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Nachrichten Kultur Howard Carpendale in Leipzig gefeiert
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23:32 03.11.2015
Howard Carpendale während seines Auftrittes in der Leipziger Arena am Dienstag. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Nachts, wenn alles schläft, wollen sie bei ihm sein. Doch es bleibt beim Wunsch der vielen aufgeregten Damen, die am späten Dienstag in der Arena Leipzig ihren Liebling mit Blicken küssen. Nach rund zwei Stunden Konzert lässt Howard Carpendale jene Frauen in ihren Träumen zurück, die an diesem Abend die absolute Mehrheit bilden unter den 2100 Zuschauern.

„Das ist unsere Zeit“ – der Titel vom jüngsten, gleichnamigen Album steht als Motto für 120 Minuten gemeinsame Leipziger Minuten, knietief versunken in Gefühl, Reminiszenz, Lebensweisheit und Kitsch. Natürlich, „Howie“, wie er ungern genannt sein will, zielt seit über 45 Jahren auf das Sentiment vor allem der Frauen. Der 69-Jährige schmalzt und schmerzelt, bis manche Männer Zigaretten holen und nach New York fliegen wollen, so wie Udo Jürgens.

Und dennoch: Carpendale hat es definitiv drauf. Nicht nur, weil er sich in seiner Show vor eben diesem Ende 2014 gestorbenen Udo Jürgen Bockelmann mit eben diesem Song verbeugt, sondern weil er es versteht, Stimmung zu verdichten. Außerdem funktioniert das schwungvolle bis melancholische Flanieren zwischen „Samstagnacht“ und „Hello again“ am besten, wenn vor der Tür von Alice die Welt eindeutig komplizierter wird.

Hello again! Howard Carpendale war am Dienstagabend (03.11.2015) in der Arena Leipzig zu Gast. Die aktuelle Tour des Sängers steht unter dem Titel "Das ist unsere Zeit!" Fotos: André Kempner

Bei Howie ist alles beim Alten, Gewohnten, Vertrauten, da gibt’s ein Versprechen von Sicherheit, und außerdem ist er gerade in exorbitanter Plauderlaune. Und so singt der Riesensaal mit, wenn Carpendale in Begleitung seiner neunköpfigen vorzüglichen Band und drei Backgroundsängern „Deine Spuren im Sand“, „Wie frei willst Du sein“, „Hello again“ (anfangs als fantastisches a-cappella-Stück) oder „Dann geh doch“ liefert.

Als Besonderheit nimmt der Südafrikaner mit dem butterweichen „R“ bei jeder Tourstation einen ansässigen Chor mit auf die Bühne. Im Leipziger Fall hat der Gospeltrain das Privileg, kurz vor der Pause den Stimmen-Teppich für „Ti Amo“ auszurollen.

Am fortgeschrittenen Teil des durchgewippten Abends, nach neuen und alten Songs des Helden, wird der Weg freigegeben für den bienenschwarmartigen Damen-Ansturm. Drücker, Händeschütteln, Blumen, Fotos. Ein Fan hat auf der Rückseite seines Howie-Shirts stehen: „Isch freu misch riesisch!“. Und dafür hat er gute Gründe: Der Star singt ein Medley, zwischendurch streut er Anekdoten ein.

Letzter Song vor den Zugaben („Das ist unsere Zeit“, „Wir sind eins“ und „Das alles bin ich“) ist ein Kracher der sehnsuchtsprallen Großromantik: „Nachts, wenn alles schläft.“ Und dann ist es vorbei. Alle wollen sie bei ihm sein. Und bleiben. Aber Howie, einer der letzten Vertreter des guten alten Schlagers, lässt sie schmachtend zurück. Man möchte sie trösten, die Frauen. Vielleicht hilft Oscar Wilde: „Es gibt nur zwei Tragödien im Leben: Die eine, nie zu bekommen, was man sich wünscht – die andere, es zu bekommen.“

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