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"Ideeller Demonstrationszug" - Literarischer Herbst im Zeichen der Revolution

"Ideeller Demonstrationszug" - Literarischer Herbst im Zeichen der Revolution

Woran denken wir, wenn wir an den Herbst '89 denken? An Uhren, Schnecken, romantische Liebe? In den Geschichten der Leipziger Spoken-World-Poeten werden sie eine Rolle spielen, wenn erstmals die Lesebühne Schkeuditzer Kreuz und die Lesebühne West gemeinsam auftreten.

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Die Lesebühne Schkeuditzer Kreuz im Plan B.

Quelle: Eva Siegmund

Leipzig. Anlass der Vereinigung ist der 18. Leipziger Literarische Herbst, der unter dem Motto "West-östlicher Divan: 25 Jahre Friedliche Revolution" steht. Gestern haben die Veranstalter auf einer Pressekonferenz das Programm vorgestellt.

Diesmal sitzt die Leipziger Buchmesse mit am Tisch, weil sie erstmals mit im Boot ist. Deren Direktor, Oliver Zille, sagt, eigentlich müsste die Eröffnungsveranstaltung nicht "Buchmesse extra" heißen, sondern "Leipzig liest extra", da es "um ein literarisches Programm" geht. Auch künftig wolle die Messe jeweils einen Abend beitragen, diesmal der besonderen thematischen Herausforderung mit Blicken auf europäische Neuordnungen nach '89 gerecht werden. Am 2. Oktober diskutieren im Festsaal des Alten Rathauses die Schriftsteller Kateryna Mishchenko, Katja Petrowskaja und Ingo Schulze sowie der Historiker Karl Schlögel über "Leipzig 1989 - Kiew 2014 - Zwei europäische Revolutionen".

"Als wir das Programm geplant haben, war es noch eine Revolution", sagt Zille, "jetzt ist es keine Revolution mehr, sondern es ist schon Krieg". So beginnt der Literarische Herbst 25 Jahre nach einer friedlichen Revolution mit Gesprächen über Gewalt und Fragen nach deren Ursprüngen. Für mögliche Antworten empfiehlt Zille das von Juri Andruchowytsch herausgegebene Buch "Euromaidan - Was in der Ukraine auf dem Spiel steht" (Suhrkamp Verlag).

Natürlich blicken die Veranstalter auch auf Leipzig, lassen Autoren und Bürgerrechtler in moderierten Lesungen und Gesprächen zu Wort kommen. Am 3. Oktober führt "Die Freiheit wagen" an historische Schauplätze rund um den Ring. Den Anfang machen um 11 Uhr Sylvia Kabus und Joachim Walther in der "Runden Ecke" am Dittrichring, 13 Uhr lesen in der Nikolaikirche Andreas Reimann und Christoph Kuhn, 16 Uhr sprechen in der Reformierten Kirche am Tröndlinring Christoph Wonneberger und Thomas Mayer, und zum Abschluss sind ab 18 Uhr im Neuen Rathaus Werner Heiduczek und Jens Wonneberger zu Gast. Projektleiterin Regine Möbius nennt es einen "ideellen Demonstrationszug". Heiduczek, sagt sie, war schon '89 "unverzichtbarer Diskutant" mit seiner "sehr differenzierten, ausgewogenen, reflektierten Sicht auf die Geschehnisse"

Möbius will auch "Negativnachrichten nicht verschweigen": Das Fest der Verlage "Gut zum Druck" wird es in diesem Jahr nicht geben. "Wir haben 20 Verlage angefragt und 13 Absagen bekommen", sagt sie. Das liege an den Erfahrungen der vergangenen Jahre, mit Ständen und Lesungen zwar Neugierige ins Haus des Buches oder zuletzt in die Moritzbastei locken zu können, allerdings kaum Bücher zu verkaufen.

Auch sei das Publikum "eher zögerlich", wenn es um von kulturpolitischen Diskussionen geprägte Veranstaltungen geht, meint Steffen Birnbaum, ebenfalls Projektleiter. Aber insgesamt hat sich das Festival inzwischen "wieder etabliert", kommen "stetig mehr Besucher" zu den Veranstaltungen, von denen es diesmal 30 gibt - an 23 Orten, mit 83 Beteiligten.

Bevor zum Abschluss am 8. Oktober Christoph Hein ins Haus des Buches kommt, sind Autoren wie Diana Feuerbach und Svetlana Lavochkina, Artur Becker und Adel Karasholi, David Wagner und Jochen Schmidt zu erleben, wird im Theaterhaus Schille Erich Loests Revolutionsstück "Ratzel speist im Falco" gezeigt, hat in den Passage Kinos ein Film über das Doppelleben des Schriftstellers und Stasizuträgers Sascha Anderson Premiere. Autoren der Schreibwerkstatt am Literaturhaus stellen ihre Erinnerungen vor - und die Lesebühnen "die ganze Welt zur Disposition". Die Blicke gehen zurück wie voraus. Vielleicht hilft das eine, mit dem anderen umzugehen.

18. Leipziger Literarischer Herbst: 2. bis 8. Oktober. Feierliche Eröffnung am 2. Oktober, 19 Uhr, mit "Buchmesse extra" im Festsaal des Alten Rathauses: Diskussion mit Kateryna Mishchenko, Katja Petrowskaja, Karl Schlögel und Ingo Schulze; Eintritt frei; Programm: leipziger-literarischer-herbst.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.09.2014

Janina Fleischer

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