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Games Ein Videospiel wie eine Netflix-Serie
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12:47 02.06.2018
Mission erfüllt: Androiden-Polizist Connor kümmert sich in "Detroit: Become Human" um Robotermenschen, die menschliche Züge entwickeln. Quelle: Quantic Dream
Leipzig

Das Ende naht. Und es kommt schnell. Nur rund zwölf Stunden dauert es, dann ist das vielleicht intensivste Spielerlebnis des Jahres an der Playstation schon vorbei. Vier Jahre lang haben 180 Menschen an „Detroit: Become Human“ gearbeitet, mehr als 3000 Drehbuchseiten in Szene gesetzt und 37.000 Animationen mit dutzenden Schauspielern aufgenommen. Und nun lässt sich eines der ambitioniertesten Games-Projekte an einem Wochenende durchspielen.

Was danach hinter uns liegt, ist jedoch nur ein Weg den Abspann zu erreichen – einer von rund 1000. Gesehen haben wir nur eines von dutzenden möglichen Enden. Es ist ein individueller Pfad, der uns durch das Detroit des Jahres 2038 geführt hat, in dem Androiden anfangen, gegen die Menschen zu rebellieren. Einst angeschafft, um Geschirr zu spülen, Babysitter zu spielen oder sexuelle Bedürfnisse zu befriedigen, widersetzen sich die Roboter plötzlich ihren Befehlen – und zeigen menschliche Züge.

2038 ist das das Jahr, in dem die Roboter rebellieren: Im interaktiven Science-Fiction-Drama "Detroit: Become Human" übernehmen die Spieler die Rolle von drei Androiden, deren Wege zusammentreffen.

Spieler schlüpfen in die Rolle von drei Androiden – dem Polizisten Connor, dem Pfleger Markus und dem Kindermädchen Kara. Weil in Detroit immer mehr künstliche Wesen zu „Abweichlern“ werden, bekommen Robocop Connor und sein menschlicher Kollege Hank den Fall auf den Tisch. Gleich zu Beginn demonstriert das Spiel, wie sich jede Entscheidung auf die Handlung auswirken kann. Connor wird auf das Dach eines Hochhauses gerufen, wo ein Android seinen Besitzer getötet und dessen Tochter in seine Gewalt gebracht hat. Wir inspizieren den Tatort, analysieren Spuren und verhandeln anschließend mit dem bewaffneten Kidnapper.

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Am Ende können alle sterben oder alle am Leben bleiben – ein Game Over oder Sackgassen gibt es in „Detroit“ nicht. Je nachdem, wie akribisch Spieler vorgehen und Hinweise sammeln, desto mehr Gesprächsoptionen ergeben sich im Verlauf der Episode. Häufig muss der Spieler in den Multiple-Choice-Dialogen über Leben oder Tod entscheiden oder blitzschelle Entscheidungen am Controller fällen. Ein Story-Baum am Ende jedes Kapitels – und das ist der eigentliche Clou – zeigt die Verzweigungen des virtuellen Schicksals.

Die dramaturgische Komplexität und Inszenierung erinnert mehr an Netflix-Serien als an Computerspiele. Von den 32 Story-Episoden, die mit wechselnden Protagonisten und Cliffhangern zum Binge-Gaming verführen, bis zu cineastischen Schnitten und Kameraeinstellungen knüpft Entwickler David Cage (Quantic Dream) nahtlos an den Stil der Vorgänger „Beyond: Two Souls“ und „Heavy Rain“ an.

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Das interaktive Science-Fiction-Drama setzt mit der hyperrealen Mimik der Figuren nicht nur grafisch neue Maßstäbe. Mehr als ein Spiel ist „Detroit“ ein erzählerisch Gesamtkunstwerk, das essentielle Fragen des sozialen Zusammenlebens in künftigen Gesellschaften mit künstlicher Intelligenz (KI) aufwirft. Alle Fragen zu beantworten, dürfte Spieler für Wochen beschäftigen. Es lohnt sich, die Geschichte mehrmals von vorne zu beginnen und nach zwölf oder mehr Stunden – je nachdem wie tie der Spieler eintaucht – immer wieder ein völlig anderes Ende zu erleben.

Von Robert Nößler

Infos und Wertung

4,5 von 5 Punkten

Genre: Interaktives Drama
Erscheinungsdatum: 25. Mai 2018
Plattform: PS4
Preis: ca. 70 Euro (bei Amazon bestellen)
Jugendfreigabe: ab 16 Jahren
Entwickler: Quantic Dream
Publisher: Sony
Website: www.quanticdream.com

Das sollten Eltern über Detoit: Become Human wissen

„Detroit: Beyond Human“ wartet mit Schockmomenten auf und zwingt Spieler auch zu unmoralischen Entscheidungen. Sie wachen auf einem Androiden-Friedhof zwischen zuckenden Robotern auf und müssen diese für das eigene Überleben ausschlachten. Mehrmals werden sie vor die Wahl gestellt, Weggefährten zu opfern, um andere zu retten. Grausige Mordfälle, Geiselnahmen und Exekutionen – das ist kein Stoff für Kinder. Die USK hat eine Altersfreigabe ab 16 Jahren erteilt.

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