag genau am 125. Geburtstag der Immobilie „eine frivole Geschichte des Felsenkellers“ verspricht.

Folglich durcheilen wir, geführt vom Zeitreisenden Ferkel Johnson, die Jahrzehnte, machen bei den Suffragetten halt, die die Frau vom Korsett befreiten, und in den Goldenen 20ern, streifen Deutschlands dunkelste Zeit, sehen, dass der Lipsi keine Chance gegen den Rock ’n’ Roll hatte, und eine Messe-Modenschau mit vielen schönen DDR-Schlagern. Und weil die Show nun einmal „Enthüllungen“ heißt, gibt all das immer wieder Gelegenheit zum burlesquen Blankziehen.

Schräger Witz

Das ist, wie es ist. Die augenzwinkernde Retro-Erotik der Lipsi Lillies Mamma Ulita, Mirielle Tautou und Simone de Boudoir mit den Troddel-Pömpeln auf den sekundären Geschlechtsmerkmalen kann man mögen oder auch nicht. Die dralle Mitzi von Sacher zeigt schrägen Mutterwitz, die Kostüme sind schön aufwendig, man lächelt charmant. Und hinter all den Straußenfedern zeigt sich eine große Portion Selbstironie. Was auch für Ferkel Johnson gilt, der als strippender Hitler den Beweis dafür antritt, dass auch unter dem Seitenscheitel alle gleich waren.

Über gut drei Stunden trägt das allerdings nicht. Darum pumpen Bert Callenbach und die Lipsi Lillies, die gemeinsam Regie führten, noch ein wenig Artistik hinein, wofür die über alle Maßen gelenkige Katrina mit ihrer Kontorsion und am Vertikalseil steht, und viel Musik. Um die kümmert sich die „Felsenkeller Jubilee Band“ – eigentlich ein Trio: der fabelhafte Jan Grepling am Sax, Peter Zwirnmann am Keyboard und Max „The Beast“ Stadtfeld an den Drums. Wenn dazu Sängerin Laura Hempel ihre rauchig schöne Stimme hören lässt, ist, abgesehen von der topfigen Akustik, alles gut.

Wenn Ferkel Johnson auf fremdem Terrain wildert und musikalisch seine Fantasien vom flotten Dreier auslebt, ist es das nicht. Dann ist die Solltonhöhe so weit wie das Fremdschämen nah. Und der behauptete Glamour der Show zieht sich zurück hinter den sehr handfesten Charme einer Betriebsfeier mit buntem Unterhaltungsprogramm.

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Dinnershows haben Konjunktur. Nach Krystallpalast und Stadtbad zeigt nun auch „Leipzigs schönster Ballsaal“ seine erste Produktion dieser Art: „Enthüllungen. Eine frivole Geschichte des Felsenkellers“.

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Von der hat der lange Abend den Rhythmus geborgt. Die Übergänge sind hölzern, die Pointen selten, die Texte aufgesagt. Aber es hat ja auch niemand die schönste Dinnershow in Leipzigs erstem Ballsaal versprochen, sondern umgekehrt.

Groß ist er, der schönste Ballsaal. So groß jedenfalls, dass keine Veranlassung besteht, die Tische in seinem Zentrum so eng zu stellen, dass die Besucher Lehne an Lehne eingeklemmt sind und Bewegung unmöglich ist. Die aber wäre nötig, weil das Geschehen fortwährend zwischen zwei Bühnen pendelt und folglich immer eine Hälfte des Parkett-Publikums den Kopf verdrehen muss. Doch weil nach spätestens zwei Durchgängen klar ist, dass die orthopädischen Unbilden in keinem Verhältnis stehen zum sinnlichen Mehrwert des Gebotenen, lassen immer mehr die Show Show sein, sobald sie sich hinter ihrem Rücken abspielt. Zum Ausgleich haben sie immer wieder die ungeputzten Schuhe des Zeremonien-Ferkels Johnson direkt vor Augen – ein schönes Bild für die ganze recht ungekonnte Produktion.

Gediegene Großküchen-Performance

Soweit zur Show, die vielen offenkundig dennoch gefällt. Das Dinner liefert Uwe Range vom Marriott Hotel, der im Programmheft vollmundig bekundet, man habe sich „für ein glamouröses, aber auf keinen Fall abgehobenes Menü entschieden“. Glamourös sind die klingenden Namen: Ein „Vorspiel“ gibt es da, wohinter sich mäßig frisches Brot mit Salzbutter verbirgt; es folgt „Alles Walzer“, ein „im Dreivierteltakt gerührtes“ Kürbis-Süppchen; als „Lasziver Gaumenkitzel“ präsentiert sich ein „Dekolleté von der Poularde umrahmt von einem köstlichen Mieder“ (anständige Maispoulardenbrust mit Allerweltssauce, zweierlei Karotten, denen der Garpunkt einerlei ist, und geklumptem Kartoffelgratin). Zum Dessert schließlich lockt ein „Leidenschaftlicher Abschiedskuss“: eine immerhin gelungene Passionsfrucht-Tarte mit Bordeaux-Kirschen.

Nein, abgehoben ist diese bestenfalls gediegene Großküchen-Performance nicht. Abgehoben sind nur die Preise, die dafür aufgerufen werden: 99 Euro in der ersten und 89 in der zweiten Kategorie kosten die Karten für diesen Erstling. Das ist, vergleicht man es mit der etablierten Konkurrenz, mit der ganz anderen Gans des Krystallpalastes etwa (78–87 Euro), die kulinarisch wie in Sachen Entertainment in einer anderen Liga spielt, sehr, sehr fantasievoll kalkuliert. Frivol, das heißt so viel wie frech oder schamlos. Insofern passt die Preisgestaltung zum Untertitel: „Eine frivole Geschichte des Felsenkellers“.

Enthüllungen im Felsenkeller (Karl-Heine-Straße 32), bis 12. Dezember täglich (4. und 12. sind bereits ausverkauft). Karten und Infos unter Tel. 0341 1494567 oder www.felsenkeller-tickets.de

Von Peter Korfmacher

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