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"Ich bin keine Rampensau": Rechtsmedizinerin Ulrike Böhm über das Hobby, Theater zu spielen

"Ich bin keine Rampensau": Rechtsmedizinerin Ulrike Böhm über das Hobby, Theater zu spielen

Im Alltag sind sie OP-Schwestern, Therapeuten, Lehramtsstudenten oder Journalisten. Auf Leipziger Theaterbühnen wie der der Eumeniden oder der Cammerspiele können Menschen für einen Moment die Rolle wechseln und sich Dinge trauen, vor denen sie im Alltag Scheu haben.

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Den Einstieg ins Theater fand Böhm durch das Spiel mit Puppen, hier beim Regiefestival 2010 mit dem Stück "Die Bakchen".

Quelle: Marco Erhardt

Leipzig. Ulrike Böhm ist seit vier Jahren Teil der Leipziger Laienschauspieler-Szene. Ihr Beruf als Rechtsmedizinerin lastet sie aus. Warum sie dennoch an diesem Hobby festhält, erzählt die 48-Jährige im Interview.

LVZ:

Zuletzt waren Sie im Sommertheater-Stück der Eumeniden "Der falsche Prinz" zu sehen und haben als Pferdehändlerin die Hose runter gelassen. Wo liegt ihre Grenze auf der Bühne?

Ulrike Böhm:

Also, vor drei Jahren hätte ich mich so eine Rolle wie diese nicht getraut. In der Szene hatte ich ja noch die Unterhose an. Komplett ausziehen würde ich mich nicht. Auch mit Farbe übergießen lassen oder so etwas wäre zu viel. Ich bin keine Rampensau.

Auch aus Angst vor Imageschaden?

Nein, das nicht. Ich halte meine Auftritte nicht geheim. Aber es wissen bisher nur wenige Leute, dass ich nebenbei spiele.

In wie vielen Stücken haben Sie mitgewirkt?

Ungefähr zehn, in jedem Sommertheater und in ein paar weiteren Aufführungen, alles bei den Eumeniden.

Gibt es dort ein festes Ensemble?

Nein, es gibt keine Dauerverpflichtung. Die Eumeniden arbeiten projektbezogen, mit Leuten aus der Laien-Szene oder es wird mit Aushängen an Schwarzen Brettern gesucht. Wenn sich mehrere Leute für eine Rolle interessieren, gibt es Castings.

Wie lange wird für ein Stück geprobt?

Für den "falschen Prinzen" war es ein Vierteljahr, einmal wöchentlich und ein großes Probewochenende. Es hätte allerdings noch mehr sein können.

Außerdem liegt noch die Verwaltung des Theaters in ihren Händen. Hat man als Rechtsmedizinerin so viel Zeit?

Ich bin ein Bürohengst (lacht). Die Abrechnung und Besorgungen erledige ich nebenbei. Ich habe eine eigene Praxis und bin ich vor allem als Gutachterin tätig unter anderem für häusliche Gewalt und Behandlungsfehler; Leichen sehe ich nicht. Der Beruf spannt mich sehr ein. Neulich habe ich von einem tollen Krimi-Projekt eines anderen Theaters gehört. Darauf hätte ich Lust gehabt, aber ich muss auch realistisch bleiben; zeitlich wäre das nicht zu schaffen.

Wie kamen Sie zum Laientheater?

Von alleine wäre ich nicht auf die Idee gekommen. Mein Interesse wurde durch die Liebe zu meinem Mann geweckt, der studierter Theaterwissenschaftler und Regisseur bei den Eumeniden ist.

Konnten Sie ihre berufliche Erfahrung schon mal in eine Rolle einbringen?

Nein, eine Ärztin oder so etwas kam bisher in keinem Stück vor.

Und umgekehrt: Hilft Ihnen das Spielen im Alltag?

Sehr sogar; ich lehre auch und muss Vorträge halten, dabei habe ich oft leise gesprochen und nach unten geschaut. Das hat sich gebessert. Das Feedback, das man vom Publikum erhält, macht einen sicherer. Ganz am Anfang haben wir mit großen Puppen gespielt. Das hat mir Sicherheit gegeben: Nicht ich, sondern die Puppe stand im Vordergrund.

 

Derzeit suchen die Eumeniden wieder Schauspieler für ein neues Stück. Gefragt sind Schüler ab 14 Jahren sowie junge Leute, die glaubwürdig einen Schüler verkörpern können. Erfahrungen im darstellenden Spiel braucht es nicht. "Voraussetzungen sind echtes Interesse, Zuverlässigkeit und (pünktliches) Erscheinen zu den Proben und Aufführungen."

Den Proben ist ein Workshop vorangestellt, in dem Grundlagen des Darstellenden Spiels vermittelt und die Rollen verteilt werden. Termin dafür ist der 31.8./1.9., Mühlstraße 14. Unverbindliche Anmeldung bis 4. August per Mail. Mit der späteren verbindlichen Anmeldung zahlt jeder Teilnehmer einmalig eine Gebühr von 20 Euro (inklusive Mittagessen).

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.07.2013

Interview: Katharina Schultz

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