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Kultur Halsweh und Party: Die Münchner Freiheit spielt im Gewandhaus Altes und Neues
Nachrichten Kultur Halsweh und Party: Die Münchner Freiheit spielt im Gewandhaus Altes und Neues
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12:45 28.03.2014
Familientreffen im Gewandhaus: Die Münchner Freiheit. Quelle: André Kempner

Wie wenige Andere kann man die Münchener Freiheit als Inbegriff jener Sehnsucht mehr als nur einer Generation Ostdeutscher sehen, die prägend war für die letzten DDR-Jahre. Ein Starschnitt der Jungs um Stefan Zauner und Aron Strobel, dafür hätte mancher seine Großmutter verkauft. In der Tat bediente die Münchener Freiheit jenes sympathische Bild, das Freiheit mit einer gemütlichen Frechheit gleichsetzt. Und um "Ohne dich schlafe ich heut Nacht nicht ein" fast schon zwanghaft mitzusingen, muss man kein eingefleischter Fan sein dieser fraglos zu den erfolgreichsten gehörenden deutschen Bands. "Herz aus Glas" hat wohl auch fast jeder noch im Hinterkopf. Die Liste lässt sich fortsetzen. Und schon beim Gedanken bricht aus manchem ein Strom nostalgischer Erinnerungen hervor.

Dummerweise war es dann nur wenige Jahre nach der Wende - als die Freiheit so groß war, dass man alles von der Münchener Freiheit haben konnte, was das Herz begehrte - mit dem richtig großen Münchener Freiheit-Hipe auch erst einmal vorbei. Doch weil Totgesagte länger leben, sind sie nicht nur - wie der Teufel aus der Kiste - immer wieder gekommen, sondern sie sind schlicht immer irgendwo auf dem Musikmarkt präsent gewesen. Man weiter unten in den Charts, mal weiter oben. Und sei es im Bewusstsein eines Publikums, das es gemäßigt rockig, angenehm poppig und in jeder Hinsicht unpolitisch mag.

Die großen Themen der Münchener Freiheit spielen sich im Privaten, Zwischenmenschlichen ab, jenseits allen Politischen und Gesellschaftlichen. Lust und Liebe in sympathisch poetischer Aufmachung. Daran hat sich nicht viel geändert. Auch wenn der Frontmann inzwischen Tim Wilhelm heißt und zu den großen Münchener Freiheit-Zeiten wohl noch nicht einmal in die Disco gelassen wurde. Heute punkten sie vor allem mit einer ziemlich anständigen Bühnenshow. Alte Hits treffen auf Titel aus dem neuen Album. Ihrem Stil ist die Münchener Freiheit treu geblieben. Und Helden wie Aron Strobel sind schließlich dabei, auch wenn Stefan Zauner, Frontmann und dominante Stimme der Band 2011 nach gut drei Jahrzehnten Münchener Freiheit ausgestiegen ist.

Für Manchen ist das pure Nostalgie, andere feiern einen richtig netten Abend. Dass Tim Wilhelm offenbar wirklich indisponiert ist - nicht nur einmal weist er auf seine Erkältung hin -, tut der Sache nicht groß Abbruch, macht sie aber auch nicht zum größten künstlerischen Höhepunkt der Freiheitsgeschichte.

Die Fans im bestenfalls mäßig besuchten Gewandhaus tanzen und klatschen, singen was geht und freuen sich offenbar am meisten über die Klassiker der Freiheit. Kein Wunder! Es mag an der Erkältung liegen, dass das ein übersichtlicher Abend bleibt. Aber mit und ohne Erkältung: Ein Stefan Zauner ist der mehr als 20 Jahre jüngere neue Frontmann so und so nicht. Mit Anstand schlägt er sich trotzdem. Die Band ist und bleibt eines der deutschesten Rockmusikphänomene.

Trotz allem geht für viele an diesem Abend ein Traum in Erfüllung: Die Münchener Freiheit ist wieder einmal in Leipzig. Und offenbar ist es nur das, was zählt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.03.2014

Tatjana Böhme-Mehner

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