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Kultur Heinz-Rudolf Kunze mit Botschaft an Pegida-Anhänger: "Lasst Euch nicht missbrauchen"
Nachrichten Kultur Heinz-Rudolf Kunze mit Botschaft an Pegida-Anhänger: "Lasst Euch nicht missbrauchen"
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12:41 07.03.2015
Pop und Anspruch: Heinz-Rudolf Kunze bringt beides zusammen. Quelle: Wolfgang Zeyen
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Pirna

Im Interview sprach Kunze über die Islamkritiker von Pegida, sein neues Album und deutsche Rockmusik im Radio.   

Frage:

Auf dem Weg nach Sachsen blicken Sie sicher auch auf die aktuelle politische Situation - Stichwort Pegida. Was geht Ihnen dabei durch den Kopf?

Kunze:

Natürlich macht mich das besorgt, trotzdem habe ich die Sachsen lieb und werde mein Bestes tun, um sie zu retten. Ich habe auch in einem Sprechtext gesagt: Man kann sich Sorgen machen, man kann Ängste haben - das ist berechtigt. Aber man muss aufpassen, dass man mit diesen Sorgen nicht den Falschen hinterherläuft und dass man sich nicht missbrauchen lässt. Nun kommen natürlich zu Räuberzivil nicht unbedingt Pegida-Mitläufer, glaube ich. Das ist das alte Problem: Man predigt vor allem zu denen, die schon überzeugt sind. Die anderen sind schwer zu erreichen.

Vor Jahren beklagten Sie „die Flut von ausländischer Musik“ und forderten eine Mindestquote für deutschen Rock im Radio. Solche Forderungen stellen auch AfD und Rechtspopulisten. Wie stehen Sie heute zu dieser Aussage?

Ich glaube, dass diese Leute eher an den deutschen Schlager und die deutsche Volksmusik denken. Mir ging es eher um interessante deutsche Musik. Aber ich sprach damals für über 600 deutsche Kollegen, die das unterschrieben haben und mich als Sprachrohr auserkoren hatten. Wer meine Arbeit kennt, weiß, welche Musik ich dabei im Auge hatte und welche nicht. Ich glaube, dass diese andere Musik, die ich selber so schrecklich finde, genügend Platz in deutschen Medien hat - dafür muss ich mich nicht auch noch einsetzen.

„Tiefenschärfe“ heißt das neue Album von Räuberzivil. Worum geht es?

Es geht immer um alles. Auch um die deutsche Vergangenheit und um die Sorgen der Gegenwart - obwohl ich das Album geschrieben habe, als die Meldungen von Terror und deutscher Fremdenfeindlichkeit noch nicht so häufig in den Medien waren. Allerdings kann ich auf aktuelle Dinge in meinen kabarettistischen Zwischentexten reagieren.

Ihre Band Räuberzivil ist nicht so bekannt. Wünschen Sie sich für diese Art von Musik mehr mediale Aufmerksamkeit oder genießen Sie es, sich jenseits vom Mainstream musikalisch auszutoben?

Genießen wäre übertrieben. Jeder Musiker, der mit etwas in die Öffentlichkeit geht, wünscht sich so viel Resonanz wie möglich. Dass das bei Räuberzivil nicht so einfach ist, wie mit der lauten Band Verstärkung, das ist mir schon klar. Räuberzivil macht sehr anspruchsvolle und komplexe Lieder - vor allem textlich - die haben im Radio leider nicht so eine große Chance. Öffentlichkeit müssen wir mit Live-Arbeit, guten Kritiken und Mundpropaganda herstellen. Das ist ein hartes Brot, aber Spaß macht es trotzdem.

Luise Binder

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