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Kultur Kinofilm „Der junge Karl Marx“ wird in Görlitz gedreht
Nachrichten Kultur Kinofilm „Der junge Karl Marx“ wird in Görlitz gedreht
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17:51 20.10.2015
Schauspieler August Diehl als Karl Marx bei den Dreharbeiten zum Spielfilm „Der junge Karl Marx“ in Görlitz. Quelle: dpa
Görlitz

Ein Postbote klappert und quietscht mit seinem gelben, vollbepackten Fahrrad über das nasse Kopfsteinpflaster am ehemaligen Gasthaus „Brauner Hirsch“ in Görlitz. „Ruhe, bitte! Wir drehen“, schallt es dem Mann auf Englisch aus dem Kreuzgewölbe entgegen. Alle Wartenden werden still. Aus dem Inneren des Hauses ist Beifall zu hören, es wird französisch geredet. Dann stürmt der Schauspieler Niels Bruno Schmidt aus der Tür. Für ihn endet an dieser Stelle seine Szene für den Film „Der junge Karl Marx“.

Die deutsch-belgisch-französische Koproduktion wird noch bis zum 28. Oktober an der Neiße gedreht. Den Stoff trägt Regisseur Raoul Peck schon seit acht Jahren mit sich herum. Vor zwei Jahren holte er sich unter anderem den Produzenten Benny Drechsl ins Boot. Der Film beginne mit dem Kennenlernen von Marx und Friedrich Engels in Paris und ende mit dem Schreiben des Kommunistischen Manifests, erläutert Peck am Dienstag am Set. „Es ist die Geschichte zweier junger Männer, die die Welt verändern wollten.“

Niels Bruno Schmidt, der im Film den Marx-Vertrauten Karl Grün spielt, hat sich in der Wirtshaus-Szene im Streit vom Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus getrennt. „Die Szene ist sehr lang und muss ohne Unterbrechungen gedreht werden“, sagt er und hört nach drinnen. Dort entlässt der Regisseur Schauspieler und Komparsen in eine zehnminütige Pausen.  Im ehemaligen Gastraum hängen unter dem Kreuzgewölbe dicke Zigarrenwolken. Die Szene spielt im London des Jahres 1847. Die Idee, dass die Arbeiter aller Länder für ihre Rechte eintreten müssen, liegt in der Luft. Einer, der gemeinsam mit Marx und Engels diesen Weg gehen will, ist Joseph Moll - verkörpert von Michael Brandner. „Ich fand das Projekt von Anfang spannend. Eigentlich ist uns doch Marx völlig unbekannt, obwohl ihn alle kennen“, sagte er.

Dreharbeiten zu „Der junge Karl Marx“ in Görlitz. Quelle: dpa

Die Görlitzer nehmen die Filmarbeiten in „Görliwood“ gelassen. Lediglich ein paar Touristen versuchen, einen Blick auf das Set zu erhaschen. „Ich glaube, die Leute haben sich an die Dreharbeiten gewöhnt“, sagt Kerstin Gosewisch von der Stadtverwaltung. Sie ist die Ansprechpartnerin für die Produktionsfirmen. Schon vier Mal hieß es in diesem Jahr im östlichsten Zipfel Deutschlands: „Achtung, Klappe!“ Die nächsten Anfragen für 2016 liegen bereits auf dem Tisch.

Nun dürfen auch die beiden Hauptdarsteller eine Pause machen. Der hollywooderfahrene August Diehl („Inglourious Basterds“) spielt Karl Marx. Um sich auf seine Rolle vorzubereiten, hat er das „Manifest“ gelesen. Außerdem sah er sich eine sowjetischer Serie über den jungen Marx an. Sie entstand Ende der 1970er-Jahre als Gemeinschaftsproduktion der Defa und des Gorki-Studios Moskau. Auch damals kamen die Filmemacher nach Görlitz, um einige Szenen zu drehen. 1981 war die Produktion im DDR-Fernsehen zu sehen. Diehl streicht sich durch seinen dunklen Bart, dern er sich extra für seine Rolle hat wachsen lassen - und der den 39-Jährigen älter aussehen lässt. „Ich mochte von Anfang an das Drehbuch, weil es auch die Geschichte der Freundschaft zwischen Engels und Marx ist“, sagt er. Sein Kollege Stefan Konarske sahen viele Zuschauer erst am vergangenen Wochenende als Dortmunder Tatortkommissar. „Ich fühle mich wohl in der Rolle Engels. Ich glaube, er war ein sehr glücklicher Mensch.“

Es kommt Bewegung ins Set. Die Maskenbildnerin klebt ein paar Komparsen die Bärte wieder fest. 80 Kleindarsteller werden an diesem Tag für die Szene gebraucht. Insgesamt agieren über 1000 Mitwirkende vor der Kamera. Neben Görlitz standen Belgien, Bocholt im Münsterland und Schloss Waldenburg bei Chemnitz auf dem Drehplan. Letzte Station macht das Team um Regisseur Raoul Peck Anfang November in der Nähe des brandenburgischen Kyritz. Im zweiten Halbjahr 2016 soll der Streifen dann in den Kinos zu sehen sein.

LVZ

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