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Kultur Jugendsinfonieorchester aus Leipzig und Budapest im Gewandhaus
Nachrichten Kultur Jugendsinfonieorchester aus Leipzig und Budapest im Gewandhaus
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13:47 27.05.2018
Die Gäste: Gábor Horváth und sein Budapest Szent István Király Zeneiskola Orchestra im Gewandhaus. Quelle: Peter Korfmacher
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Leipzig

Gábor Horváth macht es seinen Schäfchen nicht leicht. Fürs Gastkonzert beim Jugendsinfonieorchester der Musikschule Leipzig hat er mit seinem Budapester St.-Stephan-Jugendorchester ziemlich sorglos aus allen Ecken und Enden der Sinfonik ein Häppchen-Programm zusammengekehrt, das die Vielseitigkeit seines Orchesters dokumentieren soll. Von Rossinis Semiramide-Ouvertüre spannt er den Bogen über das Finale von Debussys Petite Suite, den Tango Bolero Juán Llossas, einschlägige Ausschnitte aus Tschaikowskis Schwanensee und das Intermezzo aus Puccinis Einakter Suor Angelica bis zum Bacchanale aus Saint-Saëns’ Oper Samson et Dalilah. Und tatsächlich zeigt das mit 18 ersten Geigen und 18 Celli recht üppig bis schräg besetzte Orchester erhebliches Potenzial: Souveränes Blech und schöne Holzbläserfarben stehen da einem Streicher-Tutti gegenüber, das trotz seiner schieren Größe beinahe zu zurückhaltend klingt. Immer wieder lassen im Holz die Soli aufhorchen, das Solo-Cello singt zum Herzen, die Hörner sind eine sichere Bank.

Aber weil die Stücke meist schon wieder vorbei sind, bevor sie noch richtig angefangen haben, gelingt es den Nachwuchsmusikerinnen und Musikern aus Ungarn kaum je, größere Spannungsbögen zu entwickeln. Und Horváth, der sich auswendig aufs gediegene Kapellmeistern versteht, ist mehr mit der Verwaltung musikalischer Abläufe beschäftigt als mit der Gestaltung von Musik. Kurzum: Mit diesem Programm, das den Gästen im mau besuchten großen Saal des Gewandhauses die Sache erleichtern soll, lässt er viele musikalische Möglichkeiten ungenutzt. Was schade ist. Denn wenn er mal die Zügel ein wenig lockerer lässt, kommt sofort Leben in die Bude.

Gastgeber Ron-Dirk Entleutner geht nach der Pause mit seinem Leipziger Jugendsinfonieorchester den umgekehrten Weg. Er weiß, dass er und die Seinen in den Proben gut gearbeitet haben, und lässt nun im Konzert auch mal los. Dabei hat er sich mit Ottorino Respighis Pini di Roma ein sinfonisches Schwergewicht des 20. Jahrhunderts aufs Pult gelegt, bei dem es auch für manches Profi-Orchester zum Schwur kommt. Aber Entleutner geht auf volles Risiko – und lässt so kein Auge trocken im Saal.

Dabei ist durchaus immer mal wieder zu hören, dass die Machbarkeitsgrenze nicht weit entfernt verläuft. Manchmal wird sie auch überschritten wie bei den allzu stürmischen Horn-Signalen des brodelnden Beginns. Das macht aber nichts, weil es den musikalischen Fluss nicht behindert und nicht die Intensität dieses rückhaltlos auftrumpfenden Orchester-Spektakels. Entleutner baut es klug auf, schneidet in den Außensätzen Steigerung an Steigerung, behält aber bis zum Finale noch Reserven in der Hinterhand, um erst bei den Legionären, die im Schatten der Pinien der Via Appia neuen Eroberungen entgegenmarschieren, im vielfachen Forte, die dynamischen Möglichkeiten seines fabelhaften Klangkörpers ganz auszureizen. Immer noch mit gekonnt ausbalanciertem Klang

Doch das JSO kann auch anders: Die impressionistischen Reflexe, die zarte Naturlyrik der Pinien auf dem Gianicolo streicheln sanft die Seele. Großartig setzen hier Holzbläser und Klavier ihre solistischen Akzente, hauchzart und lebendig die Soloflöte, elegisch das Englischhorn, pastoral die Oboe. Und wenn die samtene Klarinette übergangslos aufgeht im Flirren der Vogelzwitscher-Maschine, hält man es kaum noch für möglich, dass da ein Jugendorchester sitzt.

Auch nicht beim vielfach bewährten Danzon aus der Feder des Arturo Marquez. Wunderbar sinnlich bis lasziv ausmusiziert und durchgehört. Und der Jubel im Saal fällt danach noch gewaltiger aus als zuvor schon der für die Gäste aus Ungarn.

Von Peter Korfmacher

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