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Geladen mit Wucht und Härte: Papa Roach vor 800 Fans im Haus Auensee

Geladen mit Wucht und Härte: Papa Roach vor 800 Fans im Haus Auensee

So richtig populär sind Papa Roach schon lange nicht mehr. Entsprechend leer ist es am Mittwochabend im Haus Auensee. Was dann aber nach den ersten zehn Sekunden passiert, drückt den letzten Pessimisten zu Boden: Stürmende Gitarren, erdbebenhaftes Schlagzeug, brachiale Klang-Fluten und eine unfassbar ausdauernde Performance von Frontmann Jacoby Shaddix hageln mit der Kraft aus zwanzig Jahren Rock­erfahrung auf 800 Fans nieder - die bis zur letzten Minute mitziehen.

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Hält nur kurz inne: Jacoby Shaddix.

Quelle: André Kempner

Sie haben es noch drauf. Und das ist nicht selbstverständlich. Papa Roach, die kurz nach dem Millennium mit der über-popularisierten Nu-Metal-Welle aus den USA nach Deutschland schwappten, die Single "Last Resort" 18 Wochen auf Platz vier der Charts parkten und das zugehörige Debüt-Album "Infest" fast doppelt so lang auf Platz fünf hielten, hatten nach dem schnellen Erfolg ähnlich schnell wieder abgebaut. Schon das Nachfolgewerk "Lovehatetragedy" sackte in den Verkäufen nach unten, das aktuelle Album "The Connection" vom September erzielte in Deutschland die zweitschlechteste Platzierung aller Papa-Roach-Platten.

Zum Glück hat Popularität nichts mit Live-Qualitäten zu tun. Das beweisen die vier Kalifornier beim Tour-Stopp in Leipzig eindrucksvoll: eine Gitarre wie dicke Baumarkt-Bretter, ein Drumset wie Peitschenhiebe und Magenschläge, ein Bass bis Böhlitz-Ehrenberg. Dazu ein Frontmann, der den Kopf so schnell von links nach rechts schiebt, dass es die Tattoos am Hals wie im Hohlspiegel auseinanderzieht. Die Schlagader pulsiert, die Augen reißen auf, die Stimme beißt sich durch die Luft, Jacoby Shaddix ist in Bestform. Wer sich Sorgen um die Energiewende macht, sollte ein paar Kabel an den 36-Jährigen anschließen und sich über den Wirkungsgrad freuen.

"Still Swingin", erste Single-Auskopplung des aktuellen Longplayers, ist auch erste Nummer des Gigs und verdeutlicht vehement: Papa Roach denken nicht ans Abdanken. Die Setlist ist geprägt von Melodie und Krawall, Sechssaiter-Riffs dominieren die Rhythmik, über denen Shaddix seinen Emotionen freien Lauf lässt. "Between Angels and Insects", "Getting Away with Murder", "Forever", "Scars", "Last Resort", dazu neue Titel wie "Leader of the Broken Hearts" und "Before I Die" donnern aus den Boxen. Präzise, geradlinig, geladen mit Wucht und Härte. Papa Roach sind keine Virtuosen, aber verdammt gute Live-Akteure, die nach 20 Jahren wissen, was sie wollen. Das Spiel mit der Stilistik gehört da zum Ausdruck der jeweiligen Schaffensperiode. Mal mehr, mal weniger Hip-Hop-Elemente, mal Hardrock-Kadenzen, eine Softie-Nummer zum Durchatmen, ab und zu modernes Synthie-Geplänkel, auf jeden Fall Synkopen und Break-Beats.

Und dann ist da ja noch das Publikum, das die Frage aufwirft, was denn nun schlechter ist: Eine Fangemeinde, die kleiner wird, oder eine, die zahlreich bleibt, aber mehr und mehr ermüdet. Für eine Band ist letztere die schlechtere Option. Zwar sind es nur 800 Besucher an diesem Abend, aber die Ausgelassenheit und Tanzwut, die Freude und Begeisterung dieser Meute ist unbeschreiblich.

Circle Pits. Wall of Death. Ein Moshpit, das den großen Freiraum nutzt und sich so explosionsartig ausdehnt, dass es dem Autor einen gesamten Becher Bier über das Shirt verteilt. Fans, die alles entfesseln, was ihnen der Alltag zuschnürt, die abrocken, als sei dies die letzte aller Tourneen. "Wir sind alle gleich", sagt Shaddix dann passend, "wir lieben die Musik aus dem Herzen. Der einzige Unterschied ist, dass ich das hier oben tue und ihr da unten." Besser lässt sich der Abend nicht zusammenfassen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.06.2013

Tobias Ossyra

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