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23:42 27.03.2015
Von Jan Freitag
Große Teile der fünften Staffel von "Homeland" sollen in Berlin entstehen. Quelle: Alex Ehlers (Symbolfoto)
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Auf jeden. Immerzu. Also auch 2015. Auf die Deutschen. In deren Hauptstadt. Genau da entstehen nämlich bald große Teile der fünften Staffel jener Serie, die nicht nur zum Allerbesten zählt, was je im Fernsehen lief, sondern zugleich das komplexe System internationaler Geheimdienste jenseits von 007 unterhaltungstauglich gemacht hat. Berlin wird also zum Drehort der Politthriller-Fiktion schlechthin.

„Homeland“. Bei televisionären Feinschmeckern zuckt beim bloßen Klang des Titels der Starttastenfinger Richtung Fernbedienung. Die Leidensgeschichte der CIA-Agentin Carrie Mathison im selbstlosen Ringen mit arabischen Topterroristen, amerikanischen Topterroristenjägern mit ihren Psychosen und politischen Topterroristenjägerausnutzern ist von so beispielloser Qualität, dass die Ankündigung der neuen Staffel im Herbst noch vorm Ende des Winters für Vorfreude sorgt. Eine deutsche Beteiligung am neuen Kino für daheim, das mit Formaten von „Mad Men“ bis „House of Cards“ das alte Kino für den Saal in den Schatten stellt, lässt abermals aufhorchen.

Die Frage lautet: Warum zieht der brillante Showrunner Howard Gordan mit seinem gigantischen Filmtross um Hauptdarstellerin Claire Danes und Mandy Patinkin als ihrem Vorgesetzten Saul Berenson ausgerechnet ins ferne Deutschland? Die Antwort ist vielschichtig. Da wäre zunächst mal das soziokulturelle Ambiente. Seit 25 Jahren wiedervereinigt ist die Bundesrepublik chronisch zerrissen zwischen zeitgemäßer Weltgeltung und historischer Befangenheit. Wie das Amerika der ersten 48 Folgen von Homeland bietet auch das Deutschland von heute die perfekte Kulisse für den Gegensatz zwischen moralischem Anspruch und der realen Brutalität ringsum.

Hinzu kommt der dramaturgische Aspekt: Eine Serie, die ihre Story inhaltlich so globalisiert, kann schlecht in Hollywood verharren. Während die ersten drei Staffeln bereits Abstecher auf fast alle Kontinente unternahmen, spielte die vierte fast ausnahmslos in Pakistan. Da ist ein Umweg über Europa westwärts nur konsequent – und verweist auf den nächsten Grund des Herstellungsexports: Internationale Besetzungen werden von der Ausnahme zur Regel. Dass Nina Hoss als deutsche Botschaftsangehörige Astrid und Ex-Geliebte von Carries Kollegen Quinn zu einer Sprechrolle in der – auch im Original deutsch betitelten – Episode „Krieg Nicht Lieb“ kam, mag auch dem Umstand geschuldet sein, dass Amerikaner Ausländer nun mal gern ausländisch besetzen. Zugleich allerdings sind solche Einsätze Teil jener PR-Maschine, die jedes Filmprodukt auch außerhalb der Landesgrenzen verkäuflich macht und immer mal wieder deutsche Darsteller ins US-Kino spült.

Neu ist hingegen, dass dies auch in Serien Schule macht. Franka Potentes Hauptrolle in der Gangs-of-New-York- Adaption „Copper“ hat zwar wie die Gastauftritte von „Dr. House“ bis „Psych“ auch mit ihrem Ruf aus der Bourne-Trilogie zu tun. Doch selbst wenn Diane Kruger in Übersee als halbe Amerikanerin durchgeht, hat ihre Beteiligung im US-Remake des dänischen Krimierfolgs „Die Brücke“ fraglos Marketingaspekte. Die dürften auch beim Entschluss eine Rolle gespielt haben, das Finale der Drogenballade „Breaking Bad“ teilweise nach Hannover zu verpflanzen.

Konsequenter sind da nur internationale Ko-Produktionen, die neben den Sendeorten auch anfallende Kosten breit streuen. Ein paar Deutsche müssen daher am Set häufig Englisch reden, wenn Gemeinschaftsprojekte wie „Napoleon“ oder „Borgia“ entstehen. So schafft es der optisch süße, schauspielerisch schlichte Constantin von Jascheroff demnächst in die Arte-Saga „Alatriste“, wo er neben lauter Spaniern einen Prinzen spielt. Viel zu sagen hat er da nicht. Im internationalen Film gilt Made in Germany immer noch allenfalls als Accessoire.

Jan Freitag

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