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Kultur Gedankenkörper: Ergreifendes Tanzstück „Der grüne Raum“ im Lofft
Nachrichten Kultur Gedankenkörper: Ergreifendes Tanzstück „Der grüne Raum“ im Lofft
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00:19 23.06.2017
So müssen Gedanken aussehen, die man im Kopf hin und her wälzt: Lea Göricke von der Performancegruppe Ilse + Bilse im Lofft. Quelle: Thomas Puschmann (Fruehbeetgrafik)
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Leipzig

Unvermittelt erlischt die spärliche Erleuchtung und lässt das Premierenpublikum von „Der Grüne Raum“ am Montagabend im Dunkeln des Großen Saals im Lofft sitzen. Vibrierender Bass und leise Musik ertönen wie Wellenrauschen aus weiter Ferne, die Sinne schärfen sich in der Schwärze, und ganz langsam gewöhnen sich die Augen an das Dunkel, Konturen werden sichtbar.

Flackernde Schemen werden an die Leinwand projiziert, die fast die gesamte hintere Wand überzieht. Klang und Licht erzeugen eine hypnotisierende Wirkung, bis Lea Göricke die Bühne betritt – oder besser: für sich einnimmt. Von Kopf bis Fuß eingehüllt in ein Laken, wie in eine Membran, bewegt sie sich in fließenden Verrenkungen über die Bühne, legt alle Verbindungen zum Menschlichen ab. Dann ertönt eine Stimme.

Der Text, geschrieben von Sophie Arnold, besteht aus Phrasen, Wortfetzen, gereimt oder scheinbar zusammenhanglos aneinandergereiht – assoziativ. Fabio Sorg spricht ihn schnell, manchmal etwas zu gehetzt. Das stößt auch das assoziative Denken beim Publikum an, wird sichtbar in den willkürlichen Bewegungsrichtungen, die dieser Körper einschlägt. Black. Stille. Wieder zur Ruhe finden, nach der nicht endenden Kette von Gedankenverbindungen.

Dann wieder Licht und mehr Musik: Das Saxofon, gespielt von Johannes Fleischer, füllt die Dämmerung mit rauem Klang. Erst weich und fließend, dann hart und tief. Er treibt den umhüllten Körper gnadenlos über die Bühne, verletzt ihn durch seine tonalen Angriffe, schüchtert ihn ein. Die Musik wird unerträglich für das Wesen, es will entkommen, bewegt sich jedoch schlussendlich nur noch in leisen, kraftlosen Bewegungen über die Bühne. Nach den verschiedenen Sequenzen wird der Saal immer wieder in Dunkelheit getaucht, um dann wieder eine neue Lichtstimmung zu erfahren, von kaltem bis warmem Licht, stark oder schwach angeleuchtet.

Schnelle Abfolge von Phrasen, Fragen, Satzfetzen

Lea Göricke bewegt sich fließend zum Text und zur Musik. Mal windet sie sich am Boden, als könnte sie den äußeren Einflüssen nicht entgehen, wollte mit dem Boden verschmelzen, dann wiederum macht sie sich groß, streckt sich in die Länge und nimmt mit ihrer Laken-Membran skurrile Formen an. Sie wird im Kreisel der Textgedanken hin und her getrieben. So muss wohl ein Gedanke aussehen, den wir immer wieder im Kopf hin und her wälzen.

Die Verbindung von Choreografie und Text entstand durch Interviews mit Menschen, die hochempfindsam sind und dadurch mehr oder minder beeinflusst. Die Reizüberflutung wird dem Publikum im ständigen Wechsel von völliger Stille und Dunkelheit zu assoziativer Textführung und repetitiver Bewegung auf der Bühne sichtbar gemacht. Durch die schnelle Abfolge von Phrasen, Fragen, Satzfetzen bleibt dem Zuschauer nicht immer genügend Zeit, seine eigenen assoziativen Anstöße zu verfolgen, er verliert sich irgendwann in seinem eigenen Gedankenkreisel.

Sophie Arnold und Lea Göricke haben mit ihrem Konzept und in Zusammenarbeit mit den Werkstattmacherinnen Laila Grümpel und Sarah Peglow einen beeindruckend tiefgehenden Tanzabend geschaffen. Weder Choreografie noch Text könnten alleine für sich bestehen, aber die Kombination mit den Lichtwechseln erhält einen sehr eindringlichen Ausdruck, den jeder Zuschauer anders in sich wahrnehmen wird.

Weitere Aufführungen von „Der grüne Raum“ am 20. und 21. Juni, jeweils 20 Uhr, Lofft (Lindenauer Markt 21), Eintritt 8/5 Euro

Von Katharina Stork

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