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Insider von Außen: Internationale Leipziger betreiben das Blog „The Leipzig Glocal“

Internet-Kultur Insider von Außen: Internationale Leipziger betreiben das Blog „The Leipzig Glocal“

Das Weblog „The Leipzig Glocal“ bietet einen etwas anderen Blick auf die Stadt: In englischer Sprache schreiben hier Leipziger, die aus anderen Ländern hergezogen sind – etwa die US-Amerikanerin Maeshelle West-Davies, die über die Kulturszene berichtet.

Bei „Leipzig Glocal“ für Kultur zuständig: Maeshelle West-Davies.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Eine Frau sitzt in der ersten Reihe einer internationalen Tanzaufführung im Lofft. Sie beobachtet alles genau, während die Tänzer über die Bühne wirbeln und sich an Seilen hochziehen. Nach der Vorstellung folgt sie der Truppe in ein Restaurant, um ihnen ein paar Fragen zu stellen. Maeshelle West-Davies ist Künstlerin und schreibt für das Leipziger Blog „Leipglo“, kurz für „The Leipzig Glocal“. Der Name an sich erklärt schon das Prinzip: Ein internationales Blog in englischer Sprache, das sich lokal auf Leipzig bezieht.

Entsprechend bietet Tanz sich an, denn er spricht eine universelle Sprache. Maeshelle West-Davies ist gebürtige Amerikanerin, hat in England gelebt und ist nun schon seit vielen Jahren in Deutschland. Sie wohnt seit 2004 in Leipzig und stieg bereits kurz nach der Gründung beim Insider-Blog und Webzine The Leipzig Glocal ein. Chefredakteurin Ana Beatriz Ribeiro rief LeipGlo im Frühjahr 2015 ins Leben. Gedacht war es als ein Ansatz, sich hier zurechtzufinden und zu informieren, wenn man noch nicht gut Deutsch spricht. West-Davies ist Redakteurin für den Kunst- und Kulturbereich und bringt ihren Erfahrungsschatz als Performance- und Videokünstlerin mit.

Das Blog ist eine gute Anlaufstelle, um einen etwas anderen Blick auf die Leipziger Szene zu gewinnen. Zwar dreht sich nicht jeder Artikel um Leipzig, aber hier werden unter anderem Events mit internationalem Flair geteilt wie englischsprachige Comedy Nights, Fremdsprachenabende oder Tanzkurse sowie Veranstaltungen internationaler Künstler. Auch Ausstellungseröffnungen kündigen die Blogger an. Das Webzine stellt nicht nur Orte und Ereignisse vor, sondern rezensiert Veranstaltungen und gibt lokalen Bloggern und Akteuren die Gelegenheit, sich selbst zu präsentieren.

Veranstaltungskalender besonders beliebt

Dazu kommen unterschiedliche Informationen für Menschen, die sich hier ganz neu orientieren müssen: Welche Ärzte sprechen Englisch oder gar Arabisch? Wo gibt es Jobs für internationale Bewerber? In welchen Kinos laufen die Filme in Originalsprache mit Untertiteln? Maeshelle West-Davies wirft auch aktuelle Fragen sehr konkret auf: Was bedeutet der Brexit für die Leipziger Expats? Auch über Reisen, Musik, Essen und Politik kann man hier lesen, wobei The Leipzig Glocal wohlgemerkt keine politische Agenda verfolgt.

Der Veranstaltungskalender ist besonders beliebt und wird regelmäßig aktualisiert. Aber das Blog umreißt auch die Leipziger Szene generell, eben mit dem einen Blick, der gleichzeitig von außen und von innen ist. Maeshelle West-Davies bloggt, weil sie weiß, dass Kunst- und Kulturprojekte Presse brauchen, um weitermachen zu können. Dabei setzt sie weniger auf typische Kritiken, als dass sie mit den Künstlern redet, wenn sie an deren Projekt glaubt.

„Als Künstlerin habe ich einen eigenen Blickwinkel und schreibe eher als jemand, der einen ähnlichen Hintergrund teilt“, meint sie – wenngleich sie natürlich auch Kritikpunkte anbringt. „Ich denke, wenn ich den Prozess und die Gedanken hinter den Dingen herüberbringen kann, kann ich bei Menschen Interesse wecken, die ansonsten vielleicht nicht daran interessiert wären“, erklärt sie. Im Kern stehen immer die Möglichkeit zum Dialog und die Einsicht, dass alle einen unterschiedlichen Hintergrund haben und Dinge unterschiedlich sehen.

Ein frischer Blick auf die Leipziger Kultur

Zusätzlich zum Schreiben posten die Blogger in den Facebook-Gruppen „LeipGlo Event Feed“ und „LeipGlo Jobs Feed“ jeweils die verschiedenen Kulturveranstaltungen und Stellenangebote für ihr internationales Publikum. Außerdem ist Maeshelle in der Expat-Szene aktiv. Ein Expat, oder Expatriate, ist in der strengen Definition eine Fachkraft, die für ein bis drei Jahre von ihrer international agierenden Firma in eine Zweigstelle eines anderen Landes entsandt wird. Im Alltagsgebrauch wird die Definition jedoch meist ausgeweitet auf Menschen, die wegen ihrer Arbeit oder einfach aus Entdeckergeist beziehungsweise dem Wunsch nach einem Neustart in ein anderes Land gezogen sind. Auf diesem Wege kommen auch einige in die internationale Szene Leipzigs. Das Wort Expat kannte Maeshelle West-Davies die längste Zeit nicht. Sie hat den Eindruck, dass es zwei unterschiedliche Begriffe gibt: Expats und Migranten. Die einen sind die „Guten“, die letzteren genießen nicht das selbe Ansehen. Aber in Maeshelles Umfeld in Leipzig gibt es diese Unterscheidung nicht.

Die multikulturellen Veranstaltungen und das Blog sind übrigens nicht nur unter Expats beliebt, sondern auch unter Deutschen, die ihre Sprachkenntnisse auffrischen wollen, unterschiedliche Menschen kennenlernen möchten oder die frisch zugezogen sind und Anschluss suchen. West-Davies’ Eindruck ist, dass es für Zugezogene in der internationalen Szene einfacher ist, Menschen kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Passend zu dieser Tendenz ist auch das Team des Leipzig Glocal ebenfalls gemischt aus internationalen und deutschen Schreibern.

Im Grunde spiegelt das Blog die eigene Grundidee recht konsequent wider: Es ist ein Austausch. Internationale Menschen kommen hierher, werden Teil der Gemeinschaft, lernen Lokales kennen und tragen das dann auch wieder hinaus in die Welt. So hat The Leipzig Glocal viele Funktionen: Erste Eindrücke für diejenigen, die frisch angekommen sind, Insider-Infos für diejenigen, die schon länger hier sind, und letztlich eine interessante Perspektive für die Alteingesessenen, die der englischen Sprache mächtig sind und einen frischen Blick auf die Kultur ihrer Stadt wagen.

leipglo.com

Von Miriam Heinbuch

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