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Kultur Georg-Büchner-Preis für Jan Wagner
Nachrichten Kultur Georg-Büchner-Preis für Jan Wagner
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13:44 20.06.2017
Der Lyriker, Übersetzer und Essayist Jan Wagner. Quelle: dpa
Leipzig

Der Lyriker Jan Wagner erhält den Georg-Büchner-Preis. Das teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am Dienstag mit und begründet ihre Entscheidung mit der spielerischen Sprachfreude und meisterhaften Formbeherrschung, der musikalischen Sinnlichkeit und intellektuellen Prägnanz, die Wagners Gedichte verbinden. Die „erschließen eine Wirklichkeit, zu der Naturphänomene ebenso gehören wie Kunstwerke, Sujets der Lebens- wie der Weltgeschichte, erste Fragen und letzte Dinge“. Die Jury würdigt Wagners „poetische Sprachkunst, die unsere Wahrnehmung ebenso schärft wie unser Denken“.

Als Jan Wagner 2015 den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt, war das eine Überraschung. Auch, weil die Auszeichnung in der Kategorie Belletristik zum ersten Mal an einen Lyriker ging. Beim Büchner-Preis ist das anders. Hier steht Wagner in einer Reihe mit Paul Celan (1960), Ernst Jandl (1984), Erich Fried (1987), Sarah Kirsch (1996), Oskar Pastior (2006). Die heute renommierteste Auszeichnung für deutschsprachige Literatur wird seit 1923 verliehen und geht an Schrift­steller, „die in deutscher Sprache schreiben, durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervor­treten und die an der Gestaltung des gegen­wärtigen deutschen Kultur­lebens wesentlichen Anteil haben.“

Jan Wagner wurde 1971 in Hamburg geboren, hat Anglistik studiert und debütierte 2001 mit dem Gedichtband „Probebohrung im Himmel“ (Berlin Verlag). Da hatte er sich bereits als Übersetzer zeitgenössischer englischsprachiger Lyrik verdient gemacht wie auch als Herausgeber der literarischen Loseblattsammlung „Die Außenseite des Elements“. Er ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, die den mit 50 000 Euro dotierten Büchner-Preis vergibt.

Tanz auf dem Vokal

Zur Preisverleihung am 28. Oktober gehört auch eine Rede. Sie gesellt sich dann zu den anderen, die – nach den 2015 in Leipziger ausgezeichneten „Regentonnenvariationen“ – in diesem März unter dem Titel „Der verschlossene Raum. Beiläufige Prosa“ bei Hanser Berlin erschienen sind. Zur Dankesrede für den Mörike-Preis, der Münchner Rede zur Poesie, Festvorträgen im Dresdner Albertinum, im Berliner Martin Gropius-Bau, in der Staatsbibliothek ... Wagners Anteil an der in der Satzung geforderten „Gestaltung des gegen­wärtigen deutschen Kultur­lebens“.

Dazu stehen Radiobeiträge und Zeitungstexte. Immer erzählt Jan Wagner Geschichten, nimmt sie als Ausgangspunkt, bettet sie ein, verleiht dem Beiläufigen in größerem Zusammenhang Gewicht. Er wirkt darin auf seine routinierte Art und elegante Weise älter als 45.

In seiner Lyrik aber, dem, wie er schreibt, „unpopulärsten Genre, das die Literatur zu bieten hat“, stellt sich dazu ein Zauber ein, der aus dem Klang entsteht, wenn Bilder auf Vokalen tanzen: „ist es ein fuchs, ein schimmel oder rappe,/hengst oder stute,/ was durch den garten trabt und am rhabarber/ zugange ist, an der lavendelstaude?“. Man kann im Rhythmus seiner Zeilen schreiten oder rennen, ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Lektüre-Tipp: Jan Wagner: Selbstporträt mit Bienenschwarm. Ausgewählte Gedichte 2001–2015. Hanser Berlin; 256 Seiten, 19,90 Euro

Jan Wagner: Selbstporträt mit Bienenschwarm. Ausgewählte Gedichte 2001–2015. Hanser Berlin; 256 Seiten, 19,90 Euro Quelle: Hanser Berlin

Von Janina Fleischer

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