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Jean-Baptiste: Wenn du tust, was du liebst, bist du stark

Jean-Baptiste: Wenn du tust, was du liebst, bist du stark

Lucien Jean-Baptiste, der 1964 auf Martinique geboren wurde und bald darauf mit Mutter und fünf Geschwistern nach Frankreich kam, träumte schon als Kind von der Schauspielerei.

Hamburg. Früh drehte er in Paris ein paar für Afrika bestimmte Werbespots - doch das triste Migrantenleben in der Vorstadt vereitelte seinen großen Plan. „Es gab damals keine schwarzen Akteure, die uns dazu hätten ermuntern können, unseren Weg zu gehen“, erinnert sich der 45-Jährige heute. So gründete er eine Werbefirma spezialisiert auf Künstler.

Jean-Baptiste hatte Erfolg, doch glücklich war er nicht: Mit immerhin schon 31 Jahren besuchte er noch die Schauspielschule. Jean- Baptiste wurde Synchronsprecher etwa für Will Smith sowie Darsteller. Der große Durchbruch auch als Autor und Regisseur kam 2009 mit „Triff die Elisabeths!“. „Das fühlt sich an wie eine Wiedergeburt im endlich wahren Leben“, sagte der temperamentvolle Künstler der dpa am Rande des Hamburger Filmfests. Dort hatte sein Werk den Publikumspreis gewonnen. Fast zwei Millionen Franzosen sahen bereits „Triff die Elisabeths!“, es gab mehrere Festival-Preise.

Ihre eigene Lebensgeschichte und dieser Erfolg ähneln der Botschaft des Films, dass man immer versuchen sollte, seine Träume zu verwirklichen.

Jean-Baptiste: Genau so ist es. Diesen Film mit fünf fast unbekannten schwarzen Darstellern zu machen, war ein ganz großes Abenteuer vergleichbar mit den armen Schwarzen, die in den Alpen Ski laufen wollen. Etwas Unerhörtes - das nun für die Zukunft viele Chancen bietet: Produzenten sind auf uns aufmerksam geworden, denn Publikumszahlen sind das stärkste Argument. Die ganze Erfahrung entspricht jedoch meiner Grundüberzeugung: Ich bin immer positiv, für mich ist es immer möglich, etwas zu erreichen. Man muss dafür aber hart arbeiten. Wenn du tust, was du liebst, bist du stark - so oder so ähnlich hat es mal ein alter Grieche ausgedrückt. Autor und Regisseur bin ich allerdings nur geworden, weil eine Produzentin es mir zugetraut hat. Ich selbst hatte durchaus Angst. So musste ich lernen, wie ein Kapitän an Bord das Kommando zu übernehmen und die Verantwortung zu tragen.

Das klingt ja nach Obamas Motto „Yes, we can“. Fühlen Sie da eine Seelenverwandtschaft?

Mit diesem Film habe ich großes Glück gehabt. Vier Jahre habe ich daran gearbeitet, in einer gesellschaftlichen Atmosphäre der Verunsicherung. Doch dann die Trendwende - exakt drei Monate nach Obamas Wahl ins Amt kam der Film heraus. Der erste farbige US-Präsident: Schwarze können es also wirklich schaffen.

Die Rolle, die Firmin Richard spielt, soll eine Hommage an Ihre eigene, sehr selbstbewusste Mutter sein, heißt es. Was hat es denn damit auf sich?

Meine Mutter - heute 80 und fit wie ein Turnschuh - ist eine unglaubliche Frau. Allein mit sechs Kindern kam sie 1967 nach Frankreich. Die Regierung hatte damals Menschen aus den ehemaligen Kolonien angeworben, weil Arbeitskräftemangel herrschte, was aber bald ins Gegenteil kippte und soziale Probleme brachte. Meine Mutter ist sehr stark, dabei sehr streng. Sie hat sich immer bemüht, uns die beste Erziehung zu geben. Sie hat die französische Gesellschaft genau beobachtet: Deshalb kam es auch zu diesem Skiurlaub, den wir uns überhaupt nur leisten konnten, weil wir uns alles zusammenpumpten genau, wie ich es im Film erzähle. Hinterher waren wir die Helden in unserer Trabantensiedlung. Frauen wie meine Mutter gibt es allerdings viele auf Martinique. Dort herrscht so eine Art Matriarchat.

Ulrikes Cordes, dpa

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