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Kultur Jugendorchester aus Übersee musiziert mit Leipziger Chören
Nachrichten Kultur Jugendorchester aus Übersee musiziert mit Leipziger Chören
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16:49 06.06.2018
Treffen der jungen Musiker aus Boston und Leipzig im Kupfersaal in Leipzig Foto: Andre Kempner Quelle: Kempner
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Leipzig

Gefüllt mit 60 Instrumentenkoffern, 60 jungen Sängern, 38 Kuchen und ein wenig zu vielen Kaffeekannen – Leipzigs Kupfersaal quillt über beim „Meet & Greet“ mit dem Boston Youth Symphony Orchestra (BYSO). Dann kommen sie, die 60 amerikanischen Jugendlichen, und Peter Wollny, Direktor des Bacharchivs, freut sich, dass sie den Weg über den großen Teich auf sich genommen haben. Mittags in Leipzig gelandet, bereits einen schweißtreibenden Stadtrundgang hinter sich – und dennoch vor Energie strotzend. So entfaltet sich schnell ein Getümmel aus erwartungsvollen Gesichtern und amerikanisch betontem „Heeey, how you doin’?“. Diese Energie der 13- bis 25-Jährigen wird am Wochenende während des Bachfestes gewiss zu spüren und nicht zu überhören sein.

Das Gemeinschaftsprojekt von BYSO, Jugendchor der Oper Leipzig und dem Gewandhaus-Jugendchor wurde vom Bacharchiv organisiert, um gemeinsam im Rahmen des Bach-Festivals zu musizieren. Schließlich sind die USA das diesjährige Partnerland, so dass sich ein musikalisch-internationaler Austausch anbietet und mithilfe des Goethe-Instituts, des Auswärtigen Amtes sowie des Generalkonsulats der USA in Leipzig auch realisiert werden kann.

Michael Maul, der Intendant des Bachfestes, freut sich schon aufs Ergebnis: „In der deutsch-amerikanischen Chor- und Orchesterakademie erarbeiteten die Jugendlichen Werke von den jeweiligen musikalischen Hausgöttern ihrer Heimat. Daher bin ich mir sicher, dass sich die Begeisterung der Musiker in den beiden Auftritten während des Bachfestes auf das Publikum übertragen wird“.

Während sich ums Kuchenbuffet herum alles zu einem großen Ganzen mengt, erinnert die fertig aufgebaute Probensituation im hinteren Teil des Saals an ein Stillleben. Die leeren Stühle und Pulte verströmen eine einladende Aura, und Chefdirigent Federico Cortese wird sich in den kommenden Tagen nicht lange bitten lassen, um seinem musikalischen Anspruch gerecht zu werden. Der Probenplan ist gestopft voll, seine Erwartungen an die Jugendlichen sind hoch. Catherine Weiskel, Executive Director des BYSO, möchte ihren Schützlingen dennoch auch Leipzig vor allem als musikalische Metropole nahebringen: „Unsere Schüler werden hier nicht nur intensiv üben, sondern sollen vor allem Leipzigs musikalische Geschichte wertschätzen lernen.“ Bestmögliche Qualität auf beiden Feldern sei das Ziel.

Hierzulande lebt das junge Symphonieorchester verteilt auf die Gastfamilien der jungen Chormitglieder. Elizabeth McCormack spielt Flöte und wohnt mit Fagottistin Emily Qiu in diesen Tagen bei den Eltern von Judith Herenz. Die drei Mädchen freuen sich auf die gemeinsame Woche: „Ich habe während unseres Aufenthalts in Boston schon bei Elizabeth gewohnt und hatte die beste Zeit. Ich hoffe, ihr jetzt eine ebensolche Gastfreundschaft bieten zu können“. Für Sophie Bauer, Leiterin des Kinder- und Jugendchores der Oper Leipzig, steht dagegen die kulturelle Begegnung im Vordergrund: „Wir erhoffen uns vor allem, dass die Jugendlichen auch über den Austausch hinaus in Kontakt bleiben.“ Das Musizieren auf höchstem Niveau sei hier ein Bonus, denn ihr Alter höre man den jungen Profis definitiv nicht an.

Das junge Orchester ist offizieller Partner des Boston Symphony Orchestra (BSO) und hat nur Schüler des „Top Levels“ mit nach Leipzig gebracht. Die Jugendlichen haben sich zu Beginn ihrer Ausbildung in Castings gegenüber 500 weiteren Anwärtern durchsetzen müssen. Bereits im April waren die deutschen Chöre zu Besuch in Boston, um das Orchester bei der Feier seines 60-jährigen Bestehens musikalisch zu unterstützen. Austausch: kulturell, musikalisch,und menschlich.

Auch wenn ähnliche Projekte schon früher zustande kamen, feiert die Zusammenarbeit der beiden Jugendchöre Premiere. Frank-Steffen Elster, Leiter des Gewandhaus-Jugendchores, freut sich auf die gemeinsame Arbeit: „Die musikalische Brücke zwischen den beiden Städten ist schließlich gegeben.“Als Gewandhauskapellmeister und Chefdirigent des BSO bildet Andris Nelsons jene Brücke. Die Möglichkeit einer Kooperation beider Weltklasse-Orchester ist eine Seltenheit, die nicht ungenutzt bleibt. Die erste Leipziger „Boston-Woche“ wird am 19. Juni mit einer Kammermusik der Boston Symphony Chambers Players und einem Kurzvortrag von Christoph Wolff, dem ehemaligen Leiter des Bacharchivs, eröffnet. Dazu lockt das Große Concert am 21. und 22. Juni mit amerikanisch geprägtem Kernrepertoire: Auf dem Programm stehen dann Elliott Carters Klarinettenkonzert – mit dem Gewandhauskomponisten Jörg Widmann als Solist, Strawinskys Psalmen-Sinfonie, Coplands Old American Songs“ und Bernsteins Sinfonische Tänze aus der „West Side Story“

Auf dem Marktplatz bieten die drei jungen Ensembles bereits am 8. Juni, ab 20 Uhr eine erste Kostprobe und wollen so ihr Publikum fürs Konzert am 10. Juni im Gewandhaus begeistern. Musikalisch wird ein weiter Bogen zwischen Leipzig und Boston gezogen: von Bachs „Dona nobis pacem“ aus der h-moll-Messe bis zum Bernsteins Chichester Psalms – passend zu seinem 100. Geburtstag. Dazu spielen die Bostoner im Großen Saal Mendelssohns Dritte und die Jugendchöre singen unter der kooperativer Leitung Frank-Steffen Elsters und Sophie Bauers a-capella die vier Motetten des Bostoner Komponisten Aaron Copland.

Die Jugendchöre des Gewandhauses und der Oper Leipzig in Kooperation mit dem Boston Youth Symphony Orchestra beim Bachfest: 8. Juni, 20 Uhr, Marktplatz (freier Eintritt), 10. Juni, 18 Uhr, Gewandhaus, Großer Saal, Karten (9/13) Euro. Informationen zur Leipziger Boston-Woche: www.gewandhausorchester.de; Karten und Infos u.a. bei der Ticketgalerie im LVZ Foyer, Peterssteinweg 19, im Barthels Hof, Hainstr. 1, oder über die gebührenfreie Ticket Hotline 0800 2181050 und unter www.ticketgalerie.de.

Von Lotta-Clara Löwener und Laurine Schubert

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