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Kultur Glaubwürdig alltagsklug: Sanftwut-Chefin Uta Serwuschok mit Solo-Programm
Nachrichten Kultur Glaubwürdig alltagsklug: Sanftwut-Chefin Uta Serwuschok mit Solo-Programm
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18:16 23.02.2014
"Will keine Westfrau sein": Uta Serwuschok. Quelle: Wolfgang Zeyen
Leipzig

Zu einem Programm mit Liedern, Chansons und Plaudereien, präsentiert von Sanftwut-Chefin Serwuschok unter dem wohl lustig gemeinten Titel "Hiiilfe! Die Chefin singt!"

Nun, jeder weiß es: Leipzig ist nicht Paris (nein, nicht mal Klein-Paris). Wie auch die Sanftwut nicht das Moulin Rouge ist. Und Uta Serwuschok nicht Edith Piaf. Und auch deshalb ist es erst einmal sympathisch, wie sie sich hier, auf all das pfeifend, trotzdem einen Traum erfüllt. Mit einem Liederabend-Solo-Programm (künstlerische Leitung: Silvia Zygouris), das der Knef genauso Referenz erweist wie Charles Aznavour und sich nicht scheut, Johnny Cash mit Caterina Valente zu vereinen.

Nun liegt es allerdings nicht nur an Letzterer, dass die Show weitteilig so frisch wirkt wie eine aus seligen Wirtschaftswunderzeiten. Gemütlich wie beim Muggefug- Kaffeekränzchen, lediglich beschwipst vom etwas zu viel an Eierlikör, singt und plaudert sich Serwuschok (am Flügel begleitet von Knut Ratzlaff) durch jene Seichtigkeit des Kleinbürger-Seins, die, da muss man nicht drum herum reden, die Kleinkunst allemal gern goutiert.

Empfindsamkeit schließt das nicht aus. Und auch wenn man nicht genau weiß, was ein Statement wie "Ich bin gerne Ostdeutsche, will keine Westfrau sein" eigentlich noch artikulieren könnte, außer ein sich als Stolz ausgebendes Minderwertigkeitsgefühl, ist Serwuschok dennoch von jener Bodenhaftung und auch Alltagsklugheit, die glaubwürdig wirkt.

Immer wieder gelingen da Serwuschok in den Texten zwischen ihren Songs Beobachtungen kleiner, menschlicher Unzulänglichkeiten. Das ist gekonnt und gleichzeitig derart frei vom satirischen Biss und voll der Philanthropen-Milde, dass man fast geneigt ist, dem blödsinnigen Spruch Glauben zu schenken, der empfiehlt sich niederzulassen, wo Lieder erklingen, weil böse Menschen angeblich nicht singen.

Wenn Uta Serwuschok nun singt, klingt das tatsächlich meistenteils ganz gut, selbst dann, wenn die Nummern grausig sind. Tiefpunkt: eine unsägliche Verwurstung von Johnny Cashs "Ring of Fire", ob der der Man in Black garantiert Rot gesehen hätte.

Allerdings geht es auch besser: Helen Vitas hübsche Frivolität "Nachts im Mondenscheine" bietet Serwuschok mit nachgerade mädchenhafter Koketterie, während zu Ferdinand Raimunds Wiener Couplet "Hobellied" gut jener achselzuckende Fatalismus rüberkommt, dessen das Stück bedarf, um zu wirken.

Und schließlich ist da noch Aznavours "La Mamma", das zu diesem Kaffeekränzchen quasi das ganz große Stück Rühr-Kuchen liefert, welches Serwuschok indes mit einer Intensität kredenzt, die so gar nichts mehr mit den emotionalen und geistigen Begrenztheiten der Moni-Kultfigur zu tun hat. Und die ahnen lässt, dass da ein Potenzial ruhen mag, das mehr hergibt, als Muggefug.

"Hiiilfe! Die Chefin singt!"

, wieder am Freitag, 20 Uhr; 9. März, 17 Uhr; 26. März, 20 Uhr; 22. April, 20 Uhr; 11. Mai, 17 Uhr; Kabarett Sanftwut (Mädler-Passage, Grimmaische Straße 2-4), Karten für 18 bis 21 Euro unter 0341 9612346

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.02.2014

Steffen Georgi

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