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Kultur Herzschmerz-Prophet: Adel Tawil in der Arena Leipzig
Nachrichten Kultur Herzschmerz-Prophet: Adel Tawil in der Arena Leipzig
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19:12 08.04.2014
Routinierter Vollprofi: Adel Tawil. Quelle: Ingo Wagner
Leipzig

Herzrhythmusstörung als Kontrast zum Herzschmerzgesäusel.

Es braucht die Länge gleich zweier Supports (Benne und Madeline Juno), bis am Montag in der Arena kurz nach 21 Uhr Klavier-Mollgirlanden durch die Halle zu flattern beginnen, ein Spot die blonde Pianistin sphärisch umkleidet, und von der sonst noch dunklen Bühne Adel Tawils Stimme ertönt. "Dunkelheit" heißt die Nummer, zu der man es dann freilich bald Licht werden lässt. Auf dass auf erhöhtem Podest Tawil erscheine wie der Prophet vom Berge Herzschmerz. Und eine gut zweistündige Show ihren Lauf nehmen kann, in der besagter Herzschmerz freilich auch mal Herzenseinfalt sein darf.

Welche Nuancen und Variationen da möglich sind, zeigt dieser Auftritt Tawils im Rahmen seiner "Lieder Tour 2014" sehr gut. "Schlager-Pop" wurde derlei Musik schon genannt. Und Schlager-Pop wuchert überall dort erfolgreich, wo echte Popkultur seit je nur in Rudimenten gedeiht. Das ist nicht neu, und was Deutschland angeht, reicht diesbezüglich ein Blick in die Historie, um es auf den Punkt zu bringen: Andere hatten Elvis, wir Peter Kraus.

Klar, gibt Schlimmeres. Und Schlimmeres als Adel Tawil sowieso. Das einstige eine Ich von Ich+Ich (das andere gehörte Annette Humpe) ist ein, absurderweise kürzlich mit einem Echo als bester Newcomer (!) ausgezeichneter, routinierter Vollprofi. Zumal einer, der auch mit seinen Schwächen lässig umgeht.

Dass er nicht gut tanzen kann - wen interessiert's? Angetan mit illuminierten Sneakers hüpft und schlendert Tawil über die Bühne als jemand, dem man den Kumpeltyp von Nebenan unbenommen glaubt. Das ist einnehmend. Weshalb dann wohl sogar exzessive Schmacht-Songs wie "Weinen" funktionieren. Und auch wenn man so einen Text manchmal lieber nicht verstehen würde: Das Sentimental-Pathos bedient Tawil bestens.

Interessanter aber sind musikalische Ausreißer aus dem Schema. Stark das rockige "Herzschrittmacher", mit entsprechend wummernder Bass-Drum-Linie. Herzrhythmusstörung als Kontrast zum Herzschmerzgesäusel. Toll. Wie auch "Graffiti Love", ein Stück in Zusammenarbeit mit beiden Humpe-Schwestern entstanden und live mit einem sich gekonnt ins Dissonante schraubenden Electronic-Part gekoppelt.

Kommt leider nicht so an beim Publikum. Wohl einfach etwas zu viel Pop-Experiment auf Kosten des Schlagers. Von Adel Tawil wird Anderes erwartet. Und er bietet es: "Mit dir kann ich unter Wasser leben", blubbert es in schönsten Seifenblasen. Mit dem Amerikaner Matisyahu versucht er sich im Duett ein bisschen am Reggae. Im Song "Paradies" verkündet er, dass man es nicht brauche. Tawil flirtet mit einem süßen kleinen Mädchen (einem von vielen im Übrigen), das im Publikum, begeistert alle Lieder mitsingt. Sitzt später selbst zwischen zwei strahlenden Zuschauerinnen, säuselt dabei "Schnee" ins Mikro und warnt mit "Aschenflug" dann auch noch mal vor Drogenkonsum.

"Esst lieber Gummibärchen", sagt Adel Tawil. Oder ist das nur Einbildung? Eine Halluzination, hervorgerufen durch die bunte Gefühls-Gelatine der Popsong-Gummibärchen, die Tawil verteilt auf eine Art, angesichts derer man einfach nicht nein sagen mag. Was okay ist. Dick macht das Zeug ja nicht. Steffen Georgi

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.04.2014

Steffen Georgi

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