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In seinem neuen Roman „Der Koch“ kombiniert Martin Suter Küche, Krieg und Koitus

In seinem neuen Roman „Der Koch“ kombiniert Martin Suter Küche, Krieg und Koitus

Um die Liebe macht Martin Suter nie einen Bogen. Auch die Varianten des Fremdseins in der Welt gehören zu seinen Romanen – zu „Small World“, „Ein perfekter Freund“ oder zu „Lila, Lila“, dessen Verfilmung mit Daniel Brühl und Henry Hübchen in den Hauptrollen gerade in den Kinos läuft.

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Der Schriftsteller Martin Suter lebt hauptsächlich auf Ibiza und in Guatemala.

Quelle: dpa

Leipzig. Neben Suters Beziehungskrimis stehen die gesellschaftssatirischen „Geschichten aus der Business Class“. In seinem neuen Roman serviert der Schweizer nun Liebe, Politik und Wirtschaftskrise, im Zentrum steht: „Der Koch“.

Der Koch ist ein tamilischer Asylant. Maravan, 33, ein Einzelgänger, in Sri Lanka aufgewachsen zwischen Pfannen und Töpfen, Gewürzen und Kräutern. Damals lernte er, dass „Kochen nichts anderes ist als Verwandeln. Kaltes in Warmes, Hartes in Weiches, Saures in Süßes. Deswegen bin ich Koch geworden. Weil mich das Verwandeln fasziniert.“ Weit unter seinem Niveau verdient er nun sein Geld als Hilfskoch in einem Zürcher Spitzenrestaurant der Nouvelle Cuisine, dem Chez Huwyler, wo er Karotten in Juliennes verwandelt und schmutziges Geschirr in sauberes.

Seine Kindheit aber, die duftet nach Kokosöl, Curryblättchen und Zimt. Und weil Kochen für Maravan Chemie und Physik ist, versucht er dieses Aroma zu destillieren. Die Zukunft ist für ihn kurkumagelb, so wie ein Lieferwagen mit der Aufschrift „Maravans Catering“, von dem er träumt, mit dem er Leidenschaft und Freiheit verbinden.

Dies ist die sinnliche Seite des Romans, für die Suter sich beraten ließ von Heiko Antoniewicz, einem Experten der Molekularküche. Der Unterschied zwischen Johannisbrotkernmehl und Guarkernmehl kann entscheidend sein für ein Soufflé. Auch wenn Simpelgaumen wie Stammgast Eric Dalmann dies gar nicht bemerken.

Dalmann bestellt zum Aperitif einen 2005er Chardonnay à 120 Franken anstatt, wie sonst, eine Flasche Krug Grande Cuvée brut für 420. „Das war aber auch sein einziges Zugeständnis an die Wirtschaftskrise.“ Zum Essen hat er wie immer das große Surprise. Er ist Networker, sitzt in Verwaltungsräten, stellt als Berater und Vermittler Geschäftskontakte her, er zieht jene Fäden, die sich anderen dann als Schlinge um den Hals legen.

Suter garniert Fiktion mit Fakten. Die Handlung setzt ein im März 2008 und endet im April 2009. Banken gehen krachen, Obama spricht in Berlin, in Winnenden läuft ein Schüler Amok. Im Schulterschluss mit der Realität liegen Reiz und zugleich Schwäche des Romans. Reizvoll ist es, in diesem Spiegel der Gesellschaft Vertrautes zu entdecken, sich ins Verhältnis zu setzten, Suters Blick auf die Schattenseiten der Welt zu folgen. Bedauerlich ist, dass die Aufklärung über Waffengeschäfte und Krieg das Literarische verdrängt. „Man schreibt nichts über diesen Krieg, man bringt nichts im Fernsehen über diesen Krieg, die Politiker reden nicht über diesen Krieg, und als Tischgespräch ist er offenbar auch nicht geeignet, dieser Krieg.“

Den kompletten Artikel lesen Sie in der gedruckten Ausgabe der Leipziger Volkszeitung am 22. Januar oder im E-Paper bei LVZ-Online.

Im Rahmen der Leipziger Buchmesse ist Martin Suter am 21. März, 13 Uhr, in der LVZ-Autoren-Arena zu erleben.

Janina Fleischer

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