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Kultur Für jeden ein Lied: Felix Meyer und Project Île auf der Geyserhaus-Parkbühne
Nachrichten Kultur Für jeden ein Lied: Felix Meyer und Project Île auf der Geyserhaus-Parkbühne
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00:19 13.09.2017
Die Welt und die Lieder darüber: Felix Meyer mit Band in Leipzig. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Ein Weltmusikjazzrockorchester mit einem Sänger und Tänzer an der Spitze spielt zu einer Hochzeit auf einem Campingplatz vor einem Publikum aus Freunden, das die Texte kennt und trotzdem aufmerksam zuhört. Der Mann in der Mitte hat für jeden ein Lied dabei, eins für die Verzagten und eins für die Übermütigen, eins für die, die eigentlich gar keins hören wollen, und eins für die, die alle Lieder von ihm lieben, eins für die unauffällig Lauschenden und eins für die, die so gern mit oben auf der Bühne wären. Die Botschaft in allen: „Fasst euch ein Herz!“

Felix Meyer denkt und formuliert ungewöhnlich, wenngleich verständlich. Er singt über das Leben, das Zusammenleben und die daraus resultierenden Schwierigkeiten. Er weiß: „Nicht die Lösung ist das Problem.“ Und er fragt sich: „Wohin mit der überschüssigen Fantasie?“ Denn: „Nichts von alledem wird bleiben.“

Ein leuchtender Globus steht vor ihm auf der Geyserhaus-Parkbühne, hinten an der Wand hängen zwei Schautafeln wie aus einem Geografie-Schulzimmer. Meyer trägt auch am Sonnabend im Leipziger Norden seine Straßenmusikerkleidung, die der Kluft wandernder Handwerksgesellen ähnlich sieht: schwarze Hose, schwarze Weste, weißes Hemd.

So spielt er in Fußgängerzonen, Metro-Stationen und auf den Plätzen unzähliger Städte: „Von Faro bis Barcelona, von Leipzig bis nach Verona“. Und im Laufe der Zeit ging es von den Straßen und Plätzen auf die Bühnen. Angefangen habe das Ganze mit Covermusik in der Gastronomie, erzählt Meyer, der Titel „Eins, zwei, drei“ über die geschlossene Lieblingskneipe folgt. Beobachtung, Erinnerung und die Verwandlung in etwas Allgemeingültiges resultiert in „dokumentarischer Popmusik“, wie einst ein Journalist formulierte, was dem Musiker gefiel – er machte es zu seiner eigenen Schublade.

„Alles, was stimmt, bleibt leicht“

Als weiteres eindrucksvolles Beispiel dafür erklingt Meyers Übersetzung eines Lieds des Franzosen Francis Cabrel – „La Corrida“. Aus der Sicht des am Ende geschlagen im Sand liegenden Tiers wird hier ein Stierkampf besungen, unglaublich poetisch und berührend. Im Refrain erklingt die Frage „Kann man diese Welt ernstnehmen?“ Bühnengast und Liedermacherkollegin Maike Rosa Vogel meint dazu: „Die Welt wird immer komplizierter, doch alles, was stimmt, bleibt leicht!“

Die Berlinerin wird von Meyer, seinem in Leipzig lebenden Chefmusiker Erik Manouz und der übrigen Band „project île“ ins Programm eingebunden, das scheint bei ihnen Brauch zu sein und ist ein Indiz für das Interesse und die Wertschätzung innerhalb der Szene.

„Habt ihr Lust, aufzustehen und zu tanzen“, fragt der Mann des Abends vom stimmungsvoll beleuchteten, unter hohen Bäumen platzierten Podium. Ja, natürlich! Auf der rundherum ansteigenden Wiese mit Bänken, Decken, Bierbechern und Spielplatz herrscht sowieso eine Atmosphäre, als fände hier gerade eine große Gartenparty statt. Und bei aller Ernsthaftigkeit soll die Freude am Leben nicht zu kurz kommen. Auf den Straßen der Missverständnisse trifft man schließlich nicht nur auf Dreck und Gewalt, sondern immer wieder auch oder sogar viel öfter auf Mitgefühl und Liebe ...

Von Bert Hähne

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