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Immer der goldenen Nase nach in Halle 14 - erste große Show auf Spinnereigelände

Immer der goldenen Nase nach in Halle 14 - erste große Show auf Spinnereigelände

Da der fußballfeldgroße Saal nicht beheizbar ist, beschränkte sich die Ausstellungstätigkeit der Halle 14 im Spinnereigelände in den vergangenen Monaten auf kleinere Projekte.

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Thomas Rentmeisters "Ohne Titel"

Quelle: André Kempner

Leipzig. Mit "To Have and Have Not" gibt es nun die erste große Schau des Jahres. Und wieder werden Themen von gesellschaftlicher Brisanz aufgegriffen: Mickey Mouse und Pink Panther rennen um die Wette, Fred Feuerstein, Popeye und andere Helden amerikanischer Trickfilme sind beim großen Rennen ebenso dabei.

Doch trotz aller Hektik kommen sie nicht von der Stelle. In seinem Video-Loop karikiert der niederländische Künstler Han Hoogerbrugge die zeitgenössische Ideologie des "immer mehr". Doch die Jagd nach Dingen, die man nicht dringend braucht, betrifft auch die Kunst selbst. Kurator Frank Motz berichtet von einer VIP-Preview beim Ableger der Art Basel in Miami. "Da rannten tatsächlich mit Goldschmuck behängte Damen und bekannte Hollywood-Schauspieler um die Wette, um sich Arbeiten ihrer favorisierten Künstler zu sichern. Ein peinlicher Anblick."

Gehört die Gier zum Menschsein?

In der von Motz organisierten Schau geht es um Gier nach Besitz und die Frage, ob dies ein Grundzug des Menschen ist. Aber auch für solch eine Ausstellung ist Geld unvermeidlich. Da die Fördermittel nicht in dem Umfang flossen wie geplant, sind nur zwölf von den mehr als doppelt so vielen ursprünglich ausgewählten Künstlern dabei - mancher auch nur, weil er im Gegensatz zum Motto auf ein angemessenes Honorar verzichtete.

Eine der "preiswerten" Arbeiten ist die des Iren Nevan Lahart. Mit Filzstift hat er auf Folie eine großformatige Zeichnung angefertigt, auf der man "Deutsche West Bank" lesen kann. Mit viel Ironie verknüpft er Kunst, Ökonomie und Politik. Wie an einem Naturlehrpfad steht ein Pult mit Erläuterungen, die bei der Entdeckung der vielen Anspielungen in der imaginären Landschaft helfen. Und über allem schwebt ein Schriftband "Anselm Kiefer flies Emirates".

Die Kehrseite des Überflusses visualisiert der Belgier Sven't Jolle, indem er Abfall in Plastiktüten um Bäume gruppiert, die aus Schrott zusammengeschweißt wurden. Inmitten des Mülls findet man ebenfalls entsorgte Schriften von Marx zur Werttheorie, konfrontiert mit den Angaben zum Privatvermögen der Aldi-Gründer und anderer Superreicher.

Von Marmeladengläsern und Straßenkötern

Immer wieder geht es in der Ausstellung um Verteilung und Umverteilung. So rät der Brite zur brachialen Methode "Mein Vater sagt, dass die Dialektik der Revolution darin liegt, dass die Waschmaschine jetzt uns gehört und du mein Schwein bist." Zu solchen nicht stringent verständlichen Sprüchen inszeniert er in leeren Marmeladengläsern miniaturisierte Riots. Und die Schwedin Lisa Strömbeck, die bevorzugt mit Tieren arbeitet, stellt in einem Video dar, dass es auch schon unter Straßenkötern Verteilungskämpfe gibt. Am radikalsten gibt sich Pablo Helguera aus Mexiko. Die vier sauber gerahmt an der Wand seiner Free Art Gallery hängenden Collagen verschenkt er an die Interessenten, die auf bereitliegenden Formularen die originellste Begründung für ihr Begehren abliefern.

Manche der Werke heben das Thema Habgier auf die Ebene der Weltpolitik und entfernen sich damit von psychologischen Deutungsmustern. Das trifft auf das Video des österreichisch-australischen Duos Oliver Ressler & Zanny Begg zu, für das man etwas Ausdauer benötigt. Kommen gute Englischkenntnisse hinzu, gewinnt man Einsichten in die Absurdität der Bankenrettungen. In der Verbindung von Film, Installation und Neuer Musik ist die Arbeit des italienischen Komponisten Fabio Cifariello Ciardi eine der anspruchsvollsten. Er hat die Reden von Obama in Kairo und Bush vor Beginn des Irakkrieges übereinandergelegt, die sich eigentlich deutlich unterscheidenden Aussagen zusätzlich noch durch eine musikalische Überspielung vereinheitlicht. Interessante Kunst politischer Ausrichtung - aber mit der Überschrift der Ausstellung hat sie nur noch im weitesten Sinne zu tun. Wie auch einige andere Exponate, so etwa die leuchtenden Globen zu Aspekten der Globalisierung von Ingo Günther.

In der Spinnerei hasten keine Wohlhabenden mit Einkaufswagen übers Pflaster, um den neuesten Rauch oder Weischer zu ergattern. Doch eine Ware, die nicht zu den täglich benötigten Lebensgrundlagen gehört, ist das Angebot der meisten Einrichtungen im Areal dennoch. So bringt möglicherweise nicht jeder Galerist der Nachbarschaft dieser Ausstellung uneingeschränkte Sympathie entgegen. Was wären sie denn ohne das Erwerbsstreben der Kunstsammler? Jens Kassner

To Have and Have Not; Halle 14, Spinnereistr. 7, bis 7. Juli, Di-So 11-18 Uhr

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.05.2013

Jens Kassner

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