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Gelungene Premiere über die Fragen des Lebens

Lofft-Werkstattbühne Gelungene Premiere über die Fragen des Lebens

Auf der Suche nach Bedeutung sammeln Jugendliche Dinge, die ihnen wichtig sind. Zuerst zwingen sich die Schüler untereinander, Gegenstände von Belang abzugeben, dann fordern sie einen Sarg und schließlich einen Finger. Verena Stier füllt die Rolle der Agnes in „Nichts – eine Bedeutungssuche“ auf der Leipziger Lofft-Werkstattbühne gekonnt aus.

Verena Stier liegt als Agnes auf dem Stadtplan Tærings.

Quelle: André Kempner

Leipzig. „Nichts bedeutet irgendetwas, das weiß ich seit langem. Deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun. Das habe ich gerade herausgefunden.“ Das Zitat stammt aus Janne Tellers Jugendroman „Nichts – was im Leben wichtig ist“. Die darin erzählte Geschichte einer siebten Klasse in der dänischen Kleinstadt Tæring ist Vorlage für das Lofft-Werkstattstück „Nichts – eine Bedeutungssuche“, das am Montag Premiere hatte. Es ist eine kraftvolle Ein-Frau-Inszenierung von Rahel Häseler und Verena Stier, die gleichzeitig Protagonistin Agnes spielt.

Diese erzählt dem Publikum, was sie in der siebten Klasse erlebte, nachdem Mitschüler Pierre Anton für sich beschlossen hatte, dass nichts im Leben eine Bedeutung hat, und sich der Gesellschaft entzog. Um dem Querdenker zu beweisen, dass es eben doch bedeutungsvolle Dinge und Menschen gibt, häufen die Mitschüler einen Berg aus Bedeutung an.

Immer tragischer wird die Dynamik in der Gruppe Heranwachsender, immer grausamer geraten die Opfer für den Beweis der Bedeutung. Zuerst zwingen sich die Schüler untereinander, Gegenstände von Belang abzugeben, dann fordern sie einen Sarg und schließlich einen Finger. Dann schalten sich Eltern ein, die Lage eskaliert. Als dann noch Geld ins Spiel kommt, droht alles, wofür die Schüler gekämpft haben, an Bedeutung zu verlieren. Genau wie Tellers Roman ist die Inszenierung eine Parabel auf das Erwachsenwerden, die Fragen aufwirft, auf die es keine Antworten gibt.

Zuschauer treten in Dialog mit Agnes, gespielt von Verena Stier

Bereits vor Beginn des Stücks soll jeder Zuschauer eine Sache abgeben, die für ihn von Bedeutung ist. Das regt jeden Einzelnen zum Nachdenken an. Während der Inszenierung stehen Schlüssel, Bücher und Jacken des Publikums für das liebgewonnene Fahrrad oder Comic-Hefte von Agnes’ Mitschülern.

Die Protagonistin wendet sich immer wieder direkt an ihre Zuschauer, die auf Papphockern rund um den auf den Boden gezeichneten Plan von Tæring sitzen. Sie fragt nach Sinn, verteilt Pflaumen, Schnaps und Schnittchen. Dadurch schafft sie eine Verbundenheit, aus der eine erleichterte Komik wächst, die im Kontrast die Tragik der Handlung zusätzlich unterstreicht. Über knapp eineinhalb Stunden füllt Stier den Raum, zieht die Zuschauer im fast ausverkauften Saal in Agnes’ Bann.

„Nichts – Eine Bedeutungssuche“: Das Ringen nach Superlativen der Bedeutung

Insgesamt gelingt es Stier mit ihrer ausdauernden Präsenz als Agnes, dass das Publikum sich auf einen Dialog einlässt. Teilweise wünscht man sich dabei noch mehr Tiefe. Um mit dem erwachsenen Publikum auf die philosophische Metaebene der Bedeutungsfragen zu gelangen, hätten Häseler und Stier sich aber weiter von Tellers Buch entfernen müssen.

Dennoch überzeugt die Inszenierung: Durch ihre ausdauernde Präsenz gelingt es Stier, die Übergänge zwischen der Agnes, die im Jetzt ihre Geschichte erzählt, und ihrer berichteten Sinnsuche als Jugendliche verschwimmen zu lassen. Dadurch wird das Ringen der Jugendlichen nach Superlativen der Bedeutung(-slosigkeit) noch präsenter. Um diese Sehnsucht nach etwas Absolutem in ihrem Leben zu unterstreichen, werden Sätze, die vor Steigerungen strotzen, an die Wand geworfen. Mit allen Sinnen nimmt das Publikum die Fragen nach Bedeutung also auf. Es ist ganz automatisch ein Teil der Inszenierung geworden.

Unschlüssig sitzt man am Ende des Stücks auf seinem Hocker. An der Wand steht: „Der Tod hat keine Bedeutung, weil das Leben keine Bedeutung hat. Aber amüsiert euch gut!“ Es ist ein Stück, das zum Denken anregt. Und dank Stier ist es dabei kein bisschen klischeehaft.

„Nichts – eine Bedeutungssuche“ Dienstag und Mittwoch, 20 Uhr, Lofft (Lindenauer Markt 21), Eintritt 9/6 Euro

Von Theresa Held

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