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„Ich würde sagen, die Ausstellung ist eröffnet“ – LVZ-Kunstpreis für Jochen Plogsties

„Ich würde sagen, die Ausstellung ist eröffnet“ – LVZ-Kunstpreis für Jochen Plogsties

Leipzig. „Hallo ..., ich bin ein bisschen baff, ich bin ergriffen." Jochen Plogsties weiß gar nicht richtig was er sagen soll.

Gerade hat er am Freitagabend im Leipziger  Museum der bildenden Künste den Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung aus den Händen von Nobert Schmid, Geschäftsführer der Leipziger Verlags- und Druckereigesellschaft erhalten. „Eine großartige Wahl", freut sich Schmid mit dem Preisträger. Anschließend trägt Plogsties eine lang überlegte Liste mit Dankesgrüßen vor, bevor der Maler einfach meint: „Ich würde sagen, die Ausstellung ist eröffnet."

Zuvor hört der HGB-Absolvent im voll besetzten Foyer des Museums nur lobende Worte über sich selbst. „Das waren schöne Reden zu meinen Arbeiten", meint der 37-Jährige.

Dabei beginnt Laudator Veit Görner, Direktor der Kestnergesellschaft Hannover nicht mit einem Lob für den Künstler sondern für die Leipziger. „Ihr überrascht mich jedes Mal wieder", sagt er. Weitreichende Ereignisse würden am Abend in Kiew für Europa verkündet, trotzdem seien alle hier. Görner spielt damit auch die Gruppenauslosung für die Fußball-Europameisterschaft an. Die drei entscheidenden Worte: Niederlande, Portugal und Dänemark verkneift er sich und ist damit sofort bei Plogsties.

Görner blickt auf Plogsties Anfangsjahre zurück, als er in einem Ortsteil von Cochem umgeben von Wald aufwächst. „Es gelingt ihm trotzdem Kunst zu studieren, nichts was man an der Mosel eine Karriere nennt", sagt er launig. Über Mainz, wo die Lehrer versnobt, brusttrommelnd und egoistisch gewesen seien, über Berlin, sei Plogsties schließlich in Leipzig heimisch geworden. „Mit seinem Lehrer Arno Rink kann er über Malerei sprechen", so Görner. Dabei findet er seinen eigenen Stil. Plogsties selbst nennt seine Arbeitsweise „Rückübertragungen von Reproduktionen von Malereien."

Er malt Bilder nach Vorlagen. Das können Postkarten sein, Plakate, Abbildungen im Internet. Das Original von bedeutenden Malern wie Dürer, Cranach oder Vermeer hat Plogsties nie gesehen. Am Ende ist immer eine eigene Note zu erkennen, nach vielen, wie er sagt, „emotionalen Zuständen an den verschiedenen Arbeitstagen." „Damit ist er meilenweit von einer Kopie entfernt", meint deshalb auch Görner.

Der Direktor der Kestnergesellschaft ist begeistert vom Werk des Meisterschülers von Neo Rauch. Besonders hat es ihm Plogsties Version von Rembrandts „Polnischen Reiter" mit dem dicken dunkelblauen Rahmen angetan. „Er brauchte ein Bild, wozu Gerhard Richter ein Leben lang brauchte", glaubt Görner. Der Hannoveraner fügt hinzu: „Danke für diese Bilder Jochen, super."

 

Leipzigs Kulturbürgermeister Michael Faber erinnert sich in seinem Grußwort an den Katalog der Ausstellung „60-40-20" vor zwei Jahren im Bildermuseum über das Schaffen Leipziger Maler seit 1949. Damals ist Plogsties mit seinem Werk, Faber traut es sich fast nicht auszusprechen, „Arsch im Museum", auf einer Katalogseite mit Neo Rauch und Claudia Angelmaier abgebildet. Beide Künstler erhielten vor Plogsties den LVZ-Kunstpreis. „Wenn das kein Omen war", so der Bürgermeister.

Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt sieht den Preisträger im Dialog mit den alten Meistern. „Er zeigt überzeugend, was Malerei heute sein kann", sagt Schmidt.

Plogsties wirkt nach den Lobeshymnen fast etwas peinlich berührt. Er bittet lieber in die zweite Etage des Museums und zeigt sie, die 19 Bilder seiner Ausstellung. Besucher können die Werke von Sonnabend an bis zum 26. Februar 2012 sehen.

Matthias Roth

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