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Gelungenes "Dallas"-Comeback: Die Ewings sorgen für gute Quoten - Fest für Nostalgiker

Gelungenes "Dallas"-Comeback: Die Ewings sorgen für gute Quoten - Fest für Nostalgiker

Das Comeback des TV-Serienklassikers „Dallas“ ist geglückt: Zur späteren Stunde um 22.15 Uhr schalteten 3,9 Millionen Zuschauer auf dem Privatsender RTL die Ereignisse rund um den mächtigen Ölclan der Ewings ein - ein satter Marktanteil 20,2 Prozent.

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Larry Hagman 2011 in Leipzig. Als J.R. Ewing mischt er in "Dallas" wieder den Clan auf.

Quelle: dpa Zeyen

Berlin/Leipzig. LVZ-Autor Mark Daniel hat sich den Serienauftakt angeschaut und findet: Das Debüt von „Dallas“ anno 2013 ist ein Vollbad für Nostalgiker.

Er schreitet nicht, er gockelt nicht. Mühsam schiebt sich J. R. Ewing am Rollator durch den Saal beim Ball der Ölbarone. Das wirkt so grotesk wie tragisch wie täuschend: Denn trotz aller Gebrechlichkeit nimmt ein fieser Plan im Hinterkopf des Bösewichts Konturen an. Seit gestern Abend ist die 80er-Jahre-Serie „Dallas“ zurück auf deutschen Bildschirmen. Und hält das Meiste von dem, was man sich als Nostalgiker versprochen hat.

Faszination und Schreckmomente

Komische Reflexe sind das, vergleichbar mit einem Klassentreffen. Die Zeit hat dermaßen lange Auslauf gehabt, dass der Anblick selbst jener Mitschüler, die man zum Kotzen fand, das Bedürfnis nach Umarmung weckt. Falls man sie erkennt. Und in „Dallas“ - nun dienstags ab 22.15 Uhr auf RTL - sind sie trotz Metamorphosen schnell auszumachen. Hach, man möchte sie an die Zuschauerbrust drücken; die Figuren, die zwischen 1981 und 1991 deutsche Dienstagabende prägten und jetzt eine Mischung aus Faszination und Schreckmoment hervorrufen: zerklüftete bis verquollene Gesichter, Hälse wie Drehverschlüsse.

Larry Hagman stiert als J. R. grau und ausgemergelt vor sich hin, bis er zu alter Form aufläuft, da es um den Fortbestand der Southfork-Ranch geht. Bobby alias Patrick Duffy (63), ergraut, trägt kränkelndes Rot in wässrigen Augen, hat sich aber die Smartness bewahrt. Ziemlich frisch wirkt Linda Gray (72) als Sue Ellen. Die heute 54-jährige Charlene Tilton (Giftzwergin Lucy) hat satt zugelegt, ebenso Steve Kanaly (66), als Ray Krebbs der Halbbruder der Ölfirmen-Chefs - wir erinnern uns in wohliger Empörung an J.R.s Mobbing: „Du wirst nie ein richtiger Ewing!“

Aber wer oder was ist schon ein richtiger Ewing? Sohnemann John Ross Junior behauptet, alle Clan-Eigenschaften in sich zu vereinen, was ihn dazu ermutigt, gegen Bobbys Verfügung auf dem Familiengelände nach Öl zu bohren. Schauspieler Josh Henderson gibt einen lausigen Ewing. Der Mann, dessen Fusselbart-Andeutung dem nächsten kräftigen Westwind zum Opfer fallen wird, spielt uncharismatisch und yuppiesk statt cool. Glaubwürdiger füllt Jesse Metcalfe die Rolle von Bobbys Adoptivsohn Christopher aus - schnuckelig und von Ethos verseucht wie sein Daddy.

Klassischer Vorspann - aussterbende Serien-Dinos

Der klassische Vorspann tätärätet wie gewohnt, klangtechnisch leicht aufgebretzelt. Zu diesem Zeitpunkt hat der „Dallas“-Purist bereits hyperventiliert, denn vor der Titelmelodie löst eine Sequenz Endzeitstimmung aus: Der Doc eröffnet Bobby, dass der Krebs in ihm wuchert. Da Larry Hagman im wahren Leben vergangenen November 81-jährig einem solchen Leiden erlag, kündigt sich gleich beim Wiedersehen das Aussterben der führenden Serien-Dinos an. Na toll.

Da hilft nur der Glaube an einen guten Ausgang, den man mit Bobbys aktueller Frau teilt: Brenda Strong - synchronstimmlich ausgestattet durch Andrea Kathrin Loewig („In aller Freundschaft“) - stellt als Ann optisch den Kompromiss aus Donna Culver und Jenna Wade her, Susan Howard und Priscilla Presley also. Wie Metcalfe und Henderson gehört Strong zur stark vertretenen Personage der „Desperate Housewives“.

In der heute enormen Dichte von TV-Familienserien wird es die Höhe des Retro-Faktors sein, der über den Erfolg von „Dallas“ entscheidet, dem Inbegriff urkapitalistischer US-Dekadenz und Niedertracht. Der Anblick der unveränderten Ranch, das veraltete Mobiliar, die Cowboy-Romantik zwischen Rind, Pferd und Männerschweiß - ganz wunderbar. Natürlich fahren die stinkreichen Texaner topmoderne Schlitten und tippen an flachen Computern, dennoch gleicht die Serie einem Oldtimer, der über die Hügel einer mutierten Fernsehlandschaft buckelt, an deren Horizont das Versumpfen in Dschungelcamps droht.

 Die „Dallas“-Frauen des neuen Jahrtausends sind unverschämt schön, perfekt gebaut und obendrein emanzipiert. Jordana Brewster als Elena Ramos pendelt emotional zwischen den Söhnen von J. R. und Bobby, Christophers Frau Rebecca (Julie Gonzalo) deutet ein gemeines Doppelspiel an. Ja, der Intrigantenstadl nimmt schnell die Arbeit auf: John Ross Junior spioniert Christopher aus und erpresst ihn. Seinen Vater versucht er zu hintergehen und besticht seinen Anwalt. J. R. wiederum riecht Lunte und greift in seine Trickkiste, außerdem gibt es noch die durchtriebene Marta Del Sol. Fast ein bisschen viel des Schlechten. Dafür werden deutlich weniger Whiskeys aus der Hausbar konsumiert als in den 80ern. Ungewöhnlich. Entdeckt man im einstigen Sündenpfuhl gar noch den Vegetarismus für sich?

Für J.R. ist immer noch jede Frau ein "Schätzchen"

Die Höhepunkte der ersten Folgen unter dem Titel „Die Söhne der Ewings“ setzt J.R. mit Sprüchen wie „Blut mag dicker sein als Wasser, aber Öl ist dicker als beides“ oder „Ein alter Kauz wie ich schreibt keine E-Mails.“ Wie in den besten Tagen nennt der Nestor des Sexismus jede Frau „Schätzchen“. Wer zum Teufel ist Rainer Brüderle? Großartig auch das mit stiller Emotion aufgeladene Wiedersehen zwischen Sue Ellen und ihrem Ex. Cliff Barnes, im Vorspann gelistet, hat sich gestern noch nicht blicken lassen.

Das Debüt von „Dallas“ anno 2013 - ein Vollbad für Nostalgiker, für Neueinsteiger kaum etwas Besonderes. Was unzweifelhaft bedeutet: Lassen die Serienmacher nach dem noch zu planenden Abgang J.R.s auch Bobby sterben, können sie einpacken.

Aber bekanntlich ist der Frauenliebling zäh. Schon 1985 ließ er bei einem Unfall sein Leben. Nach dem folgenden Quotentief stand er ein paar Monate später plötzlich unter der Brause. Quicklebendig. Darauf einen Bourbon.

dpa / Mark Daniel

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