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Kultur „Kinder sollen in meinen Filmen nie Angst haben“
Nachrichten Kultur „Kinder sollen in meinen Filmen nie Angst haben“
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12:33 21.02.2017
Im vierten Teil von Bibi & Tina bekommen es die zwei Protagonistinnen auch mit einem unangenehmen Zeitgenossen namens Dirk Trumpf zu tun. Quelle: Andreas Schlieter
Hannover

Als Detlev Buck den Charakter Dirk Trumpf erfand, hätte er sich niemals träumen lassen, dass Donald Trump – das reale Vorbild seiner Filmfigur – tatsächlich bei der Kinopremiere US-Präsident sein würde. Doch dann kam bekanntlich alles ganz anders als erwartet ...

Etwas schlanker, aber genauso fies wie das Original: Joachim Meyerhoff als Dirk Trumpf. Quelle: Andreas SchlieterAndreas Schlieter

Herr Buck, in „Bibi & Tina 4“ hat ein Bösewicht namens Dirk Trumpf eine wichtige Rolle. Die Anspielung auf US-Präsident Donald Trump ist unübersehbar. Warum taucht er bei Ihnen ausgerechnet in einem Kinderfilm auf?

Zunächst mal ist Dirk Trumpf ja nur ein Bauunternehmer. Es ist eine typische Konstruktion in vielen Kinderbüchern, dass ein Schloss verfällt. Das ist diesmal auf Schloss Falkenstein so. Erst dachte ich, die Geschichte geht so, dass Graf Falko von Falkenstein das baufällige Schloss sanieren lassen will. Irgendwann wächst ihm die ganze Renovierung über den Kopf. Aber dann gefiel mir die Idee, dass Dirk Trumpf den irrsinnigen Plan haben könnte, eine Mauer um das Schloss zu bauen.

Als Sie drehten, befand Donald Trump sich noch im Wahlkampf. Haben Sie damit gerechnet, dass er Präsident sein könnte, wenn Ihr Film in die Kinos kommt?

Nein, nie. Wir hatten anfangs eine Stelle im Film, in der Dirk Trumpf Geld an der Steuer vorbei ins eigene Portemonnaie befördert. Das spielte im US-Wahlkampf ja eine wichtige Rolle. Die Szene haben wir später rausgeschnitten, weil wir dachten, im Februar interessiert das keinen mehr. Jetzt ist sie wieder drin.

„Niemand baut Mauern so gut wie ich“, sagt Dirk Trumpf mit diabolischem Lächeln. Vor dem Hintergrund der Ereignisse in den USA bekommen solche Stellen eine geradezu unheimliche Kraft. Was macht das mit Ihrem kindlichen Publikum, dass plötzlich in Bibi & Tina ein Mann auftaucht, der in der Realität Menschen auf der ganzen Welt Angst macht?

Wie gesagt, ich hätte nie gedacht, dass der Film so eine Aktualität bekommt. Mir macht die Trumpmania auch keine Angst. Sie langweilt mich eher: diese Egomanie, mit der der Mann ständig um sich selbst kreist. Das ermüdet mich einfach. Immer ist er nur als Markenbotschafter des eigenen Egos unterwegs und schafft in der ganzen Welt eine irrsinnige Verunsicherung: mit Twitterbotschaften, die klingen, als hätte er sie sich morgens im Bad überlegt.

Aber noch mal zurück, Sie haben einmal gesagt: Wenn es eine Botschaft in Ihrem neuen Film gibt, dann ist es die, dass Kinder keine Angst vor künftigem globalen Chaos haben sollten. Jetzt taucht ein Bösewicht auf, der einem Mann ähnelt, der nach Ansicht vieler Erwachsener gerade globales Chaos stiftet. Macht das Kindern keine Angst?

Kinder sollen in meinen Filmen nie Angst haben. Das ist mir ganz wichtig. Deshalb behandelt mein Film die politischen Themen immer mit Witz, mit Leichtigkeit. Es kommen ja noch ganz andere Sachen vor. Flüchtlingsproblematik. Zwangsheirat. Aber die Kinder im Film haben nie Angst. Ihre Welt ist auch nie wirklich gefährdet. Im Notfall hext Bibi einfach. Jeder Harry-Potter-Film ist bedrohlicher.

Apropos Zwangsheirat: Der Geschichte von Adea, die aus ihrem Dorf in Albanien flieht, weil sie zwangsverheiratet werden soll, liegt angeblich eine reale Episode zugrunde ...

Ja, das war bei meinen Dreharbeiten zu ‚Knallhart’. Da spielte ein Mädchen in einer Schulklasse mit – und fehlte plötzlich beim Drehen. Es hieß dann, sie sei von der eigenen Familie bedroht worden und von einem Treffen mit einer Tante nie mehr zurückgekehrt.

Wissen Sie, was aus ihr geworden ist?

Nein, ich habe sogar beim Lehrer nachgefragt. Aber es hieß, das sei eine innere Angelegenheit der Familie, da mische man sich nicht ein.

Den Titel ‚Tohuwabohu total’ kann man auch auf die Masse der angesprochenen Politthemen beziehen. Flüchtlingskrise, Zwangsheirat, Baumrodung, Steuerhinterziehung – in Bibis und Tinas Leben brennt es an allen Enden. Überfordern Sie Ihre kleinen Zuschauer damit nicht?

Nee. Wir unterschätzen Kinder häufig. Die haben doch mit Flüchtlingen mehr zu tun als die meisten Erwachsenen: Die gehen mit ihnen in den Kindergarten, in die Schule. Ein Fünfjähriger hat vielleicht noch nicht von Donald Trump gehört. Aber ich wette, ein Siebenjähriger schon. Der versteht auch, dass Dirk Trumpf ein Depp ist. Einer, der ein Stück vom Kuchen abhaben will, aber eigentlich ganz harmlos ist. In den Testvorführungen hatten die Kinder den gleichen Spaß wie bei den Vorgängern. Ich frage sie ja immer nach ihrer Meinung. Die Erwachsenen dürfen mir nichts sagen. Aber die Kinder schon.

Ihre beiden jüngeren Töchter, heute 15 und 17, sollen große Bibi-&-Tina-Fans sein. Was haben sie zu Teil 4 gesagt?

Vor allem meine jüngste Tochter ist Fan. Ihr war am wichtigsten, dass Bibis Freund Tarik wieder auftaucht. Den findet sie klasse. Ich wollte das erst gar nicht. Es gab keinen dramaturgischen Grund dafür. Aber dann haben wir einen für ihn gefunden. Jetzt spielt er am Schluss eine wichtige Rolle.

Apropos Schluss. Ist mit Bibi & Tina 4 die Reihe zu Ende?

Ich denke, man muss aufhören, wenn’s am schönsten ist. So ein Film darf nicht zur Routine werden. Man muss künstlerisch immer ein gewisses Risiko eingehen, sonst wird es reine Pflichtübung. Das ist gerade bei Kinderfilmen schlecht.

Sie wollten ursprünglich schon bei Teil 3 aufhören. Dann kam Bibi & Tina 4.

Wir haben bislang jedes Mal in den Sommerferien gedreht. Diesen Sommer werden wir nicht drehen. Also kann es keinen fünften Teil geben. Jedenfalls erst mal definitiv nicht.

Zur Person: Detlev Buck wurde 1962 im schleswig-holsteinischen Nienwohld geboren, wo er auf dem elterlichen Bauernhof aufwuchs und zunächst eine Ausbildung als Landwirt machte. Währenddessen drehte er seinen ersten Film „Erst die Arbeit und dann?“. Seit seinem Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin ist Buck als Autor, Regisseur und Schauspieler tätig. Mit seinem Film „Bibi & Tina 4“ geht eine der erfolgreichsten Kinder-Kinofilmreihen der vergangenen Jahre in die nächste Runde. Bibi und Tina treffen darin auf einen merkwürdig verschlossenen Jungen, der sich nach kurzer Zeit als Mädchen entpuppt. „Bibi & Tina 4“ kommt am 23. Februar in die Kinos. Bucks nächstes Filmprojekt ist „Gorillas“ nach einer Geschichte von Ferdinand von Schirach. Quelle: dpa

Von RND/Jutta Rinas

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