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Gehirn im Angebot - Fotografien von Harald Hauswald im Haus des Buches

Gehirn im Angebot - Fotografien von Harald Hauswald im Haus des Buches

"Gehirn" steht in ungelenker Schrift mit weißer Farbe auf eine Schaufensterscheibe gemalt. In der Auslage befindet sich ausschließlich sozialistisches Propagandamaterial, sparsam drapiert.

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Zionskirchplatz, Berlin-Prenzlauer Berg, 1988.

Quelle: Harald Hauswald Ostkreuz Lehmstedt Verlag

Leipzig. "Gesund leben - richtig ernähren" lautet einer der hohlen Sprüche. Doch der Erfurter Fleischerladen hat an diesem Tag nur Gehirn zu bieten. Das ist mehr, als die Parolen vermuten lassen.

Diese Fotografie ist typisch und untypisch zugleich für das Schaffen Harald Hauswalds. Die Darstellung der inneren Widersprüche des "real existierenden Sozialismus" mit Sinn für das Absurde durchzieht sein gesamtes Werk dieser Zeit. Doch solche Stillleben, wo die Dinge sprechen müssen, sind eher selten. Hauswald ist ein Menschenfotograf.

Die retrospektiv angelegte Ausstellung im Leipziger Haus des Buches hat wie auch eine weitere in der Fotogalerie Berlin-Friedrichshain den 60. Geburtstag des Künstlers am 3. Mai zum Anlass. Dazu passt, dass im Lehmstedt Verlag ein zweites Buch mit ausgewählten Bildern Hauswalds erschienen ist.

Wie der Journalist Christoph Dieckmann in seiner Laudatio zur Vernissage feststellte, ist der in Radebeul geborene und aufgewachsene Harald Hauswald seit Langem ein "Beuteberliner". Das verhindert volle Identifikation, schafft beobachtende Distanz, die in diesem Beruf von Vorteil ist. So stehen bei ihm die Ereignisse das Alltags, häufig Banales, im Mittelpunkt des Interesses. Die Menschen arbeiten, feiern, trinken, warten - was man überall tut. Die Folie dafür sind aber verfallende Straßenzüge und allgegenwärtige Losungen. "Die Motive sah man überall", so Dieckmann, "die Fotos nirgends." Hauswald war und ist kein Auftragsfotograf. Zu realistisch waren seine Darstellungen des Lebens in der DDR für die staatlichen Medien. Manche Fotos erschienen in der Zeitung "Die Kirche", einige in westlichen Journalen, was ihn den aufsichtsführenden Organen noch suspekter machte.

Auffällig ist, dass Hauswald selbst dann, wenn er Menschen in unvorteilhaften bis problematischen Situationen zeigt, nicht denunziert. Es ist immer Empathie dabei. Wenn es aber um die Darstellung der Machthabenden und ihrer Wasserträger geht, kann er auch sarkastisch werden.

Es sind politische Bilder, selbst in den entlegensten Nebenschauplätzen. Doch solle man Hauswald nicht auf die Rolle des Chronisten des untergegangenen Staates festnageln, betont Christoph Dieckmann. Die Ausstellung mit dem bezeichnenden Titel "Vor Zeiten" unterstützt allerdings diese Sichtweise, neuere Aufnahmen des immer noch ebenso aktiven wie unangepassten Fotografen bleiben Ausnahmen. Eine Fortschreibung erscheint nötig.

Bis 27. Mai, Mo-Do 9-17 Uhr, Fr 9-15 Uhr; Haus des Buches, Gerichtsweg 28. Im Lehmstedt Verlag ist eine zweibändige Werkausgabe des fotografischen Œuvres von Harald Hauswald aus den Jahren 1976-1990 erschienen: "Vor Zeiten. Alltag im Osten" und "Ferner Osten. Die letzten Jahre der DDR" (je 29,90 Euro).

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.05.2014

Jens Kassner

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