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Kambodschaner in der DDR: Erinnerungen ans „Paradies“

Kambodschaner in der DDR: Erinnerungen ans „Paradies“

Kaoeun Kannika war 16 Jahre alt, als er 1985 erstmals seine Heimat Kambodscha verließ. Das Ziel: die DDR. Viel habe er nicht über Deutschland gewusst, sagt Kannika - außer, dass in dem Land gute Autos hergestellt würden.

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Kaoen Kannika spricht bei der Fotoausstellung im Kulturzentrum Meta House in Phnom Penh in Kambodscha, vor dem Bild, auf dem er beim Abflug aus Phnom Penh in die DDR zu sehen ist.

Quelle: dpa

Phnom Penh. „Mein Vater hatte einen Opel“, sagt er. „Und ich sagte mir: Wenn Deutsche solche Autos haben, dann will ich dahin.“

Er ahnte nicht, dass die Wagen von Opel jenseits der sozialistischen Mauerseite gebaut wurden. Trotzdem war Kannika nach der Landung des Flugzeugs in Ost-Berlin alles andere als enttäuscht. „Nach dem Regime von Pol Pot hatten wir nichts. Für mich war es das Paradies, es wirkte so reich“, erzählt der 45-Jährige, der heute als Deutschlehrer am Goethe-Institut in Phnom Penh arbeitet. Er habe sich geohrfeigt, um zu prüfen, ob er träumt.

Ende der 1970er Jahre waren in seiner Heimat Truppen aus Vietnam einmarschiert, um Kambodscha von der Herrschaft der Roten Khmer zu befreien. Unter den Steinzeitkommunisten waren Millionen an den Folgen von Folter, Zwangsarbeit und Hungersnöten gestorben. Auch Hinrichtungen gab es. Wer dies erlebt hatte, musste die DDR als Hort des Friedens und Wohlstands empfinden.

Kannika war einer von etwa 4000 Kambodschanern, die der Staat für eine Lehre oder ein Uni-Stipendium von den späten 1960er Jahren bis zum Mauerfall 1989 ins Land brachte. Eine Fotoausstellung in dem vom Goethe-Institut geförderten Kulturzentrum Meta House in Phnom Penh widmet sich dieser Zeit. Die Bilder stammen von zehn Rückkehrern. Die Gespräche mit diesen Kambodschanern sei für ihn „als Westdeutscher überraschend“ gewesen, sagt der Direktor des Kulturzentrums, Nico Mesterharm. „Sie mochten das Land, das haben sie immer gesagt.“ Er war mit einem anderen Bild der „Zone“ aufgewachsen. „Wir lachten über die DDR, aber für sie war es ein Paradies.“

Zwei Schwarz-Weiß-Fotos in der Ausstellung stammen von Kannika. Eines zeigt ihn beim Abflug aus Phnom Penh, mit schüchternem Lächeln, einem eleganten weißen Hut und zwei Koffern in den Händen. Das zweite Bild, ein paar Jahre später in Potsdam aufgenommen, bildet den Kontrast: Der junge Mann posiert mit Jeans und flottem 80er- Haarschnitt auf einem Motorrad. Ein kambodschanischer James Dean.

Nach ihrer Ankunft in Ost-Berlin erhielten die Gäste intensive Deutschkurse und wurden dann in verschiedene Bildungseinrichtungen im Land geschickt. Kannika machte eine dreijährige Mechaniker-Lehre. Er lebte von monatlich 300 Mark vom Staat und teilte sich eine Wohnung mit anderen kambodschanischen Studenten. Die Einheimischen seien sehr freundlich gewesen, sagt er. Man sei gern zusammen Bier trinken gegangen. Wie viel Doktrin stand auf dem Lernplan? „Wir mussten ein bisschen Marx und Lenin lesen, aber nicht zu viel“, sagt er.

Khin Sophanna kam 1984 an und studierte Marxismus. Nach den Kriegszerstörungen in Phnom Penh sei ihm die DDR als extrem entwickeltes Land vorgekommen. „Für uns war alles neu: das Essen, das Wetter, die Menschen. Wir hatten nicht den Vergleich zu westlichen Ländern, daher war das sehr aufregend.“ Er erinnert sich aber auch, dass sich Menschen für einfache Dinge wie Bananen anstellen mussten. Nach dem Mauerfall ging er nach München. „Es war eine große Überraschung, den Westen zu sehen“, erzählt er - denn der hätte ja laut der Propaganda im DDR-Fernsehen ein finsteres Loch sein müssen.

Heute arbeitet er für die Friedrich-Naumann-Stiftung in Phnom Penh. Einmal im Jahr reist er nach Deutschland zu seinem Sohn. Kambodschas diplomatische Verbindungen zur Bundesrepublik kamen 1969 nach der Anerkennung der DDR zum Erliegen. Später unterstützte die Bundesrepublik wie die Vereinten Nationen die Exilregierung der Roten Khmer nach ihrer Vertreibung - weil die neue Regierung in Kambodscha vom kommunistischen Feind Vietnam ins Amt gehoben worden war.

Kambodscha hielt sich daher für Hilfen oder Ausbildungsprogramme an seine Partnerstaaten im Sowjetblock. Bis zur deutschen Wiedervereinigung gab es in Phnom Penh nur die DDR-Botschaft. Eines der Bilder der Ausstellung zeigt sieben kambodschanische Freunde, die sich schmunzelnd in dicken Jacken im Tiefschnee stehend aneinanderdrücken - ein passendes Bild für eine Ausstellung mit dem Titel „Weit weg von Angkor“.

Kate Bartlett

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