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06:30 16.08.2018
Surfen am Strand von Kawaii: in "Go Vacation" warten auf Spieler rund 50 sportliche Urlaubs-Aktivitäten. Quelle: Bandai Namco
Leipzig

Urlaub – für viele Gelegenheit, endlich den dicken Wälzer aus der hinteren Reihe des Bücherregals hervorzukramen und die digitalen Geräte gänzlich abzuschalten. Wer aber selbst am Strand oder auf dem Weg zur nächsten Sehenswürdigkeit nicht auf Videospiele verzichten will, für den hat Entwickler Bandai Namco das vermeintlich ideale Werk parat: „Go Vacation“.

Dort verschlägt es den Spieler auf die Ferieninsel Kawaii, die eigentlich alles zu bieten hat: sonnige Strände, verschneite Berge, geschäftige Städte und idyllische Wiesen. In den vier Ressorts gibt es rund 50 Aktivitäten, die als kurze Minispiele von einigen Sekunden bis wenigen Minuten Länge umgesetzt sind. Eigentlich das perfekte Konzept für eine schnelle Partie zwischendurch und eines, das viel Abwechslung verspricht.

Jedoch verhält es sich mit „Go Vacation“ wie mit einem Urlaubskatalog: Auf dem Papier klingt alles ganz toll, in der Realität kann es zu Enttäuschungen kommen. In diesem Falle erwartet die Besucher von Kawaii gar eine ganze Kette von Enttäuschungen.

Surfen, Beachvolleyball, Rollschuhfahren: "Go Vacation" hat eigentlich das perfekte Rezept für eine schnelle Spiele-Partie zwischendurch. Doch technische Mängel trüben das Urlaubsfeeling.

Da wäre zum ersten die Präsentation. 2011 erschien „Go Vacation“ bereits für die Wii – und der Neuauflage sieht man das sofort an. Eckige Landschaften und Objekte, detailarme Figuren, altbackene Animationen und Effekte: Optisch hat sich in diesen sieben Jahren nichts getan. Musikalisch beschränkt sich „Go Vacation“ auf eine Handvoll simpler Stücke, die schon nach kurzer Zeit eher nerven als zu entspannen. Und das akustische Gebrabbel, das über den Gesprächen mit den Figuren in der Spielwelt liegt, ist derart störend, dass man diese kurzen Konversationen stets wegklickt.

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Da wäre zum zweiten die Bedienung. Immerhin bemüht sich „Go Vacation“ darum, die Bewegungssteuerung der Switch zu nutzen. Allerdings hat man nur selten die Wahl zwischen Bewegungs- und normaler Steuerung: Im Zweispielermodus ist ersteres Pflicht, im Solo-Modus zweiteres. In beiden Fällen macht die Bedienung immer wieder Probleme, entweder weil die Eingabe verzögert (oder gar nicht) erkannt wird, oder weil sie zu unpräzise ist. Da die Kamera zudem nicht frei justierbar ist, wird entspanntes Site-Seeing zur Unmöglichkeit.

Und zum dritten wäre da der spielerische Kern: die Minispiele. Hier hat Bandai Namco auf das Prinzip „Masse statt Klasse“ gesetzt, weshalb sich viele Aktivitäten stark ähneln. Tricks mit Skateboard, Surfboard, Rollschuhen, Jetski, Skiern und Snowboard sind einzelne Minispiele, spielen sich jedoch fast identisch. Manche sind auch derart banal, dass man sie gleich wieder vergisst. Was sie allesamt gemeinsam haben: Sie sind extrem simpel und anspruchslos – Herausforderungen sucht man mit der Lupe. Durchaus kurzweilige und spaßige Aktivitäten wie Minigolf oder Airhockey kann man an einer Hand abzählen, jedoch gehen sie in der Masse der generischen und sich wiederholenden Minispiele schlicht unter.

Als Belohnung für abgeschlossene Aktivitäten und das Finden versteckter Kisten winken neue Klamotten sowie Einrichtungsgegenstände für die private Insel-Villa. Die bleibt jedoch bis zum Schluss eine leblose Kulisse.

Fazit: Es kommt ganz darauf an, wer hier spielt: Für ganz junge Spieler ist „Go Vacation“ eine zwanglose Spielwiese, die Platz zum Austoben und Erkunden bietet, was jedoch nichts an den technischen Mängeln ändert. Erfahrene Spieler wiederum werden absolut unterfordert und sich an der suboptimalen Bedienung stören. Selbst, wenn man sich mit bis zu drei Freunden ins Getümmel wirft, darf man keine Party-Stimmung von der Qualität eines „Mario Party“ erwarten. Dessen neuester Teil erscheint übrigens Ende des Jahres. Wer auf diese Art von Spiel Lust hat, sollte entweder bis dahin warten – und vielleicht den dicken Wälzer aus der hinteren Reihe des Bücherregals hervorkramen.

Von Christian Neffe

Infos und Wertung

1,5 von 5 Punkten

Genre: Minispielsammlung
Erscheinungsdatum: 27. Juli 2018
Plattform: Nintendo Switch
Preis: ca. 45 Euro (hier bei Amazon bestellen)
Jugendfreigabe: ab 0 Jahren
Entwickler: Bandai Namco
Publisher: Nintendo
Website: www.nintendo.de

Das sollten Eltern über Go Vacation wissen

Für die ganz Kleinen ist „Go Vacation“ aufgrund seines quasi nicht vorhandenen Anspruchs und seiner simplen Bedienung gut geeignet – selbst die Großeltern können da für eine Runde mit einsteigen. Gewalt spielt in dieser kunterbunt Welt keinerlei Rolle. Lediglich in vier Disziplinen wird mit einem Gewehr auf Zielscheiben geschossen, wobei jedoch nur das Fadenkreuz zu sehen ist. Die USK hat keine Altersbeschränkung vergeben.

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