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Kultur Kim Wilde setzt den Glanzpunkt bei der Kult-Nacht
Nachrichten Kultur Kim Wilde setzt den Glanzpunkt bei der Kult-Nacht
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10:49 09.10.2016
Die Stimmung kocht hoch: Kim Wilde am Freitag in der Arena. Quelle: Foto: Maike Beilschmidt
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Leipzig

Es gibt Momente in dieser „Kult Nacht“ vom Freitagabend, in denen man sich nicht entscheiden kann, ob es tragisch, komisch oder einfach schön ist, was sich auf der Bühne der Arena Leipzig abspielt: Repräsentanten der Popkultur aus den 70er und 80er Jahren bieten geschätzten 3000 Besuchern zwischen einigen leer gebliebenen Plätzen die Songs, für die sie bis heute geliebt werden. Es ist wohl der Gestus, der über Tragik oder Komik entscheidet. Bernie Paul beispielsweise driftet als vorletzter Act einer über vierstündigen Reise in die Vergangenheit unnötig ins Lächerliche ab. Nachdem er seine Hits „Oh No No“ und „Lucky“ kredenzt hat sowie das für Peter Kent geschriebene „It’s A Real Good Feeling“, zwingt er den Leuten „Weil i di mog“ auf und einen wilden Poppourri aus Songs, mit denen die Karriere des Bayern weder kompositorisch noch sängerisch etwas zu tun hat. La Bionda benutzt man eigentlich nur noch als satirischen Nachruf auf die 80er.

Das Spektakel beginnt erfrischend mit den Evergreens von Middle Of The Road um das einzig verbliebene Gründungsmitglied Ian C. McCredie. Ganz und gar zauberhaft ist der Besuch von Toni Willé samt Tochter und zweiter Backgroundsängerin, die nicht nur Pussycat „(Mississippi“) wiederbelebt, sondern das Publikum durch charmant-lockere Ansagen in Bestlaune bringt. Da macht es nicht viel, dass die Musik dazu von der Konserve kommt und hinter den Damen wuselig die Bühne für Alphaville vorbereitet wird.

Marian Gold, Stimme jener Band, die „Big in Japan“ sang, splittet die Emotionen: Im Prinzip schön, die alten Dinger vom Urheber zu hören. Tragisch, dass der 62-Jährige beinahe jeden richtigen Ton erfolgreich umgeht, ohne dabei je etwas von seiner zur Show getragenen Selbstgewissheit zu verlieren.

Verärgernd dilettantisch, wie der Moderator durch den Abend führt. Pussycat verabschiedet der MDR-Radiomann als Middle Of The Road, klopft hausbackene Sprüche und überlässt die Zuschauer dem Spannungsabfall zwischen den kurzen Umbaupausen, statt die gerade Aufgetretenen zu interviewen oder etwas zu deren Karriere zu erzählen.

Man könnte nun meinen, es sei ein trauriger Abend gewesen, zumal Terry Uttley (65) der einzige verbliebene Original-Smokie ist und mit seiner weißen Matte wie ein melancholischer alter Indianer aussieht, dem man seine Ruhe vor dem Wigwam gönnen möchte. Trotzdem: Smokie reißen mit Mike Craft (seit über 20 Jahren vokales Double Chris Normans) die Stimmung hoch – und Uttley hat sichtlich Spaß.

Letztlich ist die „Kult Nacht“ vor allem harmonisches Schwelgen in den Soundtracks zu Kindheit und Jugend, Nachspüren eines verblassten Lebensgefühls. Das blüht vor allem im Finale auf: Kim Wilde (56) singt strahlend und mit voller kristallener Stimme ihre fantastischen Hits. „Cambodia“, „Chequered Love“, „Kids in America“ und vieles mehr. Das beseelende Ende eines Abends, dessen Schönheit man mit nach Hause nimmt. Die gewisse Tragik, sie bleibt in der Halle.

Von Mark Daniel

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