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Games Leipziger trainieren für deutsche Brettspiel-Meisterschaft
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19:46 07.06.2018
Die Spielfans Lars, Matthias, Sebastian und Wolfram nennen sich "Der Ungerade Mittwoch". Gemeinsam trainieren die vier Leipziger für das Finale der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft im Brettspiel. Quelle: dpa
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Leipzig

Der ovale schwarze Holztisch verwandelt sich sekundenschnell in eine bunte Spielwiese. Wolfram Härig verteilt die Tableaus an jeden Spieler, routiniert legt er Steinchen, Plättchen und Geldstücke zusammen. Jeder Spieler würfelt, die höchste Zahl beginnt beim Spiel „Santa Maria“. Jetzt wird gegrübelt und diskutiert. Ein ehrgeiziges Ziel treibt die vier Männer aus Leipzig an. Das Team „Ungerader Mittwoch“ trainiert für die Deutschen Mannschaftsmeisterschaft im Brettspiel am Samstag (9. Juni) im hessischen Bad Nauheim. Dabei gilt es eine Scharte auszuwetzen: Noch nie hat es kein Team aus Sachsen unter die ersten Drei geschafft.

Spielefreaks im positiven Sinn

Lars Proxa stellt sich hin, als er an der Reihe ist. Der 41-Jährige, der beim Leipziger Symphonieorchester Posaune spielt, ist ein Spielefreak, im positiven Sinn. Er beugt sich über den runden Holztisch, die Arme hinter dem Rücken verschränkt. Jeder der vier Freunde hat seine persönliche Eigenart: Matthias Loose (27) wippt ungeduldig mit den Beinen, Sebastian Lohse (36) bewegt sich kaum und sitzt kerzengerade, Wolfram Härig (35) redet viel.

Wenige Tage vor dem Finale spielt das Team auch schon mal bis tief in die Nacht Quelle: dpa

Seit die Organisatoren der Deutschen Meisterschaften die vier Finalspiele benannt hat, treffen sich die vier Freunde bis zu drei Mal die Woche und spielen dann mindestens sechs Stunden am Stück. Bezahlen mussten sie die Spiele selbst, die 104 Euro waren aber ein Vorzugspreis. „Wir müssen die Spiele beherrschen, sonst haben wir keine Chance“, erläutert Bibliothekar Wolfram. Wenige Tage vor dem Finale wird die Schlagzahl nochmals erhöht. Da spielt das Team auch schon mal bis tief in die Nacht. Wasser, belegte Brote und Bier stehen griffbereit.

„Strategisches Denken hilft auf jeden Fall“

Es gilt, die vielen verschiedenen Strategien zu kennen und herauszufinden, welche am Ende die größte Erfolgschance hat. „Wir spielen im Training zwar gegeneinander aber wir diskutieren auch Fehler, die wir machen“, erläutert Mathematiker Sebastian Lohse.Sein Beruf verschafft ihm schon einen gewissen Vorteil.

„Strategisches Denken und Probleme lösen zu können, hilft auf jeden Fall“, sagt der 36-Jährige. Mit Glück habe der Erfolg bei Strategiespielen wie „Santa Maria“, bei dem die Spieler auf einer kleinen Insel im Atlantik Kolonien gründen, nichts zu tun, betont er. „Ganz ehrlich. Ein Anfänger kann noch so viel Würfelglück in diesem Spiel haben, gegen einen erfahrenen Spieler kann er nicht gewinnen.“ Beim Finale, bei dem 36 Teams antreten und das Niveau nahezu ausgeglichen ist, können dagegen Kleinigkeiten und etwas Glück im richtigen Moment den Sieg bringen.

Auch Team aus der Sächsischen Schweiz dabei

Das zweite qualifizierte Team für das Finale aus Sachsen ist „Wir improvisieren nur“ aus Dohna in der Sächsischen Schweiz. Seit 2010 sind sie Dauergast beim Finale, aber über einen fünften Platz 2013 nie hinausgekommen. „Wir sind wohl nicht so ambitioniert wie die Siegerteams. Wer um den Sieg mitspielen will, muss schon regelmäßig drei Mal die Woche trainieren“, sagt Teamleiter Sven Strubel. Erfahrung sei entscheidend für einen guten Brettspieler. Es gibt Spieler, die fast täglich spielen, auch online.

Zu gewinnen gibt es bei der Deutschen Meisterschaft neben Pokalen natürlich Brettspiele. Quelle: dpa

„Das hilft auch beim Erlernen von neuen Spielen. Wir müssen nicht mehr die ganze Beschreibung lesen, sondern können oft sofort loslegen“, erklärt der 37-Jährige. Bei ihm zuhause türmen sich Gesellschaftsspiele über eine ganze Wand, eine dreistellige Anzahl ist es bestimmt. Für den Wettbewerb gilt es, die beste Strategie eines Spiels herauszufinden. „Oft ist es gar nicht hilfreich, die Strategie des Gegners zu zerstören. Das gibt oft nicht die höchste Punktzahl.“

„Wir improvisieren nur“ geht aber geschwächt in das Finale. „Meine Frau, die eigentlich Stammspielerin ist, kann nicht dabei sein. Sie muss auf unseren acht Monate alten Sohn aufpassen“, bedauert der Teamchef. Zu gewinnen gibt es dann bei der Deutschen Meisterschaft neben Pokalen natürlich Brettspiele. Für die beiden sächsischen Teams gilt es zunächst einmal, sich vor dem Konkurrenten aus dem eigenen Bundesland zu platzieren. Wenn dann noch ein Platz unter den ersten Drei herausspringt, umso besser.

Von André Jahnke

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