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Klaus Maria Brandauer pilgert auf Wagners Spuren zu Beethoven

Klaus Maria Brandauer pilgert auf Wagners Spuren zu Beethoven

Dass Richard Wagner den Dichter Richard Wagner für mindestens ebenso gewichtig befand wie den Tonsetzer, ist zum Gemeinplatz geworden. Und doch dürfte für viele die Prosa-Erzählung "Eine Pilgerfahrt zu Beethoven" neue Wagner-Saiten zum Schwingen bringen, mit der Klaus Maria Brandauer seit Jahren durch die Lande reist.

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Solidaritätsgeste: Klaus Maria Brandauer und Arno Waschk holen sich ihren Applaus direkt beim Zuschauer ab.

Quelle: Rolf Arnold/CT

Witzig ist dieser Text, den Wagner 1841 schrieb. Da tut ein in Verehrung erbebender Richard Wagner alles,um einmal, ein einziges Mal in Wien dem Meister aller Meister zu begegnen. Also läuft er zu Fuß von Leipzig an die Donau, begegnet unterwegs immer wieder einem Engländer, den Richard bald als störenden Konkurrenten identifiziert. Am Ende wird alles gut: Beethoven schmäht die Hervorbringnisse des Hobby-Kompositeurs von der Insel und gibt Wagner sozusagen den Auftrag, per Musikdrama da anzusetzen, wo die Neunte aufhört.

Brandauer liest das wunderbar. Leise, verhalten, die Hände oft tief in den Taschen seiner verschossenen Hose vergraben, schwärmt er leise als Wagner, schnoddert mit blasiertem Akzent als Engländer, murmelt weise verwirrt als wunderlicher Beethoven. Dazwischen kantet Arno Waschk Splitter von Beethoven-Nebenwerken, was die Lesung rhythmisiert. Eigentlich eine schöne kleine Veranstaltung zum Wagner-Jahr. Aber eine am falschen Ort: Die "Festspiel-Arena", in die sich das Centraltheater hochtrabend verwandelte, ist ziemlich ungeeignet, weil ein großer Teil der rund 200 Plätze im Rücken des Lesenden ist. Immerhin verteilt Brandauer noch einige Stühle, auf dass wenigstens ein paar Glückliche etwas weniger schlecht säßen. Und wie zur Solidaritätsbekundung nimmt er den letzten Applaus mit Waschk ebenfalls im Zuschauer-Rund entgegen.

Waschk beendet den Abend mit Beethovens Sonate op. 111. Ein Achttausender der Klavierliteratur - und blendet man den scheppernd eindimensionalen Klang des Flügels aus, spielt er das Werk fabelhaft. Transparent klingt der kantige Kopfsatz, beherrscht swingt der Beginn des Finales, ätherisch gleißen die Triller-Ketten. Allerdings ist es für manchen wohl auch etwas befremdlich, nach gut einer Stunde Lesung unversehens eine halbe Stunde Klavier auf die Ohren zu bekommen. Trotzdem freundlicher Applaus.

iDie nächste Premiere der "Leipziger Festspiele": morgen, 20 Uhr, beginnt Sebastian Hartmanns Inszenierung von Vladimir Sorokins Roman "Der Schneesturm"; www.schauspiel-leipzig.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.03.2013

Peter Korfmacher

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