Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Gewandhaus-Architekt war bei der Stasi - „Als IM habe ich mich eigentlich nie gefühlt“
Nachrichten Kultur Gewandhaus-Architekt war bei der Stasi - „Als IM habe ich mich eigentlich nie gefühlt“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:31 19.09.2011
Der Chefarchitekt des Leipziger Gewandhauses, Rudolf Skoda, war bei der Stasi. Quelle: Volkmar Heinz
Leipzig

Der Zeitung liegt die mehr als 300-seitige Akte aus der Stasi-Unterlagen-Behörde vor. Danach unterschrieb der heute 79-Jährige eine Verpflichtungserklärung und traf sich mit Stasi-Mitarbeitern in konspirativen Wohnungen.

Er sprach nach Aktenlage mit seinem Führungsoffizier über West-Kontakte und -Reisen, lieferte handschriftliche Informationen und übergab Briefe zur Auswertung. Skoda erhielt wegen seiner regen West-Kontakte den Status eines Blickfeld-IM. Die Stasi bezeichnete so Kader, die ins Blickfeld westlicher Geheimdienste gerückt und von diesen angeworben werden sollten, um dann als Doppelagenten zu arbeiten. Vor einer Hamburg-Reise unterschrieb IM Richard  einen schriftlichen Auftrag, in dem die mögliche Anwerbung durch gegnerische Geheimdienste vorgesehen war.

Laut Skoda beinhaltet die Akte zu großen Teilen nur die Wunschvorstellungen der Stasi. Eine Rolle als Doppelagent habe er von vornherein abgelehnt. Eine Verpflichtungserklärung der Staatssicherheit zu unterschreiben, sei „sicher ein bisschen naiv“ gewesen, sagte Skoda der Zeitung. „Als IM habe ich mich eigentlich nie gefühlt.“ Zudem will er bei Westaufenthalten Gesprächspartner gewarnt haben: „Ich habe denen gesagt, dass mich diese Stasi-Leute immer vor und nach der Reise befragt haben.“ Der Hamburger Journalist Manfred Sack, ein langjähriger Bekannter Skodas, bestritt jedoch auf Anfrage der Zeitung, dass Skoda sich auf diese Weise offenbart hätte.

Die Unterlagen enthalten nach dem Zeitungsbericht auch umfangreiche Hinweise über die Familie eines ostdeutschen Freundes, dessen Sohn sich an einer Protestaktion in Leipzig beteiligt hatte. Die Informationen gingen an die für „Demonstrativtäter“ zuständigen Stasi-Kreisdienststelle. „Das war so einer dieser Typen, die mit der Kerze in der Hand um die Nikolaikirche gerannt sind“, sagte Skoda der Zeitung. Der junge Mann sei der Sohn eines Freundes gewesen. Möglicherweise habe die Stasi ihn darauf angesprochen. „Das habe ich dann auf Fragen sicherlich gesagt.“    

Armin Görtz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In der Affäre um den geschassten MDR-Unterhaltungschef Udo Foht ermittelt die Staatsanwaltschaft Leipzig auch gegen den Volksmusikmanager Hans R. Beierlein. Der 82-Jährige sei einer der Verdächtigen, die Bestechungsgeld an Foht gezahlt haben sollen, sagte der Behördensprecher Ricardo Schulz am Montag und bestätigte einen Bericht des „Spiegel".

19.09.2011

Programmkino-Betreiber aus ganz Deutschland treffen sich in Leipzig zur 11. Filmkunstmesse. Die Messe, die am Montag begann, versteht sich als bundesweit bedeutendster Branchentreff der Arthouse-Kinos.

19.09.2011

Das internationale Dokumentarfilm-Festival DOK Leipzig (17. bis 23. Oktober) wirft in diesem Jahr einen besonderen Blick auf den Arabischen Frühling. „Wir haben aus den aktuellen Filmen die besten aus der arabischen Welt ausgewählt, die diese Revolutionen und Umbrüche dokumentieren und auch den Weg dorthin zeigen.

19.09.2011