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Kultur Henry Schneiders Stelzenfestspiele bei Reuth beginnen im thüringischen Vogtland
Nachrichten Kultur Henry Schneiders Stelzenfestspiele bei Reuth beginnen im thüringischen Vogtland
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16:33 21.06.2017
Festspielbegründer Henry Schneider an der Säge. Quelle: dpa
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Stelzen

„Sachen wie Frauencatchen kommen bei uns relativ selten vor“, scherzt Henry Schneider, wenn er von seinem Baby spricht. Das ist jedoch gar nicht mehr so klein, zudem kein Mensch, sondern die Stelzenfestspiele bei Reuth. Und die begehen in diesem Jahr bereits ihre 25. Ausgabe. Ab Freitag wird deshalb im thüringischen Vogtland unter dem Motto „25 Jahre Zauber“ gefeiert.

Herrlich skurriles Programm

Dass er keine Frauen miteinander ringen lassen muss, um das Publikum zufrieden zu stellen, freut den Gewandhaus-Bratscher. „Am Anfang hatten wir Angst, beliebig zu werden, weil uns das wachsende Publikum dazu zwingt.“ Doch das scheint es gerade wegen des mit herrlichen Skurrilitäten durchsetzten Programms immer wieder in das 180-Seelen-Dorf Stelzen an der thüringisch-sächsischen Grenze zu ziehen. Denn wo sonst kommt man in den Genuss, erleben zu können, wie alten Diesel-Traktoren, Melkanlagen und anderem Gerät neues, musikalisches Leben eingehaucht wird. In Bayreuth hört man jedenfalls nichts von der Gülleorgel. Dafür jedoch am Freitagabend zur Landmaschinensinfonie, die „das Wochenende der Superlative rund um die Musik in Dorf, Wald und Flur“ traditionell eröffnet.

Internationale Kost auf thüringischem Boden

Der Samstag bietet internationale Kost und beginnt mit rituellen polyphonen Gesängen des Balkans aus den Kehlen der serbischen Zwillingsbrüder Teofilovici. Aus den Niederlanden ist das Saxofonquartett „Ebonit“ zu Gast und interpretiert klassische Streichquartette auf dem Blasinstrument. Und wer dann noch nicht in anderen Sphären schwebt, kann sich in der Festspielscheune von Magie, Musik und Fantasie verzaubern lassen. Die Revue ist vollgepackt mit artistischen Vorzeigekünstlern wie dem Flötenkomiker Gabor Vosteen, Zauberkünstler Jorgos Katsaros oder dem Berliner Pantomimen-Duo Alexander Neander und Wolfram von Bodecker. Bis in die Nacht getanzt wird anschließend mit Ivan Ivanovich & The Kreml Krauts’ Polka, Punk und russischer Folklore.

Fussball und Beethoven

„Früh gestrichen“ wird am Sonntag Karl Goldmarks Streichquintett und Luigi Boccherinis Quintettino „Aufziehen der militärischen Nachtwache“. Dafür greifen unter anderem Schneider selbst und auch seine Tochter Eva zum Bogen. „Um wieder ein bisschen runterzukommen“, meint der Bratscher mit einem Augenzwinkern. Denn danach geht es, wenn die Fußballer von Traktor Stelzen und eine Auswahl des Gewandhausorchesters aufeinandertreffen, auf dem Feld zur Sache. Durchgeatmet werden darf noch mit den „Klanggeheimnissen“ von Christa und Gerald Schönfeldinger an der Glasharmonika und schließlich dem Abschlusskonzert mit Werken aus den Federn von Brahms, Hummel und Beethoven.

Ausstellungen runden das Programm ab. So zeigt der Leipziger Klaus Görner unter dem Titel „Abgeheftet“ zahlreiche Fotos, Zeitungsausschnitte und eigene Kommentare von den ersten Stelzenfestspielen bis heute. „Seine Familie trifft sich jedes Jahr bei uns“, berichtet Schneider.

Ein riesiges Familientreffen

Und genau das ist es, was ihn nach all den Jahren noch bei der Stange hält. „Es ist wie ein riesiges Familientreffen. Alle kommen zusammen und bringen auch immer wieder neue Freunde mit – aus München, Hamburg, dem Ruhrgebiet, Leipzig und natürlich der Region.“ Was Henry Schneider 1993 als Samen in die Erde seiner vogtländischen Heimat brachte, ist heute zu einem Baum mit vielen Ästen und Verzweigungen herangewachsen, wie er es selbst beschreibt. „Und die Leute vom Dorf sind natürlich Stolz wie Bolle, dass alle zu ihnen kommen und sich wohlfühlen.“

Anfahrt, Preise und weitere Informationen finden Sie auf www.stelzenfestspiele.de

Von André Pitz

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