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Hut, Pfeife, freier Geist - Leipziger Künstler Harald Bauer ist mit 75 Jahren gestorben

Hut, Pfeife, freier Geist - Leipziger Künstler Harald Bauer ist mit 75 Jahren gestorben

Einmal in der Woche ein Treffen mit Harald Bauer. Das Weltgeschehen wird dann bei zwei, drei Bieren "durchgenommen", und die Kultur in Leipzig mit ihren nie ausgehenden Themen natürlich auch.

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Der Leipziger Künstler Harald Bauer im Jahr 2010.

Quelle: Andreas Döring

Leipzig. Kanzlerin Angela Merkel hat bei Harald, dem bekennenden Linken, einen schweren Stand. Aber die Seinen bereiten ihm mittlerweile auch Bauchweh, ja, wenn doch alle so wie der Gysi wären.

Den Künstler freut es sehr, dass die Fußball-Bullen aufgestiegen sind. Das neue Wagner-Denkmal ist für ihn absoluter Schwachsinn, und die unendliche Debatte über das Leipziger Einheitsdenkmal hält er für Satire pur.

Letzten Montag ist auf einmal alles anders. Harald kommt nicht wie vereinbart zum Termin, antwortet auch nicht auf zig Handy-Anrufe. Am Abend dann die schmerzliche Mitteilung seines langjährigen Künstler-Freundes Günther Huniat: "Harald ist am späten Sonntagabend gestorben, zu Hause, im Sessel sitzend beim Fernsehen, wohl an Herzversagen."

Harald Bauer, im März 75 geworden, war Individualist. Und so hat er sich auch aus dem Leben verabschiedet. Am Abend noch mit Freunden beisammen, wie zu hören auch den obligaten Absacker genommen, dann hoch gegangen aus dem Biergarten der Gosenschenke in seine Wohnung - und dort wenig später einfach gestorben. Bauer nahm sich diese Freiheit. Unabhängig zu sein, das war ja eh seine Maxime. 1938 in Königsberg geboren kam er in schwerer Nachkriegszeit mit seiner Mutter nach Leipzig.

Er beschäftigte sich schon in jungen Jahren autodidaktisch mit Malerei, Grafik und Plastik, wurde aber doch erst Schlosser und verdiente sein Geld sogar als Diplom-Ingenieur für Maschinenbau. Er sagte aber so einem geordneten Berufsleben adieu und wurde freischaffender Künstler. Der zuständige Verband nahm den Autodidakten in seine Reihen auf. Ab 1990 fühlte er sich dann völlig frei. Er ging von nun an als Künstler seinen Weg, malte abstrakt, arbeitete mit Stein und Metall. Bauer schuf keramische Plastiken. Aus Eisenbahnschwellen und verbeulten Fässern wurde Kunst. Mit meist zufällig gefundenen Objekten etwas zu machen, das inspirierte ihn ständig.

Auf die Frage, wann er arbeite, antwortete er: "Immer." An Ideen mangelte es ihm nie, und das auch noch mit 75. Da kam ihm mal die einstige Radsport-Legende Fausto Coppi in den Sinn, oder er ließ sich einfangen von Hale Bopp, dem Kometen, der gerade durchs Weltall geisterte und für Schlagzeilen sorgte. Derzeit ist so ein echter Bauer in der Schuh-Ausstellung im Grassi Museum zu sehen. Seine Hommage an den (Film)-Schuhverkäufer Al Bundy ist allein ein starker Auftritt.

Harald Bauer wird in der Kunst- und Kulturszene Leipzigs fehlen, er gehörte einfach dazu, auch wegen seiner Erscheinung - stets, ob nun im Sommer oder Winter, einen Hut auf dem Kopf, genüsslich an der scheinbar nie ausgehenden Pfeife ziehend und seinen Hund als unverzichtbaren Lebensfreund an der Leine führend. Nun ist Harald Bauer ohne Ankündigung gegangen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.07.2013

Thomas Mayer

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