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Kultur Hart-Schwestern erstmals gemeinsam auf der Kabarett-Bühne
Nachrichten Kultur Hart-Schwestern erstmals gemeinsam auf der Kabarett-Bühne
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18:14 01.05.2018
Senden gemeinsam „SOS Familienurlaub“ von der Bühne: Elisabeth Hart (32) und Angelika Hart (52), Töchter der Mixer-Mitgründers. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Angelika Hart, Jahrgang 1965, studierte von 1984 bis 1988 Schauspiel und hatte unter anderem Engagements am Landestheater Neustrelitz und dem Staatstheater Cottbus, zuletzt von 2001 bis 2016 am Theater Heilbronn. Seit zwei Jahren arbeitet sie freischaffend.

In der Familie Hart steckt offenbar ausnahmslos das vielzitierte „Sächsische Künstlerblut“. Sind das nun die Gene oder ist es Zufall?

Außer meiner Mutter sind tatsächlich alle Harts künstlerisch tätig – auch meine beiden Töchter. Die eine beginnt gerade ihr Schauspielstudium an der Berliner Hochschule Ernst Busch; die andere war zunächst Erzieherin, hat dann aber angefangen zu fotografieren und studiert nun Medienkunst an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Vielleicht ist das bei uns eine Mischung aus Genen und Zufall. Schon bemerkenswert.

Für Sie ist „SOS Familienurlaub“ eine zweifache Premiere: Zum ersten Mal in einer Mixer-Produktion und zum ersten Mal mit Ihrer Halbschwester. Wie aufregend ist das?

Beides ist für mich gar nicht mal das Aufregendste – diese Fakten bestimmen diese Aufgabe weniger als der Arbeitsprozess. Es handelt sich ja um eine Stückentwicklung mit Volker Insel, und das hab ich noch nicht allzu oft gemacht. Jeder von uns schreibt Szenen, wir sprechen alles durch, entwerfen ein Gerüst – bis das richtige Proben beginnt, dauert es seine Zeit, und die drängt jetzt. Das ist für mich gewöhnungsbedürftig.

Wie kam es überhaupt zu Ihrer Rolle in Leipzig?

Meine Schwester hat sich bei mir gemeldet: Die sonst am Haus in Frage kommenden Darstellerinnen für die Mutterrolle waren verbucht, und Elisabeth kam auf mich. Alle fanden das eine schöne Idee, auch ich. Nun wohne ich für die Produktionszeit hier und kann öfter meine Familie sehen – meine Tochter inklusive.

Wie stark ist Ihre Bindung nach Leipzig?

Sie ist positiv, Leipzig ist zauberhaft! Ich bin regelmäßig hier, hatte aber in großer Entfernung, in Heilbronn, mein eigenes Leben. Jetzt, wo ich mich täglich durch Leipzig bewege, fallen mir immer wieder Orte oder Dinge auf, die mich an früher erinnern. Das ist komisch, aber nicht unangenehm.

Im Stück macht eine Familie eine Bootstour auf der Havel. Was erwartet den Zuschauer?

Das ist eine Versuchsanordnung. Was passiert, wenn eine Familie mit all dem typischen Konfliktpotenzial zwischen den einzelnen Mitgliedern durch einen Fremden aufgemischt wird – eine junge Frau wird nämlich aus dem Wasser gefischt. Die Kleinfamilie steht natürlich prototypisch für das, was in der Gesellschaft passiert. Es ist auf alle Fälle witzig, das wird Zuschauen bestimmt Spaß machen.

Bis 2016 gehörten Sie dem Ensemble des Theaters in Heilbronn an – warum entschieden Sie sich für die Selbstständigkeit?

Das grundsätzlich an Stadttheatern herrschende Debakel aus Fremdbestimmtheit, Verschleiß und Selbstausbeutung wurde hier durch weitere Probleme verschärft: Mit der Theaterleitung habe ich mich künstlerisch und persönlich nicht verstanden. Ein selbstbestimmtes Leben war schon lange mein Traum, jetzt führe ich es, und es fühlt sich bis jetzt gut an.

Sie machen mit bei dem Projekt „Erzählwerkstatt für Menschen“. Was ist das?

Dahinter steckt ein bürgerschaftliches Engagement: Menschen aus allen denkbaren Ländern erzählen Redakteuren, also auch mir, ihre besondere Geschichte, und wir schreiben sie auf. Es sind sehr viele und sehr spannende, gerade wird ein Buch daraus gemacht.

Welche Beziehung haben Sie zum Kabarett?

Ich schau es mir gern mal an. In den letzten Jahren hat sich das Genre ziemlich gewandelt. Comedy und Satire fließen oft ineinander, es gibt Unschärfen. Die Zeit, in der man sich in Deutschland als Kabarettist um Kopf und Kragen reden konnte, sind halt vorbei. In „SOS“ machen wir zeitgenössisches Theater mit Tagesbezug.

Was sagt Ihr Bauchgefühl – stößt das Programm eine neue Tür für Sie auf oder ist das nur eine temporäre Sache?

Alles ist möglich, alles ist vorstellbar. Ich versuche gerade, mein Leben nicht zu weit vorauszudenken und konzentriere mich auf das, was ich augenblicklich mache. Und das möchte ich gut machen.

Interview: Mark Daniel

SOS Familienausflug – Voraufführungen Freitag (20 Uhr) und Samstag (16 und 20 Uhr), Premiere am Sonntag um 18 Uhr, Karten unter Telefon 0341 21787878 und www.academixer.com.

Von Mark Daniel

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