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11:42 29.12.2017
Mit dem Talent-2-Zug im Computerspiel von Leipzig nach Dessau: "Train Sim World: Rapid Transit" simuliert den Alltag im Mitteldeutschen-S-Bahn-Netz - in beinahe fotorealistischer Grafik. Quelle: Screenshot/Robert Nößler
Leipzig

Kurz hinter Markkleeberg gibt es schon die erste Verspätung. Wo war der Türschalter nochmal? Und warum fährt der Zug nicht los? Gar nicht so einfach, die Technik im modernen Talent-2-Zug der Deutschen Bahn auf Anhieb zu beherrschen. Rund drei Dutzend Knöpfe und Hebel reihen sich im Cockpit aneinander. Draußen prasselt der Herbstregen gegen die Windschutzscheibe. Ein schneller Blick ins digitale Handbuch hilft: Mit der „V“-Taste wird der Scheibenwischer aktiviert, mit einem Mausklick ertönt Gepiepse und die Türen schließen sich. Flugs noch den Richtungswender auf Vorwärtsfahrt eingestellt, den Motor auf halbe Kraft gedreht und schon summt die E-Lok schnurstracks in Richtung City-Tunnel.

Vier Jahre nach dem Start des Mitteldeutschen S-Bahn-Netzes können nun Computerspieler erstmals selbst durch die Messestadt fahren. In „Rapid Transit“, einer Erweiterung für das PC-Spiel „Train Sim World“, wurde ein Teil des Schienennahverkehrs rund um Leipzig nachgebildet. Das erforderliche Hauptspiel und das Leipzig-Add-On sind beim Download-Portal Steam im Paket derzeit ab rund 32 Euro im Angebot, bei Amazon ist beides separat erhältlich. Wie sich der virtuelle Bahnalltag spielt? LVZ.de ist Probe gefahren – und dabei haben wir auch die Stationen mit echten Fotos verglichen:

Der Foto-Vergleich: So sehen Leipziger S-Bahn-Stationen im Original und im Spiel "Train Sim World: Rapid Transit" aus. 

S-Bahn-Pendler dürften sich in den silbergrauen Talent-2-Zügen (offizieller Name: DB BR 1442) sofort wie zu Hause fühlen. Vom blauen Sitzpolster über die Notbremshebel bis zu den ausfahrenden Türschwellen wurde alles haargenau im Spiel nachgebaut. Auch bei den 24 Bahnhöfen haben die Entwickler auf jedes Detail geachtet. Die City-Tunnel-Stationen sehen ihren realen Vorbildern fast so ähnlich wie auf einem Foto. Das Kachelglasmosaik am Wilhelm-Leuschner-Platz, die in Terrakotta gekleidete Marktstation, die charakteristischen bunten Säulen am Bayerischen Bahnhof – so detailgetreu wurden Leipziger Orte wohl noch nie in einem Videospiel nachgebaut.

City-Tunnel-Stationen lassen sich frei erkunden

Das Besondere: Der Spieler ist nicht wie bei manch anderer Simulation an den Führerstand gefesselt, sondern darf sich im Zug und an den Bahnhöfen in der Ich-Perspektive frei bewegen. Nach einer kurzen Einführung, die mit den grundlegenden Funktionen des Silberpfeils vertraut macht, kann die Lokführer-Karriere beginnen. Im Spiel enthalten ist allerdings nur eine Strecke, die ehemalige Linie S2 von Dessau über Bitterfeld und Leipzig bis nach Markkleeberg-Gaschwitz. Die rund 70 Kilometer lange S-Bahn-Route bewirbt der englische Entwickler Dovetail Games als „eine der geschäftigsten in ganz Deutschland“.

Einfahrt in die Station Wilhelm-Leuschner-Platz: Das punktgenaue Bremsen an den kurzen Bahnsteigen erfordert einiges an Übung. Quelle: Screenshot/Robert Nößler

Neben einem Fahrplanmodus, in dem Spieler den Linienbetrieb unter Zeitdruck absolvieren, hält „Rapid Transit“ fünf Alltags-Szenarien bereit. Bei der Mission „Leipziger“ beginnt die Fahrt am Unteren Bahnhof in Delitzsch. Morgens um kurz vor acht Uhr startet der Spieler zu Fuß am Bahnsteig, muss am Gleis 3 in den Zug einsteigen und den Talent 2 durch den Berufsverkehr bis nach Gaschwitz steuern. 15-mal Türen auf, Passagiere rein und raus, Türen zu – und weiter geht’s. Besondere Aufträge gibt es nicht – anders als beim umfangreichen Hauptspiel „Train Sim World: CSX Heavy Haul“, in dem schwere Güterzüge rangiert, an- und abgekuppelt und durch den Osten der USA manövriert werden.

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Zum Spielen erforderlich: "Train Sim World: CSX Heavy Haul"

Optisch sind die S-Bahn-Fahrten dank der Unreal Engine 4 beeindruckend: Mehrere Außenkameras fangen die bis zu 170 km/h schnelle Fahrt aus jedem möglichen Blickwinkel ein. Am Fenster fliegen Häuser, Straßen und entgegenkommende S-Bahnen vorbei. Die Gebäude sind realen Vorbildern jedoch nur grob nachempfunden. Die Kleingartensiedlungen im Leipziger Norden sehen beispielsweise aus wie mittelalterliche Dörfer aus Holzhütten. Die MDR-Zentrale in der Südvorstadt ist ein trister Glaskasten. Markante Gebäude wie der Uniriese oder das Wintergartenhochhaus fehlen bei der Anfahrt auf den Hauptbahnhof in der Stadtsilhouette – das ist bei so viel Detailarbeit, die in jeder Zugniete steckt, etwas schade.

Wer den Fahrplan exakt einhält und besonders präzise am Bahnsteig bremst, bekommt in „Rapid Transit“ Extrapunkte. Ansonsten gibt es wenige Motivationsschübe. Simuliert wird der ganz normale Bahnalltag – inklusive gelegentlich streikender Zugtüren und gähnender Langeweile auf den Dörfern nördlich von Bitterfeld. Immerhin hält „Rapid Transit“ zig Wetterszenarios bereit. Eine Fahrt durch das tief verschneite Leipzig lässt sich so ebenfalls simulieren wie ein stürmischer Herbsttag. Die Abwechslung bleibt trotzdem überschaubar. Wochenlangen Spielspaß kann man von „Rapid Transit“ nicht erwarten. Puristen kommen hier – trotz des spärlichen Umfangs – aber auf ihre Kosten. Wenn sie denn den Türknopf finden.

Von Robert Nößler

Wertung und Infos

3,5 von 5 Punkten

Genre: Simulation
Erscheinungsdatum: 14. Dezember 2017
Plattform: PC
Amazon-Preis: je etwa 30 Euro für Addon und das erforderliche Hauptspiel
Jugendfreigabe: keine Angabe
Entwickler: Dovetail Games
Publisher: Dovetail Games
Website: https://trainsimworld.com

Das sollten Eltern wissen

"Train Sim World" ist ein Simulationsspiel mit hohem Realismusgrad, das sich zwar an Erwachsene richtet, aber auch für technik-affine Kinder und Jugendliche geeignet ist. Das Bedienen des Zugs und das punktgenaue Bremsen an den kurzen Bahnsteigen erfordern Geschicklichkeit und Konzentration. Die Grundlagen des S-Bahn-Fahrens lassen sich dank eines Tutorials aber gut erlernen. Danach stellen sich mit etwas Übung schnell kleine Erfolgserlebnisse ein. Das Spiel erklärt zu Beginn die wichtigsten Funktionen und ist zudem komplett auf Deutsch. 

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