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Grandioses Finale - Gewandhausorchester beendet Brahms-Zyklus

Grandioses Finale - Gewandhausorchester beendet Brahms-Zyklus

Am Samstagabend strahlt das Gewandhaus in festlichem Rot, denn 20 Jahre währt die Partnerschaft zwischen dem Konzerthaus und seinem Global Partner Sparkasse. Vor Konzertbeginn verbinden Gewandhausdirektor Andreas Schulz und Martin Bücher, Vorstandsmitglied der Sparkasse Leipzig, ihre Jubiläumsansprache mit der Einladung zu einem Freigetränk in der Pause für alle Konzertbesucher.

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Riccardo Chailly und das Gewandhausorchester spielen Brahms erste Konzerte.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Das schürt die Feierlaune im voll besetzten Saal, und doch sind alle erst einmal auf die Musik von Johannes Brahms gespannt.

Die beginnt mit dem einzigen Violinkonzert des Komponisten. Der berühmte Geigenvirtuose Joseph Joachim soll - so wird berichtet - bei der Uraufführung im Neujahrskonzert 1879 im Leipziger Gewandhaus so seine Mühen gehabt haben, den ihm auf den Leib geschriebenen Solopart zu meistern. Der Solist anno 2013, Leonidas Kavakos, lässt jedoch am Samstag nicht auch nur einen Lidschlag lang ahnen, welche technischen Anforderungen er hier so souverän und virtuos bedient.

Kraftvoll gießt Kavakos schon im Allegro non troppo süßen Schmerz in Töne, wiegt sich in Zierlichkeit und balanciert die zartesten Empfindungen. Brilliert in seinem Solopart und ist doch Teil eines Ganzen: Wie er den nachdenklichen Gesang der Oboe (wunderschön: Domenico Orlando) mit seinem Spiel im Adagio begleitet, im Finale endlich wieder hell und silbrig flirrt und sich mit den Orchesterkollegen findet, die ihm mit sachten tiefen Streichern und Bläsern den Weg bereiteten, diesen mit straffer Energie oder wolkiger Leichtigkeit beschritten und mit wunderschönen Bläsersoli umrankten.

Nach der Pause ist in Brahms' Vierter alles im leichten Fluss, drängen Chailly und das Gewandhausorchester stetig, doch ohne Hast voran. Chaillys Schlag ist oft nicht viel mehr als ein Fingerzeig und wird doch augenblicklich von den Musikern in entrückend schöne Nuancen umgesetzt.

Im Allegro non troppo wallt Heiterkeit auf, und die glückbringende Schönheit bricht sich hier und später Bahn, wie wenn im Andante moderato die Violinen um Konzertmeister Frank-Michael Erben leuchten wie der lichte Tag, die tiefen Streicher so wundervoll singen und schließlich im Tutti eine sinnliche Wärme entfalten.

Und doch wird schon im Kopfsatz auch wehmütig geklagt: Das Pizzicato der Streicher zum sacht wogenden Holz ist der erhobene Zeigefinger, der sich später allen Harmoniesüchtigen immer wieder schmerzhaft in die Wunde legt. Schönheit gebiert Nachdenklichkeit, Grübeln, Zweifel gar, die schließlich jede Hoffnung auf ein Happy-End begraben.

Der zweite Satz schenkt himmlische Elegien mit Klarinette, Flöten und Hörnern, auf die im Allegro giocoso erneutes stetiges Vorwärtsdrängen folgt, auch wenn Streicher und Bläser im Schlick der Wehmut gründeln.

Nach dem grandiosen Finale gibt es im Publikum stehende Ovationen und reichlich lautstarken, begeisterten Jubel.

Nun also ist der Brahms-Zyklus mit allen Sinfonien und Konzerten komplett. Damit haben Chailly und das Gewandhausorchester zumindest programmatisch bereits ihr Ränzlein geschnürt: In den kommenden Tagen werden sie damit in London, Paris und Wien gastieren.

Für Decca haben Riccardo Chailly und das Gewandhausorchester auf drei CDs alle Sinfonien von Johannes Brahms eingespielt, einschließlich alternativer Fassungen, dazu Ouvertüren, Haydn-Variationen und mehr.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.10.2013

Birgit Hendrich

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