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Dreamhack Cosplay auf der Leipziger Dreamhack: Mehr als nur Verkleiden
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19:08 13.01.2017
Cosplayerin Aonir in ihrem bisher aufwändigsten Kostüm: Der Legion Commander aus Dota 2.  Quelle: Aonir Cosplay
Leipzig

 Wenn am Freitag die zweite Dreamhack auf der Leipziger Messe eröffnet wird, lockt das nicht nur eSportler und Besucher an – auch zahlreicher Cosplayer werden im Rahmen eines Wettbewerbs erscheinen und ihre besten Kostüme präsentieren. Unter ihnen: die 26-jährge Carolin, ihren knapp 10.000 Facebook-Fans besser bekannt als Aonir.

Ursprung im Japan der 80er Jahre

Cosplay – eine Verschmelzung der englischen Begriffe „costume“ (Kostüm) und „play“ (spielen) – hat seinen Ursprung im Japan der 80er Jahre. Ziel ist es, eine fiktive Figur durch Kostümierung so originalgetreu wie möglich nachzustellen. Anfangs waren das vor allem Charaktere aus Mangas und Animes (japanische Comics und Zeichentrickserien), später auch aus Videospielen. Inzwischen gehören Figuren aus Film und Literatur ebenso zum Kanon. In den 90ern kam der Trend auch nach Europa und die USA. Aufgrund seines ostasiatischen Ursprungs gehören knallige Farben, ausladende Rüstungen detaillierte Verzierungen, auffällige Frisuren und – zumindest bei weiblichen Figuren – eine gewisse Freizügigkeit zur Norm.

Aber Cosplay beschränkt sich nicht allein auf den Akt des Verkleidens, der nur der letzte Schritt ist. Den Löwenanteil nimmt die Herstellung des Kostüms ein, das sich die meisten Cosplayer in Eigenregie zusammenbasteln. „Pro Kostüm investiere ich rund 100 Arbeitsstunden“, erzählt Carolin – eine Zahl, die beim Anblick der detailverliebten Verkleidungen nur realistisch erscheint. Gearbeitet wird vornehmlich mit Textilen, aber auch mit Holz und thermoplastischen Materialien, also einem Holz-Plastik-Gemisch, das unter Heißluft formbar wird und sich besonders für Rüstungsimitate eignet.

Sie selbst hat dieses Hobby bereits vor zwölf Jahren für sich entdeckt. Als begeisterter Anime- und Manga-Fan stieß Carolin in einer Fanzeitschrift auf den japanischen Trend „und da ich schon vorher nähbegeistert war, habe ich es einfach mal ausprobiert. Eine Weile habe ich das Ganze dann ruhen lassen, vor etwa fünf Jahren habe ich mich dann aber wieder intensiver damit beschäftigt“. Die in Wolfenbüttel Geborene erfreut sich vor allem am kreativen und handwerklichen Aspekt, der einen idealen Ausgleich zur Arbeit und ihren beiden anderen Hobbys – Videospiele und Sport – darstellt. „Und natürlich macht es einen auch stolz, das fertige Kostüm dann endlich zu tragen.“

Präsentation im Netz und bei Wettbewerben

All die Arbeit nur fürs private Vergnügen aufzubringen, ist aber nicht ihr Ding. Neben Web-, Instagram- und Facebook-Seite, auf denen Sie Ihre Kreationen präsentiert, besucht sie deshalb regelmäßig Cosplay-Conventions und -Wettbewerbe: Monatlich ein bis zwei, sowohl in Deutschland, als auch in Österreich, Tschechien oder Schweden. Manchmal werde dabei auch eine Performance, also ein Tanz oder das Nachstellen einer Szene, verlangt. Carolin aber bevorzugt solche Turniere, auf denen es allein auf ästhetische Kriterien – Vorlagen- und Detailtreue, Sauberkeit, Make-Up – ankommt.

Ihre Figuren wählt sie ausschließlich nach persönlichem Gusto aus. Meist sind es ihre Lieblingsfiguren aus Spielen und Animes, teils auch solche „die ich gar nicht kenne, mir aber einfach optisch gut gefallen“. Dass die weiblichen Charaktere, für japanische Verhältnisse üblich, oftmals ein recht freizügiges Äußeres besitzen, habe bisher aber noch nie zu Komplikationen geführt. „Ab und an kommt zwar ein dummer Spruch, der wird dann aber ganz schnell mit einem ebenso dummen Spruch gekontert“, grinst sie. „Etwas schlimmeres ist mir noch nicht passiert, von befreundeten Cosplayern habe ich da schon anderes gehört.“ Letztlich müsse sich aber jeder, der mit einem solchen Kostüm auftritt, bewusst sein, dass es zu Zwischenfällen kommen könne. Immerhin: Mit Eifersuchtsproblemen seitens ihres Freundes musste sich Carolin noch nicht herumschlagen.

Es bleibt es Hobby

Die Preisgelder, um die es bei den diversen Wettbewerben geht, sind zwar ein netter finanzieller Ausgleich zu den Materialkosten und zum zeitlichen Aufwand, den Carolin in ihr Hobby investiert. Leben könne man davon aber nicht: „In Deutschland ist es generell schwierig, mit so etwas Geld zu verdienen. Soweit ich weiß, gibt es hierzulande zwar zwei Cosplayer, die ihren Lebensunterhalt damit bestreiten. Aber auch nur, weil sie außerdem Kostümteile anfertigen und verkaufen. Bei mir soll’s ein Hobby bleiben.“

Am Freitag nun geht für Carolin nach Leipzig auf die Dreamhack. Beim Cosplay-Wettbewerb, der am Samstag zwischen 18 und 20 Uhr ausgetragen wird, tritt sie als Wind Ranger auf: eine grüngekleidete, elfische Bogenschützin aus dem Strategie-Rollenspiel Dota 2. Dadurch bleibt ihr zumindest der Ärger rund um die Waffenreplika-Problematik erspart, der in den vergangenen Jahren aufgekommen ist. Denn während Schwert- und Axt-Nachbildungen besonderen Zulassungs-Kriterien unterliegen, verhält sich das mit einem Bogen weniger schwierig.

Bilder und Infos rund Carolin a.k.a. Aonir gibt es auf www.aonir.com

Von Christian Neffe

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