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Kultur Humor- und sprachlos in Norwegen
Nachrichten Kultur Humor- und sprachlos in Norwegen
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16:30 13.02.2017
Wanderschaft zu sich selbst: „Luis“ Tristan Göbel (Hintergrund) und Vater „Michael“ Georg Friedrich. Quelle: Schramm Film / Marco Krüger
Berlin

Zumindest belegt die 162-minütige Tragikomödie, dass sich Wagemut im mainstreamigen Kinogeschäft lohnt, besonders dann, wenn ein großes Festival Anschubhilfe leistet. In Ades Fall war das Cannes. Sorry, Berlinale!

Die Suche nach neuen, gegenwartsbezogenen Sensationen läuft in Berlin aber bereits auf vollen Touren, bislang mit bescheidenem Erfolg. Die illustre Reihe „Berlinale Special“ präsentiert vornehmliches historisch gut Abgehangenes über die zerbröselnde DDR (“In Zeiten des abnehmenden Lichts“ von Matti Geschonneck), über das jüdische Weiterleben in Deutschland nach dem Holocaust (“Es war einmal in Deutschland“ von Sam Garbarski) oder über einen Heroen der Arbeiterbewegung (“Der junge Karl Marx“ von Raoul Peck).

Aber da ist ja auch noch der mit gleich drei deutschen Filmen bestückte Wettbewerb, am Montag hatte die 86 Minuten kurze Vater-Sohn-Geschichte „Helle Nächte“ Premiere. Regisseur Thomas Arslan, bei der Berlinale zuletzt mit dem Western „Gold“ dabei, filmt ähnlich unprätentiös wie Ade, allerdings gänzlich humorfrei – sieht man einmal von der üblichen Teenager-Altklugheit von Luis (Tristan Göbel) ab. Zusammen mit seinem gallebitteren Vater Michael (Georg Friedrich) fährt Luis nach Norwegen. Luis’ Opa, also Michaels Vater, ist gestorben. Michael sieht in dem Trip eine Chance, dem Sohn wieder näherzukommen, der bei der Mutter aufwächst – wenn Michael es schon verpasst hat, sich mit seinem Vater zu versöhnen. (Generationen-)Konflikte in der rauen Natur Nordnorwegens sind also programmiert.

Arslans Film „Helle Nächte“ – entkernt bis zum Substanzverlust

So weit, so vorhersehbar. Und damit beginnt das Problem von „Helle Nächte“: Arslan entkernt seinen spartanischen Film so weit, dass Substanz verloren geht. Die Interaktion zwischen den Figuren wird auf ein Minimum reduziert. Kommunikations-Unfähigkeit herrscht vor im nordnorwegischen (Beziehungs-)Nebel. Die latente Aggressivität zwischen Vater und Sohn geht regelmäßig in Schweigen über – jedenfalls bis kurz vor Schluss, wenn nach langen Autofahrten durch karge Bergwelten plötzlich doch Nähe im weichen Tundragras möglich sein soll.

Seltsam leblos wirkt dieser Film, und das gilt auch für die Hauptdarsteller, von denen wir schon ganz anderes gesehen haben: Friedrich war eben noch in Josef Haders vielgelobter Tragikomödie „Wilde Maus“ der Freund von der Achterbahn, Göbel düste als einfühlsamer Kumpel von „Tschick“ in Fatih Akins Roadmovie durch die ostdeutsche Prärie.

Wo bleibt das wilde deutsche Kino?

Und wo bleibt nun das wilde deutsche Kino, das bei der Berlinale zuletzt vor zwei Jahren mit dem in einer einzigen Einstellung gedrehten Banküberfall-Thriller „Victoria“ Furore machte? Dafür steht bislang am ehesten der ähnlich improvisationsfreudige Film „Tiger Girl“, der als anarchische Energiespritze gefeiert wird – vom Wettbewerb aber nicht angenommen wurde und nun im Panorama läuft. Zwei junge Frauen in Berlin, Spitznamen: Tiger und Vanilla, nehmen sich vom Leben, was sie eben wollen, gerne auch mit Hilfe eines Baseballschlägers. Eine Neuentdeckung ist Regisseur Jakob Lass aber nicht: Mit „Love Steaks“ legte der Absolvent der Babelsberger Filmuniversität bereits 2013 sein aufregend-komisches Debüt vor.

Schon am Dienstag folgt mit Andres Veiels „Beuys“ die einzige Doku im Wettbewerb, am Mittwoch geht Altmeister Volker Schlöndorff mit der Max-Frisch-Hommage „Return to Montauk“ ins Bären-Rennen. Vom deutschen Kino wird in Berlin noch die Rede sein.

Von RND/Stefan Stosch

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