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Kultur Ganz anderer Blick - Leipziger Liesmich-Verlag veröffentlicht zweites Buch
Nachrichten Kultur Ganz anderer Blick - Leipziger Liesmich-Verlag veröffentlicht zweites Buch
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20:14 08.03.2015
(Symbolbild) Quelle: Volkmar Heinz
Leipzig

Karsten Möckel hat sein Versprechen gehalten. Als im September das erste Buch im Leipziger Liesmich Verlag erschien, Wolf Schmids "Pedalpilot Doppel-Zwo", da hatte der Verleger das zweite schon vor Augen: "Am liebsten wäre mir ein Corporate Design für schnelle Wiedererkennbarkeit." Et voilà! Morgen erscheint es - und nimmt die Gestaltung des ersten auf. Ansonsten aber ist Philippe Smolarskis "Fayvel der Chinese" ganz anders.

Die "Aufzeichnungen eines wahnwitzigen Ganoven" sind eine Art historischer Roman. "Eine unglaubliche Story" hat Möckel versprochen. Es stimmt auch das. Nicht weil Fayvel, der sich je nach Umfeld Pavel oder Paul nennt, ein Mörder ist. Nicht weil er es 1941 dank weltweiter Drogenmafia- und Bordell-Kontakte von China über Warschau, Berlin und Paris bis nach Spanien schafft. Sondern weil ein Teil der Geschichte im Warschauer Ghetto spielt und "endlich einmal" die "Türsteher, die Gangster, die Drogenschmuggler" zu Wort kommen, "die von den Geschichtsschreibern des Ghettos so oft verunglimpft oder ignoriert wurden". Begleitet von der chinesischen Geliebten Meiling und dem deutsch-jüdischen Leibwächter Walter will Fayvel seine Familie aus dem Ghetto befreien.

Er kommt 1890 als polnischer Jude zu Welt und ist 78, als er 1968 in Paris beginnt, seine Memoiren zu schreiben. Sieben dickte Hefte, die in einen Karton passen, den eine alte Frau unserem Autor anvertraut. So steht es im Vorwort, und so könnte es auch gewesen sein.

Smolarski, in Belgien lebender Franzose mit polnischen und jüdischen Wurzeln, ist Historiker, er hat in Russland und China gelebt. Dialoge lassen sein Prosa-Debüt lebendig wirken, während die Sprache des Ich-Erzählers der Unbeholfenheit des Chronisten treu bleibt, etwa als Fayvel erfährt, dass er Vater wird: "Die einzigen ernsthaften Begegnungen, die ich mir bisher vorstellen konnte, gingen eher in Richtung einer 9 mm Kugel, einem Gefängnis oder einem Strick ... oder so was in der Art."

Gewalt, Ganoven-Ehre und etwas Liebe pflastern den Weg der Helden auf ihrer Flucht vor der Gestapo. Es geht ums Überleben - egal was es kostet, wie viele dabei sterben. Doch Fayvel kann sogar ein paar Menschen helfen.

In Berlin sagt er zu einem Offizier der Spionageabwehr: "Denken Sie, dass Stalin, Churchill oder Roosevelt sich für Ihre ,Judenfrage' interessieren? Bestimmt nicht. Aber ich, weil ich Jude bin." Er kommt da lebend raus. Das ist so ein unglaublicher Moment.

Buchpremiere mit Philippe Smolarski: morgen, 20.15 Uhr, Lehmanns Buchhandlung (Grimmaische Straße 10); im Rahmen der Buchmesse: 12. März, 19 Uhr, gemeinsam mit Wolf Schmid ("Pedalpilot Doppel-Zwo"), 4Rooms (Täubchenweg 26); 13. März, 19 Uhr, der Liesmich Verlag stellt sich vor (Philippe Smolarski, Wolf Schmid, Verleger Karsten Möckel), Buchhandlung Hugendubel (Petersstraße 12-14); 14. März, 19 Uhr, Philippe Smolarski, Schlechtes Versteck (Könneritzstraße 32)

Philippe Smolarski: Fayvel der Chinese. Aufzeichnungen eines wahnwitzigen Ganoven. Aus dem Französischen von Gisela von Brunn und Karsten Brandt. Liesmich Verlag; 264 Seiten,14,95 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.03.2015

Janina Fleischer

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