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Im Prinzip ja: Theater-Performance über Radio Eriwan im Lofft

Im Prinzip ja: Theater-Performance über Radio Eriwan im Lofft

Gegrillte Hähnchenschenkel, gegrilltes Gemüse, rote Bete, Obst, Kartoffelsalat und reichlich Bier und Wodka auf dem Tisch, so präsentiert sich die neue Produktion des Intermedia Orkestra, deren Leipzig-Premiere am Donnerstagabend im Lofft war.

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Steckt die Wahrheit in einem armenischen Festgelage mit viel Wodka? Szene aus der Performance "Broadcasting Eriwan".

Quelle: Wolfgang Zeyen

Ein ovaler Tisch in der Mitte des Saals, an dem fast alle Zuschauer Platz finden. In der Mitte, mit Gaze-Vorhängen abgetrennt: eine Art Radiostudio, in dem Lukas Bugiel, Alexandra Hennig und Mareike Theile die Vorführung steuern.

Die vier haben sich für "Broadcasting Eriwan" auf die Suche gemacht nach dem legendären Radio Eriwan, jenem vorgeblichen Radiosender, der Hörer­anfragen grundsätzlich einleite mit "Im Prinzip ja, aber ...", um dann das Wesen der Frage in der Antwort komplett ironisch zu verkehren. Die Recherche­ergebnisse aus den USA, Bremen und natürlich dem armenischen Eriwan werden an die Vorhänge projiziert, während gleichzeitig ganz im Sinne der vielbeschworenen armenischen Gastfreundschaft geschmaust werden darf - auch das offenbar eine eindrucksvolle Erfahrung, welche die Theatermacher mit ihrem Publikum teilen wollen, auch wenn sie selbst hinter den weißen Wänden fast vollständig verschwinden.

Dahinter veranstalten sie eine Show, die über auf dem Tisch platzierte alte Dampfradios übertragen wird. Kommentar- und Berichtsebenen überlagern sich dabei permanent, und immer wieder rauscht und fiept es in den Empfangsgeräten, wenn nicht gerade Blasmusik im Balkan-Stil oder jazzige Pausenklänge aus ihnen quillen. So beginnt die Vorstellung etwa mit einer Diapräsentation aus Glendale, Kalifornien, ohne dass schon jetzt jene Bilder aus der dortigen armenischen Gemeinde gezeigt werden, die den Abend beenden sollen. Dafür lebt die Gastgeberstimmung in Form von Erlebnisberichten auf: "Alle zehn Minuten gibt es einen Trinkspruch." Darauf einen Wodka mit dem Nachbarn.

Der Abend rollt ab als Dokumentartheater, das sich ja gerade wieder äußerster Beliebtheit erfreut. Bremer Proteste gegen Fahrpreiserhöhungen 1968 werden mit ähnlichen Protesten in Eriwan 2013 zusammengebracht. Freie Radios im Westdeutschland der 1970er kreuzen sich mit unabhängigen Internet-Medienaktivisten in einem autokratisch wirkenden Armenien heute. Ist Radio Eriwan eine Erfindung der westdeutschen Studentenbewegung? Und wo ist der Wodka?

Während außen Bilder und Texte projiziert werden, moderieren und kommentieren im Inneren des Studios tapfer die vier Recken, wie in einem Newsroom. Zu Gil Scott-Herons "The Revolution Will Not Be Televised" flackern Schlagworte in Impressionen von Protesten in Eriwan im März 2008 über die Leinwände: "[BlaBlaBla]." Dazu Kommentarspuren einer Aktivistin auf Englisch. Alles überlagert sich strukturell, wird leicht kakophonisch. Wodka!

Dann gibt es Torte, der Abend taumelt seinem Ende entgegen. Beantwortet er innerhalb der guten 90 Minuten, die er dauert, was das Radio Eriwan ist oder war und ob es diesen Sender je gegeben hat? Die Antwort ist einfach: im Prinzip ja.

"Broadcasting Eriwan", weitere Vorstellungen Freitag und Samstag, je 20 Uhr, Lofft (Lindenauer Markt 21), Eintritt 12/8 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.05.2014

Torben Ibs

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