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00:21 12.10.2017
Vereinsmitglieder im neuen Heim in der Scherlstraße. Quelle: André Kempner
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Leipzig

„Das Thema eSport ist für mich generell eine Herzensangelegenheit“, sagt Patrick Dreißig zum wettbewerbsorientierten Videospielen. Mit dem Klischee des sozial verkümmerten Kindes, das den ganzen Tag im dunklen Keller vor dem Bildschirm sitzt und Ballerspiele zockt, kann der 27-Jährige nichts anfangen. Videospiele waren immer mehr als das und sind heute längst in der breiten Gesellschaft angekommen. Sie dienen nicht nur der Unterhaltung und sind unverfänglicher Zeitvertreib während der Bahnfahrt zur Arbeit, sondern bringen zudem Menschen zusammen – in der Messestadt mittlerweile unter dem Banner des Vereins Leipzig eSports, dessen Vorstandsvorsitzender Dreißig ist.

„Gegründet haben wir uns im Mai 2016“, erinnert Kevin Woost (28), Jugendschutzbeauftragter des Vereins. Doch der Verbund aus leidenschaftlichen Spielern entstand bereits etwa fünf Jahre vorher. Bei einem Treffen mit einem Leipziger Profi-eSportler lernte sich die Truppe kennen. „Wir haben schnell gemerkt, dass wir die selben Interessen haben und uns auch gerne mal öfter treffen könnten“, erklärt Dreißig. So fing alles an. Erst im privaten Rahmen, später öffentlich im Café Könnteman und Leipziger Studentenkeller, wo man Public Viewings von Videospielturnieren und eigene Wettkämpfe organisierte.

Als Verein möchten die Spieler Aufklärungsarbeit leisten, mit Klischees aufräumen und den Nachwuchs fördern. „Wir wollen den gleichen Unterbau schaffen, wie ihn etwa der Fußball mit seinen unzähligen Amateurvereinen hat,“ sagt der Vorsitzende. Anschluss bietet der Verein in den unterschiedlichsten Spielen von Strategie bis Action in wettbewerbsorientierter Ausrichtung oder für Gelegenheitszocker. Auch die körperliche Fitness der Gamer wird dabei nicht außer Acht gelassen. „Wir wollen unseren Spielern unter anderem vermitteln, wie wichtig die Körperhaltung und eine gesunde Ernährung sind“, so Dreißig. Zudem ist auf dem virtuellen Spielfeld eine gewisse verbale Härte keine Seltenheit. Wie man damit umgehen und an seiner eigenen Kommunikation arbeiten kann, will der Verein besonders jungen Spielern vermitteln.

Ob eSport überhaupt ein tatsächlicher Sport ist, steht für Dreißig und Woost dabei gar nicht zur Debatte. „Für mich geht es bei Sport darum, die eigene Leistung mit der anderer zu messen“, betont der Jugendschutzbeauftragte. Und motorische Komponenten wie etwa beim Poolbillard, Schießsport oder Tischtennis gäbe es schließlich auch im eSport – nur eben an Maus und Tastatur.

Diese Einstellung teilen immer mehr Leute. Mittlerweile ist der Verein auf 120 Mitglieder angewachsen und hat vor kurzem sogar ein eigenes Vereinsheim in der Scherlstraße bezogen. Neben Küche und Bad gibt es ein Besprechungszimmer, einen größeren Raum, in dem man über Beamer Spiele verfolgen kann, sowie ein Zimmer mit mehreren Computern. Dort können Vereinsmitglieder zusammen spielen und im Team die neusten Taktiken für eine anstehende Ligapartie oder Turniere perfektionieren. „Es macht einfach mehr Spaß, wenn man sich nicht nur im Spiel, sondern auch in der echten Welt kennenlernt“, findet Woost. „Viele merken dann, dass sie neben den Videospielen auch andere Hobbys teilen.“

Und die Gemeinschaft wächst weiter. Entgegen aller Erwartungen knackte der Verein bereits im ersten Jahr seines Bestehens die 100-Mitglieder-Marke. „Seit wir das Vereinsheim haben, kommt unser Drucker gefühlt nicht mehr mit den Anträgen hinterher“, offenbart Woost zufrieden. Dieser stabile Zuwachs ermöglicht es zugleich, das Heim zu finanzieren. Die Miete kann Leipzig eSports komplett aus der eigenen Kasse zahlen.

„Die Leipziger eSport-Szene ist schon relativ groß und voll mit regelmäßigen Spielern“, weiß Dreißig. „Die versuchen wir abzuholen.“ Das breite Interesse ist auch den Verantwortlichen von RB Leipzig nicht entgangen. So nahmen die Rasenballer erst Mitte August den 24-jährigen Cihan Yasarlar unter Vertrag. Der gebürtige Berliner tritt für den Verein jedoch nur auf dem virtuellen Rasen an und nimmt für die Leipziger in der Fußballsimulation „Fifa“ den Controller in die Hand. „Vermutlich ist das sehr günstige Werbung“, glaubt Woost. „Grundsätzlich kann es aber bestimmt auch dabei helfen, das Thema weiter in unserer Gesellschaft zu etablieren.“

Von André Pitz

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