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Games Playstation VR: Das Massengestell
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20:01 07.10.2016
Die Voraussetzungen sind gut: Mit der Playstation VR bringt Sony die erste Virtual Reality-Brille auf den Markt, die wirklich ein Erfolg werden könnte – denn Millionen Playstations stehen bereits in den Wohnzimmern, und der Preis ist deutlich niedriger als bei der Konkurrenz. Quelle: RND / Sony

Am 13. Oktober wird wieder wüstes Gedränge in den Elektronikmärkten herrschen. Millionen Gamer werden sich ein Gerät sichern wollen, das ihnen die Tür zur virtuellen Realität öffnen soll. Es heißt Playstation VR und sieht aus wie eine Mischung aus Helm und Brille. Es mutet an wie ein Requisit aus einem Science-Fiction-Film. Wer den Witz dahinter verstehen will, der muss sich überwinden – und die Virtual-Reality-Brille aufsetzen.

Virtual Reality sollte schon in den Neunzigerjahren ein Hit werden. Die Brillen aber waren damals noch klobiger, die Technik steckte in der Steinzeit. Im Jahr 2016 sind wir weiter. Wer sich heute eine VR-Brille aufsetzt, bekommt wirklich den Eindruck, in eine andere Welt zu schauen. Das Bild ist groß, die Grafik detailliert. Und Benutzer können den Kopf bewegen, sich frei umschauen. Gelegentlich vermitteln die neuen Brillen ihren Trägern sogar Momente, die sich atemberaubend echt anfühlen, den Spieler vergessen lassen, dass es jenseits der Brille noch die alte Welt gibt.

Sonys Playstation VR wird sich voraussichtlich millionenfach verkaufen. Sie wird, das steht schon vor dem Verkaufsstart fest, die bis dato erfolgreichste VR-Plattform für das Wohnzimmer. Das liegt zum einen an der schwachen Konkurrenz: Andere Brillen sind teuer und verlangen einen Gaming-PC mit enorm starker Leistung. Zum anderen am Kampfpreis von 399 Euro den der Hersteller für Playstation VR aufruft.

Durchbruch auf dem Massenmarkt?

Die Brille funktioniert allerdings nur mit einer Playstation-Kamera und einer Playstation-4-Konsole. Diese Voraussetzungen sollten in vielen Fällen kein Hindernis sein, denn die Konsole steht weltweit bereits in etwa 40 Millionen Haushalten. Wer erst das Komplettpaket kaufen muss, zahlt insgesamt rund 750 Euro für den Eintritt in die VR-Welt.

Die vergleichsweise günstige Playstation-Brille könnte der VR-Technologie den Durchbruch auf dem Massenmarkt bescheren. Ausgereift ist die Technologie allerdings noch nicht. Sonys VR-Brille sitzt zwar komfortabler auf dem Kopf als ihre Konkurrenten, dafür ist ihr Bild unschärfer als bei den Branchenbesten. Und die Rechenleistung einer Spielkonsole kann mit aktuellen Spieler-PCs nicht mithalten.

Auch die Steuerung lässt noch viele Fragen offen. Neben Gamepads gibt es verschiedene Bewegungscontroller. Mit ihnen hat der Nutzer etwa das Gefühl, virtuelle Gegenstände tatsächlich greifen zu können. Allerdings funktioniert das nicht immer präzise. Die Move-Controller für das Sony-System müssen zudem extra gekauft werden, um das Spielerlebnis zu vervollständigen.

Sonys gesichtsfüllende Playstation VR dürfte ein Verkaufsschlager werden – nicht wegen technischer Überlegenheit, sondern vor allem, weil rund 40 Millionen Menschen bereits die für die Brille erforderliche Playstation 4 nutzen. Quelle: Sony

Playstation VR wird also bestenfalls eine Übergangslösung sein. Immerhin eine, die den Markt öffnen wird. Was dringend erforderlich ist, um Spielemacher bei der Stange zu halten. Bis es echte Blockbuster in VR gibt, könnten noch Jahre vergehen – denn der Programmierungsaufwand ist ebenso gigantisch wie es die Kosten sind.  

Zudem hat VR noch mit einem anderen Problem zu kämpfen. Oder besser: etliche ihrer Nutzer. VR vermittelt ein erstaunlich körperliches Spielerlebnis und wirkt bisweilen entsprechend wuchtig auf den Körper. Im Sitzen spielen, während der Charakter läuft, das fühlt sich komisch an – und führt, da der Gleichgewichtssinn durch den Widerspruch aus virtueller Ganzkörper-Action und tatsächlichem Stillsitzen getäuscht wird, bei vielen Spielern zur sogenannten VR-Übelkeit.

Übelkeit als Hindernis

Der Weltraum-Shooter "EVE: Valkyrie" deutet eine Lösung dieses Problems an: Hier sitzen Spieler im Cockpit eines Raumschiffs. Auch bei einem Looping bleibt das Armaturenbrett wie eine Horizontlinie fest im Blick – und der Magen ruhig. Doch soll man VR überhaupt im Sitzen spielen? Einige Entwickler setzen darauf, dass wir mit Brille durch das Wohnzimmer laufen. Andere inszenieren ganze Spielgeschichten nur im Stehen, oder teleportieren die Spieler hin und her.

Ein erster Hit könnte das Dino-Dschungel-Abenteuer "Robinson: The Journey" werden. Es liefert ein Best-of der bisherigen VR-Highlights. Spieler begegnen haushohen Dinos, erklimmen gigantische Bäume, bestaunen atemberaubende Panoramen. Und das Beste: In dem Playstation-VR-Titel bewegen sich die Spieler derart langsam, dass Übelkeit selbst bei sensiblen Naturen ausbleiben sollte.

Von Jan Bojaryn

VR: Die Konkurrenten

Oculus Rift

Seit das kleine Start-up Oculus von Facebook geschluckt wurde, läuft der Hype um VR auf Hochtouren. Die Brille aber zielt gar nicht auf den Massenmarkt. Die Rift zeigt ein besseres Bild als Sonys Modell, dafür sitzt sie etwas unbequemer. Sie wird per Kabel an einen leistungsstarken PC angeschlossen, der noch mehr kostet, als die Rift selbst. Gespielt wird meist mit einem Gamepad und im Sitzen. Nach Lieferschwierigkeiten zum Marktstart ist die Rift inzwischen auch im Handel zu finden.

Preis: 699 Euro
Erforderlich: Gaming-PC

HTC Vive

Die Brille für Perfektionisten wurde von HTC und der legendären Spielefirma Valve entwickelt. Technik, Bildqualität und Komfort sind mit der Oculus Rift vergleichbar. Aber nur die Vive wird mit Bewegungscontrollern geliefert. Und sie holt die Spieler von den Sitzen: Zwei Sensoren werden im Raum aufgestellt, sodass das Wohnzimmer zum frei begehbaren Holodeck wird.

Preis: 899 Euro
Erforderlich: Gaming-PC, großes Wohnzimmer

Samsung Gear VR

Samsung und Oculus haben eine Brille gebaut, die mit High-End-Handys des koreanischen Technikgiganten funktioniert. Die eingesetzten Galaxy-Smartphones liegen natürlich weit hinter der Rechenleistung von PC und Playstation zurück. Aber vor allem für Rundum-Bilder und Videos ist die Brille gut geeignet. Sogar einige der verfügbaren Spiele sehen gut aus.

Preis: 99 Euro
Erforderlich: Galaxy Note5 oder 7, Galaxy S6 oder S7

Google Daydream View

Google stellte in der vergangenen Woche ebenfalls eine VR-Brille für Smartphones vor: Die Daydream View soll ab November verfügbar sein. Das Headset ist stoffüberzogen, bringt einen einfachen Controller mit und ist nicht nur günstiger, sondern mit nur 220 Gramm auch leichter als die Samsung-Variante. Daydream View wird vorerst ausschließlich mit den ebenfalls neu vorgestellten "Pixel"-Smartphones von Google funktionieren, deren Rechenleistung sich in einem ähnlichen Bereich wie die der Samsung-Flaggschiffe bewegen dürfte; auch dieses Modell wendet sich damit eher an Einsteiger.

Preis: 69 Euro
Erforderlich: Google Pixel oder Pixel XL Smartphone

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