Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
In seinem Sinne Zukunft gestalten

Internationales Kurt Masur Institut Leipzig stellt seine Pläne vor In seinem Sinne Zukunft gestalten

Der „Bewahrung und Pflege des künstlerischen und zeitgeschichtlichen Erbes von Kurt Masur“ will sich das Internationale Kurt Masur Institut widmen, das im November unter dem Dach des Mendelssohn-Hauses seine Arbeit aufnimmt.

Kurt Masurs Witwe Tomoko Masur erläutert ihre Pläne.
 

Quelle: Andre Kempner

Leipzig.  „Das war so nicht geplant“, sagt Tomoko Masur, die Witwe des Ende 2015 gestorbenen Ex-Gewandhauskapellmeisters Kurt Masur, „aber es ist ein schöner Zufall, dass nun, wenn die Arbeit des Internationalen Kurt Masur Instituts in Leipzig langsam Fahrt aufnimmt, im Mendelssohn Haus Räume für uns zur Verfügung stehen.“

Im zweiten Stock des Hauses in der Goldschmidtstraße 20, in dem 1847 Felix Mendelssohn-Bartholdy starb, der wohl größte unter den Gewandhaus-Kapellmeistern vor Masur, steht seit dem Auszug des Musikwissenschaftlichen Instituts der Universität Leipzig die zweite Etage frei, und dort hat Hausherr Jürgen Ernst Großes vor: „Dort werden wir uns als Mendelssohn-Haus um Fanny Mendelssohn kümmern, die Schwester des großen Felix, und daneben kommt das IKMI unter, das Internationale Kurt Masur Institut.“

Wenn alles gut geht, schon im November dieses Jahres. Für den Ausbau des Fanny-Museums liegt bereits ein Fördermittelbescheid des Bundes vor. Nun müsse die Stadt in ihrem Haushalt noch nach ihrem Anteil suchen. „Aber ich bin sehr zuversichtlich“, sagt Ernst, „dass sie ihn auch finden wird.“ Schließlich habe es noch nie ein „Kultur-Start-Up“ in Leipzig gegeben, „das aus dem Rathaus so liebevolle Unterstützung und Förderung erfuhr wie das Masur-Institut.“ Und wenn man bedenkt, welche Rolle Kurt Masur für die Erhaltung des Mendelssohn-Hauses spielte, für die Einrichtung des mittlerweile großartigen Museums und die Entschuldung der Immobilie, dann schwebt statt des „schönen Zufalls, den die Dirigenten-Witwe beschwört, eher das Wort „Vorsehung“ im Raum.

Im Herbst also soll es richtig losgehen. Doch bereits am Mittwochabend stellten Tomoko Masur als Präsidentin der Masur-Stiftung und Geschäftsführerin Anna-Barbara Schmidt im Garten-Saal des Mendelssohn-Hauses und im kleinen Kreis die Pläne des IKMI vor. Auf fünf Säulen will Schmidt ihr Wirken im Dienste „der Bewahrung und Pflege des künstlerischen und zeitgeschichtlichen Erbes von Kurt Masur als Dirigent, Gewandhauskapellmeister und Gründungsstifter der Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung“ stellen.

Am IKMI soll demnach, erstens, in enger Zusammenarbeit mit dem Gewandhaus und den New Yorker Philharmonikern, deren Chef Masur ja auch war, sein Nachlass in einem Kurt-Masur-Archiv erschlossen und für die Öffentlichkeit aufbereitet werden.

Zweitens soll die Kurt-Masur-Akademie sich beispielsweise mit Meisterkursen, für die bereits ehemalige Meisterschüler Masurs als Lehrende gewonnen werden konnten, um die Weiterbildung von jungen Musikern und Dirigenten kümmern – ein Aspekt, der für Masurs eigenes Wirken zum Ende hin immer wichtiger wurde.

Auf eher wissenschaftlicher Ebene in Musik hineinleuchten will das IKMI, drittens, mit Kurt-Masur-Symposien. Ein erstes soll sich – läuft alles nach Plan, bereits im November – in den beiden neu bezogenen Räumen an der Goldschmidtstraße, mit Zeit- und Tempofragen bei Beethoven im Allgemeinen und seinen Metronomzahlen im Speziellen auseinandersetzen. Dazu werden neben der Geigerin Anne-Sophie Mutter und Masurs Sohn, dem Dirigenten Ken-David Masur, auch der Musikwissenschaftler Peter Gülke sowie Michael Ladenburger, der Chef des Beethoven-Hauses in Bonn, erwartet.

In eine ähnliche Richtung zielen, viertens, die Kurt-Masur-Lectures, Vorlesungen und öffentliche Gespräche „in denen gesellschaftsrelevante Themen von internationalen Persönlichkeiten mit großer Inspirationskraft vorgetreten werden“.

Und zuguterletzt vergibt das Internationale Kurt Masur Institut voraussichtlich alle zwei Jahre den mit 1000 Euro dotierten Kurt-Masur-Preis, der sich an andere Wettbewerbe hängt. So wurde der erste Kurt-Masur-Preis im März im Rahmen des Deutschen Musikwettbewerbs in Leipzig an den Komponisten Sebastian Pilgrim verliehen, dessen ausgezeichnetes Werk im Rahmen des Masur-Wochenendes im November noch einmal zu hören sein wird. Der zweite Kurt-Masur-Preis soll 2019 in New York im Rahmen von Young Concert Artists vergeben werden.

Das Masur-Institut soll, so Schmidt, „kein Masur- Schrein werden, kein Tempel und auch kein Museum, sondern ein Informations- und Begegnungszentrum, das in der Welt etwas bewegen soll in seinem Sinne“. Dazu werden vor allem die bildungspolitischen Aktivitäten des Instituts gewiss einen entscheidenden Beitrag leisten.

Für die öffentliche Nutzung des Kurt-Masur-Archivs wurde auch bereits der Grundstein gelegt: Bereits am Dienstagabend überreichte der Leipziger Lions Club Saxonia einen Scheck über 2000 Euro, die bei der Erstellung eines Nachdrucks der Partitur helfen sollen, aus der Kurt Masur Benjamin Brittens War Requiem dirigierte. Und da drängen sich dann doch Fragen auf: So bewegend Masur dieses Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts dirigierte – höhere Verdienste erwarb er sich gewiss um die Werke anderer Komponisten. Mendelssohn, Brahms, Bruckner, Tschaikowski, selbst Beethoven – aus Masurs handschriftlichen Partituren dieser Meister könnten folgende Dirigenten-Generationen mehr Wesentliches lernen. Und überdies müssten bei Nachdrucken solcher Handexemplare (täten es nicht auch Digitalisierungen?) nicht noch horrende Urheberrechte abgegolten werden.

Aber vielleicht wollte man auf Seiten des IKMI, das in Form einer rechtlich unselbstständigen Stiftung an der selbstständigen Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung andockt, für den Start auch den Blick bewusst in die jüngere Vergangenheit lenken, um dem wohl wichtigsten Satz gerecht zu werden, den Kurt Masur seien Meisterschülern immer wieder ins Stammbuch schrieb: „Ihr müsst so viel wie möglich über die Vergangenheit lernen, wenn ihr die Zukunft gestalten wollt.“

Termine und Infos: www.masur-institut.de

 

Von Peter Korfmacher

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Hier finden Sie Infos und Fotos vom Leipziger Opernball 2017 unter dem Motto „Moskauer Nächte“ mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Eine neue Ausstellung in der Galerie des Neuen Augusteums widmet sich der Geschichte der Universitätskirche sowie der Entstehung des Neubaus. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr