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Gegen den Drogenrausch antanzen - Leipziger Jugendtheaterstück über Crystal

Gegen den Drogenrausch antanzen - Leipziger Jugendtheaterstück über Crystal

Das Geräusch von Gewehrsalven dröhnt durch den Raum. Ein junger Mann zuckt immer heftiger in einer Ecke der Bühne. Eine junge Frau ruft eindringlich in ein Mikrofon „Sei cool!“, „Bring den Müll raus!“, „Schnauze!“, „Omas Geburtstag!“, „Küss mich!“.

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Schauspieler und Tänzer agieren bei Proben zu der Tanztheaterproduktion „Crystal - Variationen über Rausch“ auf der Bühne. Das Stück hat am 06.03.2014 in Leipzig Premie.

Quelle: dpa

Leipzig/Leverkusen. Ihre Aufforderungen vermischen sich mit dem Gewehrfeuer aus den Lautsprechern und machen den Druck beinahe physisch spürbar. Es ist eine Schlüsselszene aus dem neuen Jugendtheater-Tanzstück „Crystal - Variationen über Rausch“, das an diesem Sonntag im Bayer Kulturhaus in Leverkusen Uraufführung hat.

Es ist ein Stück über Rausch, über die Euphorie wie die Aggression, die er bedeuten kann, erklärt die Choreographin und Regisseurin Heike Hennig (47), die das Tanzstück mit dem Leipziger Theater der Jungen Welt ersonnen hat. Und es ist ein Stück über die synthetische Droge Crystal Meth, die sich vor allem in Sachsen rasant ausbreitet und dort schon längst die Schulhöfe erreicht hat. „Die Droge ist so zerstörerisch, dass sie in einem Körperkrieg endet, wenn man sie regelmäßig nimmt“, sagt Hennig, die monatelang recherchierte und Crystal-Abhängige traf, über ihre kriegerische Darstellung der Sucht.

Doch auch abseits dieser Szene gehen die drei professionellen Tänzer und die drei Schauspieler des Stücks nicht zimperlich miteinander um. Sie prügeln sich auf der Bühne, sie schubsen einander vom Höhenflüge ermöglichenden Trampolin, und als einer von ihnen unter einem Hustenanfall beinahe zusammenbricht, filmen ihn die anderen mit ihren Mobiltelefonen statt zu helfen. Als Kontrast gibt es auch frenetische Feierszenen in dem Stück, den Rausch des Festes, des Tanzes, der Liebe. Was im positiv empfundenen Drogen- oder Alkoholrausch beginnt, endet meist in Aggressionen.

„Crystal passt sehr gut in unsere Zeit“, sagt Regisseurin Hennig. „Es ist aufputschend und leistungssteigernd.“ Es erscheine als leichte Lösung, um dem Leistungsdruck standzuhalten, um zu funktionieren, das Abitur zu schaffen. Für die Proben luden die Theatermacher Schulklassen aus Leverkusen und Leipzig zum Gespräch darüber, was Rausch eigentlich ist. Dabei waren sie überrascht, dass viele Schüler darin vor allem etwas Negatives sehen, das ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Die Neugier an der Grenzüberschreitung, am Verbotenen spielte in den Gesprächen hingegen kaum eine Rolle.

Vor allem in Sachsen, Bayern und Thüringen hat das kristalline Crystal in den vergangenen Jahren die Runde gemacht. Der Grund ist die lokale Nähe zu Tschechien, wo die Droge billig hergestellt wird. Im aktuellen Jahresbericht der deutschen Beobachtungsstelle für Drogensucht schreiben die Experten von einer starken Zunahme des Konsums, konkrete bundesweite Zahlen gibt es noch nicht. Als Indiz nennt der Bericht die beschlagnahmten Crystalmengen: 2012 stiegen sie mit 75 Kilogramm um 88 Prozent binnen zwei Jahren.

Für Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren empfiehlt das Leipziger Theater die Koproduktion mit der Stiftung Bayer Kultur, die ab 6. März auch im eigenen Haus in Leipzig zu sehen sein wird. Doch Regisseurin Hennig, die zum wiederholten Male mit dem Jugendtheater arbeitet, will eine größere Zielgruppe ansprechen: „Es ist ein gesellschaftliches Stück, aber auch ein sehr persönliches.“

In ihren Gesprächen mit Abhängigen habe sie die Zerstörungskraft der Droge erlebt, sagt Hennig. Ihr Stück kommt mit wenigen Worten aus und setzt stattdessen auf Musik, starke Bilder und Tanz. „Vielleicht kann man das Phänomen auch nicht mit Worten ausdrücken“, sagt sie. „Aber vielleicht kann man dagegen antanzen.“

Von Franziska Höhnl, dpa

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