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"Gesichter in Leipzig": Eine Diva, die gern noch mal die "Dolly" wär'

"Gesichter in Leipzig": Eine Diva, die gern noch mal die "Dolly" wär'

Jeder Mensch hat eine interessante Geschichte. Die LVZ-Serie "Gesichter in Leipzig" porträtiert Leute, die auf sich aufmerksam machen. Typen, die außergewöhnliche Ideen haben.

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Angela Mehling hat in mehr als 30 Jahren auf der Muko-Bühne viele Traumpartien ihres Fachs gesungen und gespielt.

Quelle: Kirsten Nijhof

Oder auch das ganz alltägliche Original von nebenan. Heute: Sängerin Angela Mehling.

Diana Divane übertrifft sich selbst, als sie den vermeintlichen Star der Mailänder Scala auf höchstem Niveau im Schlafgemach einen Querschnitt italienischer Bravour-Arien trällert. Sie ist einfach umwerfend anzuschauen und zu hören in dem Musical "Lend me a tenor" in Leipzigs Musikalischer Komödie. So wie die ein wenig altjüngferliche Baronin Adelaide im "Vogelhändler" den Humpen anhob und austrank, das macht ihr keiner so schnell nach. Und da ist noch die schöne, schlanke, liebenswerte Mr. Mary Darling, der man am Opernhaus Halle ihre drei mit "Peter Pan" nach Nimmerland fliegenden Kinder gar nicht so recht zutraut.

Drei Rollen einer Künstlerin! Wer die Sopranistin Angela Mehling trifft, will kaum glauben, dass sie mehr als drei Jahrzehnte zum Ensemble der Musikalischen Komödie gehört. "Schon während meines Studiums an der Hochschule für Musik ,Felix Mendelssohn Bartholdy' hat mein Lehrer, Wolfgang Weit, der zugleich Direktor der Muko war, uns Studenten kleinere Rollen anvertraut. So bin ich dann ins Operetten- und Musicalfach hineingewachsen", erzählt die Künstlerin. Sie war nicht nur die "Schöne Helena", die "Csardasfürstin", die "Blume von Hawai", die "Dolly", die Wirtin im "Weißen Rössl" oder die Iduna in "Feuerwerk", sondern hat auch der Valencienne in der "Lustigen Witwe", der Fiametta in "Boccaccio", der Anita in "West Side Story", der Maria-Magdelena in "Jesus Christ Superstar" und vielen anderen Bühnenfiguren Charme, Persönlichkeit und Glanz verliehen. Manche Rolle hatte sie dem Dirigenten Ralph Rank zu verdanken, der oft mit ihr arbeitete. Und Robert-Stolz-Kenner Roland Seiffarth vertraute ihr in den, dem österreichischen Meister gewidmeten Revuen jene Hits an, die Erika Köth oder Anneliese Rothenberger für die Nachwelt ins Mikrofon sangen.

Das mag auch dazu beigetragen haben, dass die Sängerin im Kellertheater als Primadonna in der "Riemannoper" bestens besetzt war. Peter Konwitschny gewann sie auch für seine Inszenierung von Nonos "Unter der großen Sonne von Liebe beladen" im Opernhaus. Gastenengagements in Berlin, Cottbus oder Wiesbaden, Aufnahmen für Funk und Fernsehen machten Angela Mehling weit über Leipzig hinaus bekannt. Unter der Leitung von Opernintendant Ulf Schirmer wirkte sie mit dem Bayrischen Rundfunkorchester im Prinzregententheater München in Kalmans "Dollarprinzessin" mit. Ihre Olga Labinska ist nun auch auf CD zu hören. "Ein besonderer Höhepunkt, den ich heute von Zeit zu Zeit immer noch körperlich spüre, war die Tanzrolle im Ballett ,Aschenputtel' an unserem Haus", erzählt sie mit einem Lächeln. Momentan arbeitet die Künstlerin an ihren Fachwechsel von der ewig jungen Schönen zur gut anzuschauenden überzeugenden Charakterdarstellerin. Die Fricka in "Wagners Ding mit dem Ring" oder die Laetitia Prism in "Mein Freund Bunbury" sind Beleg dafür. Die gebürtige Hallenserin, die Regisseuren und Dirigenten gegenüber zuweilen eigensinnig sein kann, verbreitet auch im Privaten ein wenig das Flair einer Diva. Und wie sieht sie es selbst? "Kreative Entwicklung eines Stückes oder einer Rolle ist ja ein Geben und Nehmen. Das erfordert einen eigenen Sinn und Verstand, sonst wären wir Marionetten, die man hin- und herschieben kann, wer will das? Eigensinnige, selbst denkende Mitarbeiter - dazu stehe ich gern! Und im persönlichen Leben?", schaut sie ein wenig nachdenklich. "Ich bin eine selbstbewusste Frau geworden, durch gute und weniger gute Zeiten." Bleiben noch Wünsche?

"Einmal ,Mary Poppins' oder in ,Sunset Boulevard' die Norma Desmond spielen, wäre toll, sehr gern auch noch einmal die ,Dolly'." Und was bedeutet für sie Leipzig? "Es ist in den vielen Jahren meine Heimat geworden. Ich bin hier verwurzelt, nicht nur kulturell, sondern auch wegen der Landschaft und der Menschen. Leipzig ist eine schöne Großstadt mit vielen kulturellen Angeboten. Dazu zu gehören, ist wunderbar! Und am meistens freut es mich, dass die Musikalische Komödie nun endlich finanzielle Mittel erhält, damit wir unter anderem einen Probensaal und bessere Garderoben bekommen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.05.2014

Rolf Richter

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