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Kultur Früherer Botschafter Israels: "Einreiseverbot ist übertrieben und populistisch"
Nachrichten Kultur Früherer Botschafter Israels: "Einreiseverbot ist übertrieben und populistisch"
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10:56 09.04.2012
Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, nennt das Einreiseverbot für Grass "übertrieben und populistisch". Quelle: Georg Ismar/ Archiv
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Tel Aviv/Hamburg

Innenminister Eli Jischai von der strengreligiösen Schas-Partei hatte Grass am Sonntag wegen dessen israelkritischen Gedichts zur unerwünschten Person erklärt.

„Ich glaube, dass der Innenminister gar nichts von Deutschland versteht. Er betreibt Innenpolitik. Ich halte das für falsch“, erklärte Primor am Sonntagabend in den ARD-„Tagesthemen“. Für ihn sei Grass kein Antisemit. „Ich weiß, wovon ich spreche.“ Zugleich kritisierte der Diplomat aber auch Grass’ umstrittenes Gedicht. Die darin geäußerte Behauptung, Israel wolle den Iran auslöschen, sei lächerlich.

Auch seien die Sorgen der israelischen Regierung berechtigt, dass der Iran Atomwaffen bauen könnte, meinte Primor. Schließlich habe nicht nur der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad sondern auch der oberste Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, von der Auslöschung Israels gesprochen.

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Tel Aviv/Hamburg. Israels Einreiseverbot gegen Literaturnobelpreisträger Günter Grass stößt weiter auf Kritik. Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, nannte die Maßnahme übertrieben und populistisch. Innenminister Eli Jischai von der strengreligiösen Schas-Partei hatte Grass am Sonntag wegen dessen israelkritischen Gedichts zur unerwünschten Person erklärt.

Das Gedicht hatte Grass im In- und Ausland den Vorwurf des Antisemitismus eingebracht. Grass hatte sich verteidigt und seinen Kritikern Hass und eine Kampagne gegen ihn vorgeworfen.

[gallery:500-1553017845001-LVZ] In Israel machte sich derweil ein Karikaturist über das Einreiseverbot lustig. Die Zeitung „Haaretz“ veröffentlichte die Zeichnung von Amos Biderman in der Nacht zum Montag. Sie zeigt zwei Männer, die auf einem Hausdach in Tel Aviv einen Joint rauchen. Einer von ihnen sagt mit besorgtem Gesichtsausdruck: „Der Innenminister hat die Einreise (auch: Einfuhr) von Grass nach Israel verboten.“ Darauf gerät der andere Mann ins Schwitzen. Im Vordergrund sind mehrere Marihuana-Pflanzen in Blumentöpfen zu sehen. Im Hebräischen wird Cannabis wie im Deutschen umgangssprachlich als Gras bezeichnet.

dpa

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Das von Israel verhängte Einreiseverbot gegen den Literaturnobelpreisträger Günter Grass ist in Deutschland auf Kritik gestoßen. „Die Reaktion der israelischen Regierung ist unangemessen und wird dem Thema nicht gerecht“, sagte der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, dem „Handelsblatt“ Online.

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